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[Genin] Saisho Asami

Saisho Asami

Determination.

Themenstarter Themenstarter

1

Sonntag, 7. Februar 2016, 15:26

Saisho Asami

Charakterbild


(Quelle, Dorf- und Saishosymbole selbst editiert.)


Name: „Asami. Klingt weitaus besser als ‘Akane’, nicht?“
Saisho Asami (jap. für Morgen)

Geburtsdatum/Alter: “Mutter sagt immer, sie könne sich nicht erinnern, wer zuerst geboren wurde. Ich bin mir sicher, dass ich die Erste war...“
Asami wurde am 1. Januar 5 vor Zen Saiki geboren – somit ist sie momentan 12 Jahre alt.

Größe: „Meine Schwester behauptet ständig, sie wäre größer… Niemals!“
Aktuell ist Asami 1,45m groß. Da ist noch Potential!

Gewicht: “Pure Muskelkraft!“
Asami wiegt 39kg.

Geschlecht: “Was denkst du denn?!“
weiblich

Aussehen: „Blendend, denk‘ ich.“

Obwohl Asami auf dem ersten Blick wie ein gewöhnliches und zierliches kleines Mädchen scheint, hat das schon von klein auf begonnene, körperliche Training des Clans schon Wirkung gezeigt. Wer sich mit ihr anlegt, könnte von der ungeahnten Stärke und Wendigkeit der jungen Genin auf dem falschen Fuß erwischt werden. Selbst die Trainingsgewichte, die sie ständig mit sich herumträgt, hindern sie nur noch kaum daran, sich uneingeschränkt und mühelos zu bewegen und würden trotz der zusätzlichen Last somit nur dem geübten Auge auffallen.
Als nächstes würde man wohl die glatten, schwarzen Haare bemerken, welche sich in Form einer langen Mähne über ihre Schultern bis zur Hüfte erstrecken, wenn auch mit einigen widerspenstigen Strähnen, die ungeordnet in diversen Winkeln abstehen, als hätten sie ihren eigenen Willen. Unter dieser massiven Haarpracht blitzen einem zwei große, karminrote Augen entgegen, ein auszeichnendes Merkmal, welches sie sich mit ihrer Zwillingsschwester Akane teilt, genauso wie die dezente Stupsnase ihrer Mutter. Das freche, verschmitzte Grinsen, was die meiste Zeit die schmalen Lippen Asamis ziert, sucht man bei ihrer Schwester jedoch vergeblich.
Den Kleidungsstil der Kunoichi kann man am ehesten als schlicht oder lässig bezeichnen. Den einzigen Schmuck, den sie regelmäßig trägt, ist eine Halskette, welche von einem metallenen Anhänger in Form des Clanemblems geziert wird. Ihr übliches Outfit ist ein schwarzes Tank Top mit silbernen Längsstreifen, gepaart mit einer roten Jacke, dessen Kragen öfters in den Haaren verloren geht. Während den Trainingseinheiten ist diese hochgekrempelt, um optimale Bewegungsfreiheit zu bieten. Fingerlose, durch Leder verstärkte Handschuhe, die beinahe bis zum Ellenbogen reichen, bieten ausreichenden Schutz für Hand und Unterarme, können mit Gewichten versehen werden und bewahren dabei das nötige Fingerspitzengefühl für die Ausführung von Jutsu. Flinke Beinarbeit garantieren knappe, enge Shorts, welche noch zusätzlich durch einen Gürtel an Ort und Stelle gehalten werden, der zusätzlich noch die verschiedenen Taschen voller Shinobi-Equipment trägt. Um ihr Arsenal nicht ständig offen zeigen zu müssen, ist um ihre Hüften meist ein einfaches Tuch gebunden, selbstverständlich versehen mit dem Symbol der Saisho. Der Stirnprotektor von Takigakure ist um ihr linkes Bein gebunden – ihre Haare vertrugen sich nicht gut mit ihm -, während ihr rechtes Bein bandagiert ist und eine weitere Tasche trägt. Anstatt den üblichen Sandalen trägt sie eine modifizierte, höhere Version des typischen Shinobi-Fußwerks, welche, ähnlich wie die Handschuhe, Trainingsgewichte aufnehmen kann.
Durch ein frühes körperliches Training besitzt Asami eine exzellente Haltung und ist überdurchschnittlich beweglich.

Rang: “Eines Tages werde ich genauso stark wie die großen Saisho sein.“

6 Jahre alt / 1 nach Zen Saiki: Eintritt in die Akademie
12 Jahre alt / 7 nach Zen Saiki: erfolgreicher Abschluss der Akademie, Ernennung zum Genin

Clan/Familie: ”Die stärkste in ganz Takigakure.“
Asami gehört zu den Saisho, einem mittelgroßen Clan, welcher als Polizei Takigakures dient.

Vater: Saisho Seduko (geb. am 18. Mai 35 vor Zen Saiki – 42 Jahre alt)


“Otousan lässt mich machen, was ich will.“

Name:
Saisho Seduko

Geburtsdatum/Alter:
18. Mai 35 vor Zen Saiki / 42 Jahre alt

Größe:
2,07 m

Gewicht:
113 kg

Geschlecht:
Männlich

Aussehen:
Über zwei Meter groß und mit einem ausgeprägt maskulinem Körperbau gesegnet, verschafft sich die reine Anwesenheit Sedukos Respekt und Ehrfurcht bei anderen, ohne dass er auch nur ein Wort verlieren braucht. Seine löwenartige, rote Mähne gepaart mit seinen markanten Gesichtszügen verleiht seinen Worten jedoch noch mehr Gewicht und hat zweifellos dazu beigetragen, eine höhere Position im Klan einnehmen zu dürfen.

Rang:
Jounin

Dorfzugehörigkeit:
Takigakure

Beherrschte Elemente:
Katon, Fuuton, Suiton

Kampfstil/Bevorzugte Waffe:
Akkiadori / Schlagringe

Schwerpunkte:
Kraft, Ausdauer, Taijutsu, Intelligenz

Besonderheiten:
4. Generation, Ratsmitglied

Persönlichkeit:
Der wohl auffälligste Persönlichkeitszug des Jounin ist seine direkte und temperamentvolle Art. Obwohl er anderen, insbesondere dem Klansführer oder Älteren, selbstverständlich den nötigen Respekt gegenüber bringt, ist er nicht der Typ, der seine Gedanken geschickt zurecht biegt, bevor er diese äußert. Dies macht er wett, in dem er mit massiver Selbstsicherheit zu seinen Worten steht und die Verantwortung übernimmt, sollte er sich geirrt haben. Kombiniert mit einem stark ausgeprägten Ehrgefühl macht es ihn zu einem verlässlichen und aufrichtigen Ratsmitglied.
Konträr zu der harten Fassade ist er jedoch ein liebender Familienvater, der sich mit bemerkenswert viel Geduld um seine Sprösslinge kümmert, auch wenn er hohe Erwartungen an diese stellt.
Alle diese Eigenschaften soren dafür, dass ihr Vater das größte Vorbild von Asami ist, als Person, aber auch insbesondere als erfahrener und geschätzter Jounin.

Ansehen:
Seine aufrichtige und vertrauenswürdige Art haben Seduko ein hohes Ansehen geerntet, welches sich vom Saisho-Klan über das Dorf bis sogar in andere Nationen erstreckt. Wer ihn kennt, verbindet seinem Namen mit einem kompetenten Shinobi, der nicht nur Führungsqualitäten besitzt, sondern auch auf seine Art als Berater fungieren kann. Als Ratsmitglied des Klans wird seine Meinung hoch geschätzt und hat mehr als einmal das Handeln der Familie bei dem einen oder anderen Beschluss signifikant beeinflusst.

Mutter: Saisho (ehem. Takabe) Nami (geb. am 23. Juli 33 vor Zen Saiki – 41 Jahre alt)


“Ookasan ist meistens eine Spielverderberin!“

Name:
Saisho (geb. Takabe) Nami

Geburtsdatum/Alter:
23. Juli 33 vor Zen Saiki – 41 Jahre alt

Größe:
1,63m

Gewicht:
65kg

Geschlecht:
weiblich

Aussehen:
Deutlich kleiner und zierlicher als ihr Ehemann, kann Nami fast schon als Freundin ihrer Zwillingstöchter durchgehen. Das jugendliche Aussehen wird von einer süßen Stupsnase und großen, leuchtenden Augen nur noch verstärkt. Die langen, rabenschwarzen Haare der Mutter kann man auch bei Asami wiederfinden, auch wenn diese ähnlich struppig sind wie die ihres Vaters.

Dorfzugehörigkeit:
Takigakure

Persönlichkeit:
Um einiges ausgeglichener und ruhiger, ist Nami oft eine Stimme der Vernunft, die ihrem Mann entgegenwirkt und ihn sowie die anderen aufbrausenden Kinder besänftigt. Mit viel Geduld und Toleranz kümmert sich Nami liebevoll um die beachtliche Anzahl an Kindern, wobei es dabei klare Grenzen gibt. Jedes ihrer Sprösslinge, welche sie schon eimal wütend erlebt hat, tat daraufhin alles, um das nicht noch einmal geschehen zu lassen. Selbst Seduko sucht dann das Weite.

Ansehen:
Als junge Frau ahnte Nami noch nicht auf was sie sich einließ, als sie Seduko, Shinobi und hinzu noch Saisho, kennenlernte und die beiden sich verliebten. Aufgewachsen als einfache Bürgerliche war es für sie nicht leicht, auf sich selbst gestellt zu sein während ihr Geliebter gefährliche Aufträge im Namen des Dorfes erledigte, wissend, dass er in diesen Missionen auch sein Lebens aufs Spiel setzen könnte. Letztendlich konnte sie jedoch damit fertig werden und die beiden heirateten. Anschließend staunte sie nicht schlecht, als man ihr davon erzählte, was es mit sich brachte, in den Clan der Saisho einzuheiraten und was dies für ihren Nachwuchs bedeuten würde. Doch all das hinderte Nami nicht daran, mit ihrem Mann zusammen zu sein, den sie liebte und eine Familie zu gründen. Gerade ein Jahr nach der Hochzeit brachte sie schon Drillinge zur Welt, worauf weitere Drillinge und schließlich Asami und Akane folgten.
Neben ihrer Familie ist Nami allerdings kaum an den Familienangelegenheiten beteiligt, vor allem verglichen mit ihrem Ehemann.

Die ältesten Söhne: Saisho Daiki, Saisho Jiro und Saisho Saburo (geb. am 11. September 17 vor Zen Saiki – 24 Jahre alt)


“Neben Otousan sind sie wohl die stärksten Shinobi hier, doch ich werde besser!“

Name:
Saisho Daiki

Geburtsdatum/Alter:
geb. am 11. September 17 vor Zen Saiki – 24 jahre alt

Größe:
2,01 m

Gewicht:
103 kg

Geschlecht:
Männlich

Aussehen:
Daiki ist quasi das Ebenbild seines Vaters. Mit vergleichbarer Körpergröße, dem gleichen, kräftigen Körperbau und maskulinen Gesichtszügen, würde es einem schwer fallen, die Verwandtschaft zu leugnen.

Rang:
Jounin

Dorfzugehörigkeit:
Takigakure

Beherrschte Elemente:
Katon, Fuuton

Kampfstil/Bevorzugte Waffe:
Akkiadori / Schlagringe

Schwerpunkte:
Kraft, Ausdauer, Taijutsu, Intelligenz

Besonderheiten:
5. Generation, ANBU

Persönlichkeit:
Daiki ähnelt seinem Vater nicht nur körperlich, sondern auch in seiner Persönlichkeit. Er besitzt dieselbe Ausstrahlung von Selbstsicherheit, ist allerdings um einiges besonnener als sein alter Herr. Während seine Brüder ein ähnliches Temperament wie Seduko haben, ist er grundsätzlich entspannt und lässt sich nur von wenig aus der Ruhe bringen.

Ansehen:
In der Familie gilt Daiki als ebenbürtig, um eines Tages in die Fußstapfen seines Vaters zu treten und besitzt dementsprechend ein gutes Ansehen bei den anderen Mitgliedern des Klans, insbesondere bei der Führung. Sollte er jedoch eines Tages wirklich das Erbe Sedukos antreten wollen, dann muss er sich noch mehr bemühen und beweisen, was er drauf hat.

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Name:
Saisho Jiro

Geburtsdatum/Alter:
geb. am 11. September 17 vor Zen Saiki – 24 jahre alt

Größe:
2,01 m

Gewicht:
103 kg

Geschlecht:
Männlich

Aussehen:
Ähnlich wie Daiki, kommt Jiro dem Aussehen seines Vaters sehr nahe. Wie es bei Zwillingen üblich ist, sehen sich die Geschwister untereinander auch zum Verwechseln ähnlich.

Rang:
Jounin

Dorfzugehörigkeit:
Takigakure

Beherrschte Elemente:
Katon, Fuuton

Kampfstil/Bevorzugte Waffe:
Akkiadori / Morgenstern + Kette

Schwerpunkte:
Kraft, Ausdauer, Taijutsu, Intelligenz

Besonderheiten:
5. Generation, ANBU

Persönlichkeit:
Im Gegensatz zu den anderen Geschwistern erster Generation, ist Jiro vorsichtig und vorausschauend, darauf bedacht, keinen falschen Schritt zu tun. Darüber hinaus ist er gutmütig und sehr einfühlsam zu anderen, sodass er in der Familie oft die Rolle des Vermittlers bei Streit spielt oder Ratschläge an die jüngeren Kinder gibt. Außerdem ist seine planende Art ein willkommenes Gegenstück zu den eher impulsiveren Einfällen der anderen.
Ansehen:
Auch wenn er sich etwas stärker von Seduko unterscheidet als seine Drillingsbrüder, genießt auch Jiro ein Ansehen als kompetenter Shinobi, der eines Tages die Position seines Vaters annehmen könnte, selbst wenn das noch ein weiter Weg ist.

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Name:
Saisho Saburo

Geburtsdatum/Alter:
geb. am 11. September 17 vor Zen Saiki – 24 jahre alt

Größe:
2,01 m

Gewicht:
103 kg

Geschlecht:
Männlich

Aussehen:
Nicht aus der Reihe tanzend, ist Saburo dem Vater ebenfalls wie aus dem Gesicht geschnitten.

Rang:
Jounin

Dorfzugehörigkeit:
Takigakure

Beherrschte Elemente:
Katon, Fuuton

Kampfstil/Bevorzugte Waffe:
Akkiadori / Tonfa

Schwerpunkte:
Kraft, Ausdauer, Taijutsu, Intelligenz

Besonderheiten:
5. Generation, ANBU

Persönlichkeit:
Ganz im Gegensatz zu Jiro, ist Saburo eher impulsiv und heißblütig. Er geht immer dem nach, wonach seinem Herzen gerade ist, sei es eine Auseinandersetzung, eine Feier oder ein Mädel. Von den Brüdern ist er ebenfalls der kompetitivste und lässt keine Chance aus, sich mit anderen zu messen.

Ansehen:
Ähnlich wie die anderen Drillinge, besitzt Saburo ein gutes Ansehen im Klan, auch wenn etwas mit Sorge auf eine aufbrausende Art geschaut wird. Bevor er in die Fußstapfen Sedukos treten kann, muss er sich in Geduld üben.

Die mittleren Kinder: Saisho Shiro, Saisho Goro, Saisho Rokuko (geb. am 3. Mai 11 vor Zen Saiki – 18 jahre alt)


“...“

Name:
Saisho Shiro

Geburtsdatum/Alter:
geb. am 23. April 12 vor Zen Saiki – 18 jahre alt

Größe:
2,11 m

Gewicht:
113 kg

Geschlecht:
Männlich

Aussehen:
In Sachen Aussehen vereint Shiro das Beste von seinen Eltern, den großen und muskulösen Körperbau seines Vaters kombiniert mit den feinen Gesichtszügen seiner Mutter. Hinzu kommt die für die Saisho typische rote Mähne an Haaren, aber wiederum die leuchtenden, blauen Augen Namis, welche ihn um einiges weiser erscheinen lassen, als er eigentlich ist.

Rang:
Chuunin

Dorfzugehörigkeit:
Takigakure

Beherrschte Elemente:
Katon, Suiton

Kampfstil:
Akkiadori / Großschwert

Schwerpunkte:
Kraft, Ausdauer, Präzision, Taijutsu

Besonderheiten:
5. Generation

Persönlichkeit:
Ähnlich wie Asami ist Shiro überaus selbstbewusst und von sich selbst überzeugt, den Ansprüchen Sedukos mehr als gerecht zu werden und dabei seine Drillingsbrüder sowie die älteren Drillinge zu übertreffen. Sein Temperament ist noch stärker als das seines Vaters, zu dem Punkt dass seine impulsiven und emotionalen Züge ein Hindernis darstellen können. Allerdings heißt dies auch, dass er nie Angst zeigt und stets mutig der aktuellen Herausforderung entgegengeht. Im Kampf hat er sich ganz nach seiner Art auf den direkten Nahkampf und insbesondere auf den claneigenen Kampfstil des Akkiadori spezialisiert, welchen er auf die Waffe seiner Wahl, das Zweihandschwert, übertragen hat. Eine Chance, sich im Kampf mit anderen zu messen, lässt er sich niemals entgehen.

Ansehen:
Zwischen den Drillingen hat Shiro eine Art Sonderstatus. Sehr nach den älteren Drillingen gehend, sind die Erwartungen an ihn besonders hoch und bisher konnte er diesen mehr als genug nachkommen. So gilt er in Klankreisen als talentiert, wenn auch mit Mängeln. Trotz seiner stark ausgeprägten Loyalität und seinem Mut, wird er als kampflustig und unkontrolliert angesehen, woran er noch arbeiten muss.

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Name:
Saisho Rukoku

Geburtsdatum/Alter:
geb. am 23. April 12 vor Zen Saiki – 18 Jahre alt

Größe:
1,80 m

Gewicht:
73 kg

Geschlecht:
Männlich

Aussehen:
Immer noch durchschnittlich groß, aber winzig im Vergleich zu seinem Vater, ist Rokuko das körperliche Gegenteil Sedukos. Eine schlanke Figur und die schwarzen Haare seiner Mutter sind eine willkommene Abwechslung verglichen mit den großen, rothaarigen Machos, die es so zahlreich in diesem Zweig der Familie gibt.

Rang:
Chuunin

Dorfzugehörigkeit:
Takigakure

Beherrschte Elemente:
Doton, Suiton

Kampfstil:
Akkiadori / Sai

Schwerpunkte:
Kraft, Ausdauer, Präzision, Taijutsu

Besonderheiten:
5. Generation

Persönlichkeit:
Während Shiro sich eher übermütig überschätzt, ist Rokuko eher die Art von Person, welche dazu neigt, seine eigenen Fähigkeiten zu unterschätzen. Diese übertriebene Bescheidenheit sorgt aber dafür, dass er äußerst zuverlässig und nachdenklich ist. Bevor er etwas tut, wägt er gründlich Optionen ab und entscheidet ruhig und gewissenhaft, wie vorzugehen ist. Im Kampf erkennt man diesen Persönlichkeitszug daran, dass er nur wenig vom Nahkampf hält und den Fernkampf bevorzugt.

Ansehen:
Trotz seinen Fähigkeiten ist Rokuko ein eher unauffälliger Shinobi, was bei seiner Arbeit als ANBU oder Leibwache des Klanführers alles andere als hinderlich ist. Stattdessen überlässt er lieber anderen das Rampenlicht, da er selbst dieses nur wenig genießt.

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Name:
Saisho Goro

Geburtsdatum/Alter:
geb. am 23. April 12 vor Zen Saiki – 18 Jahre alt

Größe:
1,91 m

Gewicht:
89 kg

Geschlecht:
Männlich

Aussehen:
Ähnlich wie Rokuko geht Guro eher nach seiner Mutter, aber auch ein paar einzelne Merkmale seines Vaters sind zu entdecken. Mit einer Körpergröße von 1,90m bildet er eine Art Kompromiss zwischen den beiden Körpertypen und seine schwarzen Haare verbunden mit den blauen Augen vereinen die Charakteristika seiner Eltern wie kein anderer der Drillinge.

Rang:
Chuunin

Dorfzugehörigkeit:
Takigakure

Beherrschte Elemente:
Raiton, Fuuton

Kampfstil:
Akkiadori / Stab

Schwerpunkte:
Kraft, Ausdauer, Präzision, Taijutsu

Besonderheiten:
5. Generation

Persönlichkeit:
Goro könnte man am ehesten als die Ruhe selbst beschreiben. Stets still und zurückhaltend, wartet er auf die richtige Gelegenheit, um sich einzubringen und tut dies nie unüberlegt. Anderen gegenüber ist er stets höflich, zuvorkommend und niemals verurteilend, egal was geschieht. Insofern ist er quasi die Stimme der Vernunft in dieser Generation von Saisho.

Ansehen:
Unter den drei Brüdern war Goro der tugendhafteste von ihnen. Stets zuverlässig, ehrenhaft und loyal. Er galt als wahrscheinlicher Kandidat, eines Tages den Platz seines Vaters einzunehmen. Mit diesen Aussichten wurde er schon früh beiseite genommen um tiefere Einblicke in die Angelegenheiten des Klans zu bekommen und was für eine Art von Arbeit ihn erwarten würde. Dies brachte ihm auch die Ehre, als Leibwächter des Klansführers zu dienen, bis Goro bei einem Angriff auf das Dorf während der Erfüllung seiner Pflichten sein Leben verlor. Obwohl Asami sich am besten mit Shiro verstanden hatte, traf der Verlust sie trotzdem schwer, welchen sie noch immer nicht komplett verkraftet hat.

Zwillingsschwester (zweieiig): Saisho Akane (geb. am 31. Dezember 5 vor Zen Saiki – 12 Jahre alt)


“Meine Schwester könnte manchmal etwas weniger wie Ookasan sein..“

Der für Asami wohl wichtigste Mensch in ihrer Familie ist ihre Zwillingsschwester Akane. Als zweieiige Zwillinge sehen sie sich zwar ähnlich, ihre Persönlichkeitszüge können jedoch sehr verschieden sein, wie zwei Seiten einer Medaille. Während Asami ein energischer, pragmatischer und spontaner Hitzkopf ist, welcher seinem Herz folgt ist Akane ein berechnendes, kühlendes und diszipliniertes Vorbild, welches auf seinen Kopf hört.
Ein wichtiger Teil ihres Verhältnisses zueinander ist, dass sie sich ständig gegenseitig herausfordern und sich mit dem anderen messen. Alles ist ein Wettkampf zwischen ihnen, wobei Akane noch eher gewillt ist, auszusteigen, wenn es zu ernst wird. Asami gibt nicht auf, bis sie entweder gewonnen hat oder endgültig geschlagen wurde.
Trotz ihrer Differenzen und obwohl sie ständig aneinandergeraten, ist die Verbindung zwischen ihnen eisern. Nichts konnte sie bisher ernsthaft auseinanderbringen. Asami mag zwar ab und zu den fiesen Kommentar abgeben, worauf ein Gerangel zwischen den beiden Saisho folgt, am Ende stehen sie sich jedoch grinsend gegenüber und hegen keinen Groll gegeneinander.


Geburtsort: “Wir sind ein kleines Dorf, aber nicht zu unterschätzen.“
Takigakue

Aufenthaltsort: “Wo sollte ich sonst sein?“
Takigakure

Team: ”Meiner Schwester werd‘ ich’s zeigen!“

- Saisho Asami
- Saisho Akane
- Megumi Kuro

Sensei: “Kurai sollte mich lieber exzellent trainieren, wenn er weiß, was gut für ihn ist!“
Saisho Kurai

Elementzuneigung: “Intensität des Feuers!“
Katon, Fuuton

Beherrschte Elemente:
Katon

Inventar: “All dieses schwere Zeug..“

Rücken:
• 2 Hakenschwerter (Quelle)
• (nur auf Missionen) Rucksack mit variablem Inhalt relevant für die Mission
• 1 Fuuma Shuriken

hintere Gürteltaschen:
links:
• 15 Shuriken
• 15 Kunai
• 5 Rauchbomben
• 5 Kibakufuda

rechts:
• kurzes Blasrohr
• 5 Giftpfeile (herkömmliches Gift, auf längere Zeit ohne Behandlung lebensbedrohlich)
• 10 Giftpfeile (schwaches, herkömmliches Gift, lähmend)
• kleiner Handspiegel
• Dietrich (nur leichte Schlösser knackbar)

vordere Gürteltaschen:
rechts:
• 15 Kunai
• 15 Shuriken
• 5 Rauchbomben
• 5 Kibakufuda
• Drahtspule mit 100m Draht

links (Verbandskasten):
• 10m Verband (2x 5m Rollen)
• Je 2 Schmerz-, Soldaten- und Blutstoppillen
• 2 Fläschchen herkömmliches Gegengift
• 1 Fläschchen herkömmliches Gift

Beintasche:
• 1 Fuuma Shuriken

Stiefel & Handschuhe:
• Je 1 Trainingsgewicht

Kampfstil: „Ich werde alle übertreffen! Durch Training zur Perfektion schlage ich jeden.“

Als angehende Kunoichi im Saisho-Clan begann für Asami schon während ihres Besuches der Shinobi-Akademie ein hartes, körperliches Training, welches ohne Zweifel ihren Kampfstil stark formte. Ihre dadurch gewonnene Kenntnis in Taijutsu und beeindruckende körperliche Verfassung für ihr Alter, welche teilweise schon mit älteren Genin mithalten kann, sind ihre mächtigste Waffe und somit ist sie sehr darauf aus, den Gegner im Nahkampf zu überwältigen. Situationen, in denen eine direkte Konfrontation keine Möglichkeit ist und eher auf unauffälliges Schleichen gesetzt wird, kann sie bewältigen, werden von ihr jedoch nicht bevorzugt. Absolut ungeliebt hingegen sind Fernkampf oder Geplänkel, bei dem sie sich auf ihr Shinobi-Equipment, wie z.B. Kunai und Shuriken, verlassen muss.
Für den unbewaffneten Nahkampf benutzt sie einen Stil, der darauf basiert, zwischen verschiedenen Haltungen überzugehen. Jede dieser Haltungen erlaubt dabei andere Aktionen, seien es Schläge, Tritte, Griffe oder Würfe. Allgemein sind die Angriffe jedoch sehr direkt und impulsiv und erlauben es einem, schnell dem Gegner nahe zu kommen, den Angriff auszuführen, und vor einem Vergeltungsschlag wieder einen Schritt zurück zu bewegen. Asami hat in diesem Stil besonders Tritte und Beinarbeit trainiert.
Eine besondere Form von Taijutsu, dessen Grundlagen ihr von ihrem Vater, Saisho Seduko, gelehrt wurden, ist das Akkiadori, eine spezielle Technik der Saisho, welche sich bis auf die Künste der Hyuuga aus Konohagakure zurückverfolgen lassen. Das Akkiadori legt viel Wert auf Schläge und kreisförmige Bewegungen.
Die grundlegenden Ninjutsu, welche man ihr in der Akademie vorgestellt hat, wurden von ihr intensiv studiert und trainiert, sodass sie diese nun sicher und überzeugend beherrscht. Sogar ein Element wurde von ihr schon erlernt, auch wenn der Umgang damit noch in den Anfängen ist und sie bisher nur zwei Katon-Jutsu beherrscht. Ihrem Alter entsprechend sind ihre Jutsu noch sehr allgemein gehalten, auch wenn sie sich vorgenommen hat, zukünftig erlernte Techniken ihrem Kampfstil anzupassen.
Zu den unbewaffneten Nahkampftechniken kommt die Nutzung von Hakenschwertern. Diese bestehen aus einem herkömmlichen Griff, einem Handschutz, einer beidseitig geschärften Klinge, welche in einen stumpfen, aber stabilen Haken übergeht und einer dolchähnlichen Spitze an der Unterseite des Griffs. Der Handschutz selbst ist eine Klinge in Form einer Mondsichel, welche somit nicht nur defensiv, sondern auch offensiv genutzt werden kann.
Wie bei normalen Schwertern liegt der Fokus bei der Benutzung dieser Waffen auf kräftigen Hieb- und Schlitzattacken, allerdings sind durch den stumpfen Haken keine Stichattacken mehr möglich. Stattdessen kann er dazu benutzt werden, um unüberlegte Angriffe zu kontern, indem man die Waffe des Gegners pariert, sofern möglich, mit dem Haken blockiert und den Kontrahenten mit einem Ruck entwaffnet. Auf die Füße angewandt, können sie einen unvorsichtigen Feind ebenfalls zu Fall bringen, indem man die Beine wegzieht, auch wenn dies weitaus seltener vorkommt. Die weiteren Modifikationen im Vergleich zu herkömmlichen Schwertern sind der Handschutz, mit dessen Hilfe man einen unvorhergesehenen, schnellen Faustschlag, mit dem geschärften Eisen als Schlagring fungierend, ausführen kann. Die Spitze an der Unterseite der Waffe stellt die Möglichkeit für Stichattacken wieder her, auch wenn diese durch die Position einen anderen Winkel haben und somit spezielles Timing erfordern. Das Raffinierte an den Hakenschwertern ist jedoch, dass man sie ineinander haken kann, um somit seine effektive Reichweite zu verdoppeln. Dabei ändert sich jedoch der Stil enorm, da die Hiebangriffe weitaus mehr Schwung besitzen müssen, damit die Verbindung nicht instabil wird. Des Weiteren zeigen nun die Dolchspitze des eingehakten Schwerts sowie der Handschutz dem Gegner entgegen, wodurch die Angriffsmuster eher denen einer Hellebarde entsprechen.
Die gleichzeitige Benutzung von zwei Waffen in je einer Hand selbst weist jedoch auch einige Besonderheiten auf. Da das gleichzeitige Angreifen mit beiden Waffen den Fluss der Bewegungen unterbricht und das Gleichgewicht stören kann, sind die Attacken sequentiell angeordnet, wobei die Hände unterschiedliche Rollen übernehmen. Die bevorzugte Hand, links im Fall von Asami, agiert offensiv, die andere defensiv. Der größte Vorteil an der Beidhändigkeit ist die Möglichkeit, den Zug des Gegners mit beiden Waffen zu parieren und mit der Offensiven einen Konterangriff zu starten. Die Hakenschwerter mit ihrer erhöhten Kontrolle über Paraden und die Waffe des Gegners komplimentieren diesen Stil, weswegen sie nur selten einzeln anzutreffen sind.
Alles in Allem ist es ein sehr direkter und energischer Kampfstil, verstärkt durch die verschiedenen Nahkampftechniken.

Akkiadori:

Der Kampfstil der Saisho, das so genannte „Akkiadori“, lässt sich bis auf den Ursprung des Clans bei den Hyuuga zurückführen. Auch heute noch sind Parallelen zu der berühmten Technik aus Konohagakure zu erkennen. Elegant, voller Drehungen und Wendungen, erinnert das Akkiadori an einen todbringenden Tanz. Aus beinahe jeder Position ist es möglich, gegnerische Angriffe zu kontern oder selbst eine lange Folge von gefährlichen Angriffen zu initiieren. Die Offensivkraft der Clantechnik wird dabei nur von seiner Defensive in den Schatten gestellt, welche darauf basiert den Gegner zu keiner aus den Augen zu verlieren.
Der größte Unterschied zwischen dem Akkiadori und dem Kampfstil der Hyuuga liegt in der Art des Angriffs. So werden beim Akkiadori nicht die Tenketsu (Chakrapunkte) attackiert, da diese ohne das Byakugan nicht sichtbar sind. Anstelle dessen sind die Druckpunkte (Nervenzentren) des Gegners das Ziel. Nichtsdestotrotz gelten die Kombinationen aus bis zu 256 Schlägen nicht als ungefährlicher als das Original, so können die blitzschnellen und harten Angriffe doch verheerende Schäden hervorrufen.
Ebenfalls bekannt ist die „Perfekte Verteidigung“ des Akkiadori, welche mehr als nur eine Adaption der Hyuuga-Techniken ist. So existiert innerhalb des Clans neben dem originalen Hakkeshou Kaiten sogar eine verbesserte Version, welche mit Hilfe des Windelements noch beeindruckendere Effekte hervorruft.

Stärken: “Was anderes hab ich nicht!“
(Anmerkung: Asami wurde mit Akademisten im letzten Jahr und Frisch-Genin verglichen, damit Stärken und Schwächen einigermaßen ausgeglichen sind.)

Als frische Absolventin der Shinobi-Akademie von Takigakure kann sich Asami zwar nicht mit den älteren Genin messen, ist jedoch in der Lage mit anderen ihres Alters mehr als nur zu konkurrieren, besonders im Nahkampf. Überdurchschnittliche Kraft und ein beachtliches Tempo verglichen mit anderen ihrer Klasse sind die Früchte des harten körperlichen Trainings, dem sie sich unterzieht. Eine sehr systematische Herangehensweise an ihre Kampfkünste sorgt dafür, dass sie auch in einem schnellen Kampf zügig reagieren kann, da sie durch die geregelten Bewegungsabläufe sich immer nur zwischen wenigen Möglichkeiten entscheiden muss, verglichen mit einem freien Kampfstil.
Mit grundlegenden Taktiken und Manövern der Shinobi-Welt ist sie vertraut, kann diese kontern und eventuell sogar vorhersehen, kreativere oder fortgeschrittene Strategien können sie jedoch überraschen.
Während der Akademie war sie im Punkt Ninjutsu unter den Begabteren ihrer Klasse. Verglichen mit einigen ihrer Klassenkameraden fiel es Asami oft leichter, ihr Chakra zu sammeln und in die richtige Form zu bringen, um so die anfänglichen Techniken auszuführen, vor allem, da ihr Chakravorrat selbst leicht überdurchschnittlich ist, was ein längeres Training ermöglicht, bis eine Pause eingelegt werden muss. Ninjutsu mit höheren Ansprüchen stellen jedoch noch eine Herausforderung dar, da es ihr noch an der nötigen Kontrolle fehlt, um komplexere Formen länger aufrecht zu erhalten.
Eine weitere Stärke ist ihre ambitionierte und perfektionistische Art. Wenn sie sich wirklich ein Ziel in den Kopf gesetzt hat, arbeitet sie hart an sich selbst und gibt nur schwer auf, bevor sie dieses erreichen konnte. Dies zieht mit sich, dass es manchmal so aussieht, als ob ihr manche Dinge leicht fallen, wenn in Wahrheit doch eine Menge Fleiß in diese hineingegangen ist.
In Situationen, in denen Zusammenarbeit erforderlich ist, scheint ihr starkes Gefühl von Zusammenhalt, zumindest, wenn es Leute betrifft, die ihr am Herzen liegen. Wer Mitglied des Teams oder der Familie ist, kann sich ihrer Loyalität sicher sein, auch wenn es auf dem ersten Blick nicht so scheint.

Schwächen: “So was suchst du bei mir vergebens...“

Während ihre Kraft und ihr Tempo hervorstechen, mangelt es Asami noch an Präzision, vor allem verglichen mit ihrer Zwillingsschwester Akane. Dadurch wirkt ihr Kampfstil teils hitzköpfig und unüberlegt, auch wenn dies eher ein Mangel an ihrer Seite ist als eine Eigenschaft des Stils. So ist es für einen sehr geübten Taijutsuka recht einfach, ihren Angriffen auszuweichen oder diese auf unempfindliche Stellen abzulenken, auch wenn sie in ihren Augen ein Sperrfeuer an Schlägen, Tritten und Hieben auf ihn entfesselt.
Ebenfalls limitiert sind ihre Nahkampffähigkeiten durch eine verbesserungsbedürftige Ausdauer, welche längere Duelle für sie zu einem Problem macht. Landet sie den entscheidenden Schlag nicht schnell genug, kann der Kontrahent auf Zeit spielen, wodurch sie sich selbst zur Erschöpfung bringt, im Versuch, den Kampf wieder auf Tempo zu bringen, um ihren Stärken zuzuspielen.
Ihr Verständnis von Genjutsu beschränkt sich bisher auf nur die absoluten Grundlagen und sind rein theoretischer Natur. Asami beherrscht keines, noch hat sie die Möglichkeit, selbst die einfachsten Täuschungen aufzulösen, außer durch Schmerz. Im Prinzip hofft sie, einen Genjutsu-kundigen Gegner in einen Nahkampf verwickeln zu können, sodass er nicht einmal die Zeit hat, solche Techniken auszuführen. Diese Schwäche stört Asami selbst allerdings nur wenig, in ihren Augen sind Genjutsuka Feiglinge, welche sich gefälligst auf einen guten, alten Faustkampf einlassen sollten!
Motiviert in den Sachen, die sie interessiert, ist ihre Arbeitsmoral und ihre Umgänglichkeit hingegen schwierig. Ihre sehr ausgehende und energische Art verträgt sich bei Weitem nicht jeden und somit gerät sie öfter in Streit, manchmal auch um die belanglosesten Dinge, welchen sie unbedingt gewinnen möchte. Einsicht oder Kompromissbereitschaft bei ihr zu suchen ist oft vergeblich.
Ihre ambitionierte Ader, welche normalerweise von Vorteil ist, kann sich aber auch schnell zum Nachteil entwickeln, sollte es Sachen betreffen, die ihr nicht sonderlich zusagen. Ist keine Motivation vorhanden, fällt es ihr schwer, etwas zu erledigen oder sich damit zu beschäftigen. Viel lieber würde sie ihre Fähigkeiten in den Gebieten verbessern, welche ihr wirklich wichtig sind.

Besonderheiten:
Asamis Seelentier (siehe Clan) ist ein Wolf. Der Einfluss ihres inneren Biests hat ihr Chakra leicht violett verfärbt. Des Weiteren ist sie Linkshänderin.

Persönlichkeit: “Du willst aber auch wirklich alles wissen!“

Asami ist in erster Linie ein sehr energiegeladenes und extrovertiertes Mädchen mit einer genauen Vorstellung von dem, was sie will. Wenn sie sich etwas wirklich in den Kopf gesetzt hat, bleibt sie hartnäckig, bis sie bekommt, was sie möchte. Sollte es dabei dem Ziel dienlich und dem Anlass angemessen sein, kann sie sogar manipulative oder gar hinterhältige Züge zeigen, indem sie andere gegeneinander ausspielt oder geschickt in die richtige Richtung lenkt. Dabei hilft ihr eine gute Intuition dafür, Menschen einzuschätzen und festzustellen, wie man sie am ehesten überredet, aber auch deren Grenzen zu erkennen.
Ihr freches und vorlautes Mundwerk hingegen hat sie schon in einige Schwierigkeiten gebracht, auch wenn ihr immer wieder eingebläut wird, freundlicher und höflicher zu anderen zu sein – vor Allem von ihrer Mutter -, ein Ratschlag, den sie bisher nicht wirklich zu beherzigen pflegte. Dass ihr Umgangston nicht der netteste ist, heißt aber keinesfalls, dass ihr andere Personen egal sind, im Gegenteil. Gelegentliche Streiche und Sticheleien beiseite, betrachtet Asami Familie und Freunde als ihr „Rudel“, welches sie im Zweifelsfall ohne zu zögern vor anderen verteidigen würde. Den gleichen Schutzinstinkt hat sie für Fremde aber nicht.
Gepaart mit ihrer aufbrausenden Art kommt ein stark ausgeprägtes Selbstbewusstsein, mit leicht egoistischen oder selbstgefälligen Zügen. Die Konkurrenz unter den Geschwistern, besonders die Rivalität mit ihrer Zwillingsschwester Akane, hat sie zu einer äußerst kompetitiven Person gemacht, mit hohen Ansprüchen an sich selbst, aber auch dem sicheren Gefühl, stets überlegen zu sein. Versagen oder Unzulänglichkeit trifft die Kunoichi somit schwer. Dies führt dazu, dass es leicht für sie ist, sich in etwas zu sehr hineinzusteigen und sich Hals über Kopf in etwas zu stürzen mit der Absicht, sich dadurch gegenüber anderen zu beweisen. In diesen Situationen fällt es ihr schwer, einen kühlen Kopf zu bewahren und schätzt Gefahren als geringer ein, als sie es eigentlich sind.
Trotz all ihrer Ambition fehlt es ihr allerdings an Disziplin. Gibt man ihr eine Aufgabe, die sie als unwichtig oder uninteressant betrachtet, verschiebt sie diese gerne bis zur letzten Sekunde oder erledigt sie gar nicht. Stattdessen konzentriert sie sich lieber auf das, wonach ihr gerade ist, was ihr wichtiger erscheint. Äußerst wichtige Pflichten werden jedoch, wenn auch unter Protest, bewältigt.
Sollte Asami allerdings ausgesprochen frustriert sein, ändert sich ihr Verhalten stark. Normalerweise kontaktfreudig, bevorzugt sie es, sich zurückzuziehen und zu versuchen, mit ihren Problemen alleine fertig zu werden. Auf angebotene Hilfe von anderen reagiert sie gereizt. Sich anderen Personen anzuvertrauen oder sich auf dessen Ratschläge oder Hilfe zu verlassen, ist in ihren Augen ein Zeichen von Schwäche, welches es zu vermeiden gilt.

Charakterstory: “Die Hälfte weiß ich gar nicht, da war ich noch ganz klein…“
siehe zweiter Post

Wichtige Ereignisse:

5 vor Zen Saiki - Geburt
5 nach Zen Saiki – Siegelzeremonie
5 nach Zen Saiki – Tod ihres Bruders Goro
7 nach Zen Saiki – Abschluss der Akademie
7 nach Zen Saiki – Eintritt in ihr erstes Team

Diagramm:



Zweit-Chara:

Koketsu Fenikkusu
Kototeki Jinai

Code:

Code passt, Kira (8-|

Inhaltlich ist der Steckbrief fertig, Rechtschreib- und Grammatikfehler werden noch ausgemerzt.

Dieser Beitrag wurde bereits 12 mal editiert, zuletzt von »Saisho Asami« (8. August 2016, 22:10)

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Saisho Asami

Determination.

Themenstarter Themenstarter

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Sonntag, 7. Februar 2016, 15:29

Kapitel 1: Die Geschichte beginnt


Es war nicht eine Wolke am Himmel zu sehen, am Silvesterabend 6 vor Zen Saiki. Ungestört funkelten die Sterne am Himmelszelt, nur übertroffen von einem großen, rundem, Vollmond, der dem schneebedeckten Takigakure Licht spendete, als wäre es Tag. In dieser Nacht herrschte, wie üblich, emsiger Betrieb auf den Straßen des Dorfes, denn wahrlich keiner wollte das Spektakel pünktlich zum Jahreswechsel verpassen: Ein buntes, prächtiges Feuerwerk. Nur wenige Unglückliche mussten sich dies entgehen lassen, sei es, weil sie körperlich nicht mehr in der Lage waren, sich zum Dorfplatz zu begeben oder die wenigen Dienste aufrecht erhalten mussten, die selbst zu Neujahr keine Pause einlegen konnten.
Unter diesen „Unglücklichen“ waren auch Saisho Seduko und Nami, welche schon seit dem Nachmittag im örtlichen Krankenhaus stationiert waren: Bei Nami hatten, ganz nach Vorhersagen der Doktoren, die Wehen eingesetzt. Betreut wurde sie von Aosugi Rin, einer jungen, aber hoch angesehenen Ärztin, welche das Hölzchen ziehen mit ihren Kollegen verloren hatte und somit zu Neujahr den Notdienst im Krankenhaus leisten musste. Es war allerdings schon kurz vor Mitternacht, als Asami den Bauch ihrer Mutter verließ. „Ein bildhübsches Mädchen“, meinte Rin, während Seduko die Nabelschnur des Neugeborenen durchtrennte und eine der Hebammen das Kind an sich nahm, um es zu säubern, zu messen und zu wiegen, wie es üblich ist. Doch noch war die Arbeit nicht getan, denn Nami erwartete Zwillinge. “Das macht ihr ausgezeichnet Nami-sama. Das Kind liegt richtig und ist bereit für den Endspurt. Holt nun noch einmal tief Luft und dann press so fest ihr könnt“, sprach die Ärztin der Mutter ruhig und aufmunternd zu, während diese vor Anstrengung stöhnte. Mit den ersten leuchtenden Farben des Feuerwerks erblickte Akane das Licht der Welt und auch sie wurde von der Hebamme entgegen genommen. Erschöpft, aber froh über den Nachwuchs, atmete Nami tief durch und lächelte ihrem Mann entgegen, während die beiden darauf warteten, dass man ihnen ihre Kinder zurückbrachte, was dann auch nach nur wenigen Minuten geschah. “Habt ihr euch schon Namen für die beiden überlegt?“, fragte Rin neugierig, während Nami die beiden Kleinen im Arm hatte. "Ich habe nicht sonderlich viel Erfahrung mit Mädchennamen. Aber ich denke dich werde ich Asami nennen", sagte sie sanft, ihr Blick dabei zu Asami fahrend, welche eng an ihre Mutter geklammert bereits schlief. "Und du, die du die Welt um dich nicht aus den Augen lassen kannst nenne ich Akane", fuhr sie fort, während sie den neugierigen Blick Akanes roter Augen erwiderte.
„Wundervolle Namen. Kindern die zu so einem besonderen Moment geboren wurden würdig“, meinte die Ärztin, als sie das Zimmer verließ. "Ein Tiger bist du Asami-chan", meinte Nami, während der Raum vom strahlenden Feuerwerk erhellt wurde, „Und du Akane bist…Ein Hase geworden. Zwillinge die in unterschiedliche Jahre geboren wurden. Was für ein ungewöhnlicher Anfang…"

Kapitel 2: Die ersten Schritte


Wie von den Eltern erwartet, entwickelten sich die kleine Asami und ihre Zwillingsschwester Akane sehr gleichmäßig. Es war fast eine Art Spiel geworden, zu erraten, wer den nächsten Meilenstein zuerst erreichen würde – wer als Erstes lief, sprach oder essen konnte, ohne eine gewaltige Schweinerei zu verursachen. Letzteres dauerte bei Asami einige Zeit.
Die beiden Mädchen wurden schon früh, wie bei einem Shinobi-Klan üblich, mit dem Ninja-Dasein konfrontiert. Seien es die ältesten Geschwister, die gelegentlich das Dorf für Missionen verließen und allgemein sehr mit dem Training beschäftigt waren, die mittleren Geschwister, welche zu der Zeit selbst in der Akademie waren und sich zu Hause über so manchen Lernstoff ausließen, oder ihr Vater, welcher sich mit der Zeit immer mehr um Clanangelegenheiten kümmern musste, als er sich um seine Kleinsten sorgen konnte. Mit solchen zahlreichen Vorbildern war es keine Überraschung, dass sobald Asami und Akane selbständig laufen konnte, sie im Garten des Anwesens Ninja spielten und so manchen imaginären Bösewicht mit Stock und Stein besiegten. Doch irgendwann war das nicht mehr interessant genug, viel lieber wollten die beiden sich gegenseitig messen: Nur bewaffnet mit je einem Stock traten sie gegeneinander an. Wer einen „tödlichen Treffer“ erlitt, hatte verloren.
Natürlich wollte keiner von ihnen eine Niederlage eingestehen. Wütend machte Akane dicke Backen. “Stimmt ja gar nicht!“, beschwerte sie sich. “Stimmt ja wohl! Schummlerin!“, erwiderte Asami. “Aber du hast mich doch gar nicht getroffen! Ich hab doch nur so getan!“, maulte Akane. “Eben!“, erklärte Asami und zog mit einem Finger ihr Augenlied herab während sie die Zunge rausstreckte, “Du hast es ausgespielt, also hab ich gewonnen! Selber schuld, wenn du so blöd bist!“ Wütend stampfte Akane auf. “Selber blöd! Du hast mich nicht getroffen ich dich aber schon! Also hab ich gewonnen!“ Ein lautes Knallen unterbrach die Diskussion und Akane legte ungläubig ihre Hand auf ihre Wange, welche nun von einer langen Strieme geziert wurde. “Aber den hast du jetzt gemerkt oder?“, hörte sie ihre Schwester mit überschlagender Stimme rufen. Einen Augenblick sah es so aus als wolle Akane losheulen, doch dann holte sie aus und schlug ebenfalls zu. Eine kleine Beule bildete sich auf der Stirn Asamis an der Stelle, an der Akane sie getroffen hatte. Momente lang starrten sie sich an, dann gingen sie aufeinander los. Prügelnd, Haare raufend und sich gegenseitig lauthals beschimpfend kugelten die beiden Schwestern auf dem gepflegten Rasen des Saisho-Anwesens herum und veranstalteten dabei einen derartigen Lärm, dass ihre Mutter es hörte und aus dem Haus stürmte, um die beiden Streithähne zu trennen. Schnellen und entschiedenen Schrittes lief sie hinüber zu den beiden Kämpferinnen und griff sich die beiden, je eine pro Arm, und zwang sie somit auseinander. „Was ist denn in euch gefahren?!“, keifte sie spürbar zornig. „Akane hat geschum-!“, fing Asami an, sich zu rechtfertigen, ein ihr bisher unbekannter bitterböser Blick ihrer Mutter verstummte sie jedoch augenblicklich. „Wartet nur, bis euer Vater hiervon erfährt, dann kriegt ihr aber was zu hören!“ Mit eisernem Griff zerrte Nami ihre beiden Töchter zurück in das Haus und setzte sie an den großen Tisch. „Rührt euch ja nicht vom Fleck“, drohte sie noch, als sie sich aufmachte, Seduko zu suchen, damit dieser die beiden belehren konnte.
Nachdem sie den Raum verlassen hatte, starrten die Zwillinge jeweils eingeschnappt in eine Richtung und wechselten kein Wort miteinander. Wann immer sich ihre Blicke trafen, rümpften sie einfach nur die Nase und schauten wieder weg. Dies setzte sich für einige Minuten so fort, bis Asami seufzte und das Wort ergriff. „Tut mir Leid, nee-chan“, murmelte sie kleinlaut und schaute Akane mit einer Mischung aus Reue und Widerwillen in ihrem Blick an. Diese seufzte ebenfalls. „Tut mir auch Leid...“, erwiderte sie, während sie auf ihren Vater warteten, „Ookasan war wirklich sauer.“ „Nächstes Mal müssen wir einfach leiser sein“, meinte Asami mit einem Grinsen, welches aber sofort wieder verschwand, als man hören konnte, wie Nami mit Seduko im Schlepptau wieder zurückkam.
Mit einem Kopfschütteln und einem missbilligendem Gesichtsausdruck ging der hochgewachsene Shinobi zum Tisch und setzte sich langsam hin. „Was habt ihr denn nur angestellt...“, murmelte er zu sich selbst und sah sich die beiden Mädchen an, teils mit blutigen Kratzern und blauen Flecken übersehen, welche beide nur leise den Tisch anstarrten. Doch anstatt laut zu werden blieb ihr Vater merkwürdig ruhig. „Shinobi wollt ihr also sein? Shinobi bekämpfen nicht ihr Dorf, ihre Familie und schon gar nicht ihre eigenen Schwestern. Auch das ernsthafteste Training ist kontrolliert und hat seine Grenzen“, begann er Akane und Asami zu belehren, „Genau deswegen gibt es die Akademie, um so etwas zu lehren, bevor ihr euch die Köpfe einschlagt. Und vergesst das niemals: Aufeinander müsst ihr euch immer verlassen können.“ „Dann wollen wir mal sehen, dass wir euch Dreckspatzen sauber bekommen. Ab ins Bad“, beendete Nami den Vortrag, worauf die Zwillinge nur ein „Ja, Ookasan“ entgegenzubringen hatten und ihr bereitwillig folgten. „Au, das brennt!“ rief Asami, als das heiße Wasser über die noch sensiblen Wunden lief. Viel Mitgefühl konnte ihre Mutter allerdings nicht aufbringen. „Shinobi jammern nicht.“

Ebenfalls unvergesslich für Asami war der Tag, an dem sie sich fest entschloss, genau wie ihr Bruder Shiro eines Tages Katon zu lernen und den Umgang mit den Flammen zu meistern. Sie war gerade erst aufgewacht, als sie im Wohnzimmer ihren Vater und Shiro streiten hören konnte. Schnell zog sie sich an und eilte nach unten, um zu sehen, worum es ging. „Du hast es mir versprochen!“, rief ihr Bruder, während sie die Treppe runterlief. „Ich konnte nicht ahnen, dass du so unvorsichtig sein würdest“, erwiderte Seduko und blickte zu Asami hinüber, als diese das Wohnzimmer betrat. „Was ist denn los?“, fragte sie unschuldig, während sie sich ein Auge rieb. „Otousan verbietet mir mein Katon-Training!“, erklärte der rothaarige Saisho, spürbar wütend. „Du bist noch nicht bereit dazu! Es ist sowieso recht früh, damit vor der Abschlussprüfung anzufangen.“ „Aber ich bin schon so weit! Du hast es selbst gesehen, ich kann schon mein eigenes Feuer machen.“ „Das habe ich. Ich habe auch gesehen, wie du beinahe dich und andere anzündest.“ „Aber Otousan, die anderen dürfen doch auch ihr Element üben, oder?“, unterbrach Asami die Diskussion zwischen den beiden. „Ja, Asami, aber Feuer ist anders – wenn man nicht aufpasst dann-…“ „Und du hast es ihm versprochen! Du sagtest immer, dass man seine Versprechen halten muss.“ Das Saisho-Ratsmitglied seufzte und fasste sich an den Kopf, als er bemerkte, in was für einer Zwickmühle er sich befand. Einerseits wollte er nicht, dass Shiro sich beim Training womöglich ernsthaft verletzt, wenn er es verhindern konnte und andererseits wollte er kein Heuchler in den Augen seiner Tochter sein und ihr womöglich etwas Falsches beibringen. Nach einigen Momenten stillen Überlegens entschied er sich jedoch dafür, das Training letztendlich zu gestatten und vielleicht seiner Kleinsten etwas beizubringen. „Also gut. Wer mit dem Feuer spielt, kann sich aber verbrennen. Sollte das passieren, dann soll es dir eine Lehre sein. Kenne deine Grenzen. Jetzt wo das geklärt ist, wie wäre es mit etwas Frühstück? Asami, gehe doch bitte deine Schwester wecken.“
Ein paar Stunden später klopfte Asami an die Tür von Shiros Zimmer, welcher leicht verwundert die Tür öffnete. „Was gibt-“, fing er an, verstummte jedoch, als sie einfach an ihm vorbei ging, sich auf eines der Betten – die Geschwister teilten ein Zimmer – setzte und ihn anschaute. „Du schuldest mir noch was für vorhin“, sagte sie ohne Umschweife mit einem Grinsen, „Ohne mich hätte dir Otousan das nicht mehr erlaubt.“ „Na gut, was willst du?“, fragte Shiro leicht genervt. „Ich will beim Training zugucken.“ „Das ist kein Spiel, wo du mal eben zuschauen kannst.“ Mit verärgerter Miene erhob sich Asami wieder und machte sich auf den Weg zur Tür. „Dann muss ich Otousan halt sagen, wie sehr ich mich doch um dich sorge, mal sehen, was er dazu sagt...“ „Warte!“, rief er und legte seine Hand auf ihre Schulter um sie zu stoppen. „Okay, du hast gewonnen. Ich bitte ihn darum, dass du dabei sein kannst. Aber lenk mich nicht ab!“ Als sie diese Worte hörte, grinste sie ihn an, machte ein OK-Zeichen mit ihren Fingern und lief zurück in ihr Zimmer.
Beim Training am nächsten Tag saß Asami dann auch wirklich am Rand und durfte zuschauen, wie ihr Vater und ihr Bruder das Katon-Training fortführten. Ihr entwich ein ungewolltes „Woah“ als Seduko eine seiner Feuertechniken vorführte und das Leuchten der Glut sich in ihren Augen spiegelte. Fasziniert von den tänzelnden Flammen, konnte sie kaum den Blick von ihnen lassen, bis sie sich endgültig in der Umgebung verteilt haben und nur noch vereinzelte Funken gen Himmel stiegen. Anschließend versuchte Shiro dies zu reproduzieren, wenn auch mit zweifelhaftem Erfolg. Fehler in Form oder Ausführung wurden dabei von Seduko erklärt und so gut wie möglich versucht, diese zu verbessern und am Ende des Trainings konnte er sogar eine halbwegs anständige Stichflamme erzeugen, was für die kleine Asami kaum weniger beeindruckend war als die kraftvollere Demonstration ihres Vaters. Ihr war jedenfalls absolut klar, dass sie so etwas auch lernen wollte, um eines Tages eine genauso prächtige Feuersbrunst erzeugen zu können.

Kapitel 3: Einschulung in die Shinobi-Akademie


Schon gegen Sonnenaufgang war Asami wach und putzmunter, so groß war die Aufregung am Morgen vor der Einschulung, schließlich erwartete sie und ihre Schwester der erste Tag an der Akademie, der erste Schritt, ein Shinobi zu werden. Doch die wenigen Stunden, bis sie alle gefrühstückt, sich fertig gemacht und auf den Weg dorthin gemacht hatten, kamen ihr wie eine Ewigkeit vor. „Können wir nicht auf dem Weg essen?“, „Wir kommen noch zu spät!“, „Beeilt euch!“, drängelte sie ihre Eltern, doch diese ließen sich nicht aus der Ruhe bringen. Nach zwei Generationen von Geschwistern wussten sie genau, wie es ablief und wie man mit unruhigem Nachwuchs fertig wurde: Einfach ignorieren.
Endlich vor der Akademie angekommen (Asami war schon von zu Hause aus vorgerannt), sah man eine kleine, neben dem Eingang aufgestellte Bühne samt Rednerpult und eine mittelgroße Menge an Zuschauern, hauptsächlich Eltern mit ihren einzuschulenden Kindern, aber auch der eine oder andere Passant, der sich die Rede des Dorfoberhaupts anhören wollte, welche jährlich zur Begrüßung der neuen Akademisten abgehalten wurde. Von der ersten Reihe aus winkte Asami den anderen Saisho zu, woraufhin Akane zu ihr hinübereilte, um auch ja nichts zu verpassen. Wenige Minuten später traf auch die Dorfführerin samt zwei Begleitern ein, begrüßte die applaudierende Menge, während sie die Bühne betrat und sich zum Rednerpult begab, bevor sie ihre Ansprache begann. Überraschenderweise war Akira auch mit von der Partie, woran Asami jedoch kaum einen Gedanken verschwendete. “Sehr geehrte Eltern, Verwandte und Besucher, liebe Kinder: Willkommen zu unserer diesjährigen Einschulungszeremonie. Ich freue mich auch in diesem Jahr eine solch große Anzahl an jungen Gesichtern an unserer Akademie begrüßen zu dürfen. Für euch beginnt mit dem heutigen Tag ein neuer, aufregender Lebensabschnitt. Eine Reise in eine spannende, aber auch anstrengende und gefährliche Zukunft. Von heute an werdet ihr lernen, was es bedeutet ein Shinobi zu sein. Ihr werdet gemeinsam trainieren und gemeinsam wachsen, bis ihr zusammen mit den anderen Shinobi dieses Dorfes eure Heimat, eure Familien und euer Dorf beschützen könnt. Ich wünsche euch alles Gute für diesen Weg.“ Die Begrüßungsrede der Anführerin Takigakures erntete reichlich Applaus. Danach trat Akira ans Rednerpult und fügte noch ein paar weitere Worte hinzu. “Von heute an seid ihr Akademisten, Shinobi in Ausbildung. Das ist ein weit größerer Tag als so mancher von euch bis jetzt glauben mag. Eine Entscheidung die euer restliches Leben bestimmen wird. Und genau aus diesem Grund möchte ich euch die meiner Meinung nach wichtigste Regel mit auf den Weg geben, die ein Shinobi Takigakures befolgen sollte. Sie lautet: ‚Sei dir über die Folgen deiner Entscheidungen im Klaren wenn du sie triffst und sei bereit mit diesen Folgen zu leben.‘“ Auch wenn es sich um einen guten Rat handelte, war die Menge dafür nur wenig empfänglich, so auch Asami, welche es kaum erwarten konnte, dass es endlich weiterging.
Nachdem das Dorfsoberhaupt ihre Rede vollendet hatte, wurden die Neu-Akademisten und ihre Familien in das Akademie-Gebäude gebeten, wo sie sich in der Haupthalle noch einmal versammelten. Dort empfing sie der Leiter der Shinobi-Schule, ein Jounin fortgeschrittenen Alters mit einem erwärmenden Lächeln, stellte sich und den Rest der Lehrkräfte kurz vor und verlor noch ein paar Worte zum Ablauf dieser Stufe der Ausbildung. Für Asami schien es wie eine weitere, langweilige Ewigkeit, ehe es wirklich losging und die Kinder sich von ihren Eltern verabschiedeten und im Klassenzimmer verschwanden.
Im Klassenraum schnappte sich Asami gleich einen Platz in der zweiten Reihe und überhörte ihren Nachbarn. „Ich wette, die bringen uns gleich ein paar Schläge bei!“, meinte dieser und vollführte einen Karateschlag in der Luft. „Tun sie nicht“, erklärte sie ihm mit einem Grinsen, „So unvorsichtige Leute wie du würden die anderen nur verletzen!“ „Pah, ich wette, ich würde dich umhauen!“, prahlte der Junge zurück mit erhobener Faust und bösem Blick. „Genau darum geht’s doch, Dummerchen! Es ist nur Training!“, antwortete die Saisho, erwiderte den Blick und schlug ihm sanft auf den Kopf. Der übereifrige Akademist seufzte und gab sich geschlagen. „Du hast wohl recht…“ „Saisho Asami, wie heißt du?“, fragte sie ihn daraufhin ohne Umschweife. „Horikoshi Hayao“, erwiderte er, „Die Saisho? Ihr seid doch der Klan von Polizisten, nicht?“ Asami nickte nur, als der Lehrer eintraf und die erste Unterrichtsstunde begann.
Nach den ersten Lektionen über die Welt der Shinobi ging Asami hinüber zu ihrer Schwester hinüber. „Und wie fandst du’s? Ich kann kaum auf morgen warten!“, sagte sie, ohne groß auf eine Antwort zu warten, „Ookasan meinte, sie würde uns vor der Akademie abholen. Der Letzte da wird nie Shinobi!“ Mit einem Grinsen rannte Asami aus dem Raum zum Haupteingang der Akademie, dicht gefolgt von Akane, die sie beinahe noch einholte.
Neben den täglichen Akademie-Besuchen und der damit verbundenen Unterweisung in verschiedenen Disziplinen der Shinobi-Grundlagen begann aber auch die claneigene Ausbildung. Nachdem die Schwestern bis zum frühen Nachmittag die Schulbank gedrückt hatten und nach Hause kamen, wartete Seduko schon auf sie, damit sie nach einer kurzen Mahlzeit die Gewichtsbank drücken konnten. Ausdauerläufe, Beweglichkeits- und Gewichtsübungen, und grundlegende Taijutsu sollten die noch kindlichen Körper in Form bringen, um den anderen Altersgenossen einen Schritt voraus zu sein.

Kapitel 4: Der Dämon erwacht


Neben dem theoretischen Stoff der Akademie und den praktischen körperlichen Übungen des claneigenen Trainings lernten die Shinobi in spe der Saisho auch, was es hieß, ein Saisho zu sein und was das Blut der Familie mit sich brachte. Denn ohne Last war die Familie nicht, im Gegenteil. So schonend und altersgerecht wie möglich wird dem Nachwuchs schon im Akademistenalter beigebracht, dass in ihnen eine grausame Macht wohnt, die sie zum eigenen Schutz, dem des Klans und sogar dem des Dorfes kontrollieren müssen. In ihnen war ein Dämon eingesperrt, welcher in seiner Art und seines Handelns so unterschiedlich sein konnte wie Tag und Nacht und nahezu beliebige Gestalten annehmen konnte.
Akane und ihre Schwester waren da keine Ausnahme. Zuerst konnte Asami es nicht glauben, dass ein anderes und dazu unter Umständen böses Wesen irgendwo in ihr residiert und hielt es eher für einen Mythos, der dazu diente, die Mädchen dazu zu bringen, auch ja artig sein. Die toternste Reaktion ihrer Eltern, als sie sich darüber lustig machte, überzeugte sie schnell davon, dass es die Wahrheit war. Es war schwierig, genau vorherzusagen, was passieren würde, und so war es genau so heikel, sie darauf angemessen vorzubereiten, jedoch war eines sicher: In den nächsten Jahren würde der Dämon aufhören zu ruhen und dabei einen Teil seines Dämonenbluts freisetzen und so das Karyuudogan zum ersten Mal aktivieren. Die Effekte des Dämonenbluts variierten jedoch stark von Wirt zu Wirt. Von Ohnmacht oder einem Trance-ähnlichen Zustand zu blinder Rage war alles schon vorgekommen. Der wichtigste Ratschlag, den sie den Zwillingen geben konnten, war, dass sie sich nicht einschüchtern lassen sollten, egal, was er ihnen androhen würde und welche Strategie er verfolgen würde, um aus seiner Zelle zu entkommen.
Erschöpft stützte Asami ihre Arme auf ihre Oberschenkel während sie versuchte, wieder Atem zu schöpfen. „Das sah schon sehr gut aus. Noch einmal!“, kommandierte Seduko erbarmungslos von der Seite. ‘Du hast gut reden, alter Mann, du stehst am Rand und schaust zu!‘, dachte die Saisho genervt, als sie ihre Fäuste erneut bis zu ihren Wangen erhob, von welchen schon der Schweiß tropfte. Es war Sommer 5 nach Zen Saiki und die zehnjährigen Schwestern lieferten sich gerade einen Übungskampf, dessen Hauptaugenmerk darauf lag, die Bewegungen des Gegners vorherzusagen und dadurch erfolgreich zu kontern: Eine Aufgabe, die der überlegteren Akane weitaus leichter fiel. Asamis Strategie war demnach sehr offensiv. Wenn Akane die ganze Zeit blocken musste, konnte sie ja schließlich keinen Treffer landen. Flink setzte sich die Akademistin erneut in Bewegung und rannte auf ihre Schwester zu. Sie würde einen linken Unterarmschlag antäuschen und einen Konter umgehen, indem sie die Drehung nutzt, um einen unerwarteten Tritt auszuführen, den Akane wahrscheinlich nicht blocken konnte.
In ihrem Ansturm spürte sie jedoch, wie sich auf einmal ein Brennen in ihrem linken Auge ausbreitete und ein Dröhnen ihren Kopf erfüllte. Ihre Sicht verschwamm auf eine eigenartige Weise: Das Umfeld schien sich zu verdunkeln, während Akane als violette Flamme direkt vor ihr leuchtete und ihr Sichtfeld sich verzerrte, bis zu dem Punkt, wo sie sogar ihren Vater, der seitlich von und leicht hinter ihr stand, erkennen konnte, ebenfalls hell leuchtend, weitaus stärker noch als ihre Schwester. Sie wusste im Eifer des Gefechts nicht, was es war, das gerade geschah, ihren Angriff wollte sie deswegen aber nicht abbrechen. Sie schloss ihr rechtes Auge, welches noch die normale Sicht aufwies, und hielt weiterhin auf ihr Ziel zu. Mit jedem Schritt, den Asami tat, wurde der Lärm in ihrem Kopf lauter und vor Allem deutlicher, bis zu dem Punkt, wo sie eine Art Stimme hören konnte, welche direkt zu ihrer Seele zu sprechen schien, wenn auch nicht mit Worten. Es war mehr, als würden Gedanken und Emotionen direkt in ihren Verstand gepflanzt, ohne dass sie über diese nachdenken konnte. In Nahkampfreichweite angekommen, täuschte sie den Unterarmschlag an wie geplant, welchen Akane mit einem Griff kontern wollte, durch die nur angedeutete Bewegung aber ins Leere traf. Das Moment nutzte die Saisho dazu, ihr Gewicht schnell auf das linke Bein zu verlagern, dieses nach hinten zu drehen und aus der daraus folgenden Rotation ihres Körpers ihre Schwester mit voller Kraft mit dem rechten Bein zu treten, dessen Aufprall ihr das Gleichgewicht nahm und mit einem überraschten Aufschrei nach hinten überfiel.
In dem Moment, in welchem sie den Schrei ihrer Schwester vernahm, gewann sie etwas Kontrolle über sich selbst zurück. Geschwächt fiel sie auf die Knie, Hände auf den Boden gestützt, während Seduko besorgt zu seinen beiden Töchtern hinüberrannte. Die fremden Gedanken befahlen Asami, wieder aufzustehen, zu kämpfen, ruchlos und blutdürstig, befahlen ihr, Akane zu verletzen, lockten sie mit einem Gefühl ungeheurer Wut und einem Bedürfnis nach Blutvergießen. Doch ihr Körper gehorchte nicht. Schwer atmend blieb sie am Boden. Was um sie herum geschah, schien unendlich fern und ein Gefühl von Schwäche kam in ihr auf, bis sie schließlich das Bewusstsein verlor.
Im nächsten Augenblick fand sie sich am Fuße eines Hügels wieder, umgeben von hohen Bäumen, welche von einem dämmernden Licht erleuchtet wurden. Durch die wenigen Lücken im dichten Blätterdach hindurch konnte Asami erkennen, dass der Wald rundum von massiven Bergen umschlossen wurde. Verwundert darüber, wo sie sich befand und wie sie dorthin gelangt war, begann sie, den Hügel zu erklimmen. Sie konnte sich genau daran erinnern, was passiert war, bevor sie das Bewusstsein verloren hatte und hatte eine leise Vorahnung, womit das Ganze zu tun hatte. An der Spitze angekommen, erblickte sie einen gewaltigen Baumstumpf, dessen Wurzelwerk sich mehrere Meter vom Boden abhob und somit eine Höhle unter dem Stumpf bildete. Langsamen Schrittes bewegte sich das Mädchen auf den Eingang zu. Durch das Zwielicht und die Form der Wurzelhöhle war es unmöglich, dort hineinzusehen, sie konnte allerdings nahezu spüren, was auf sie warten würde. Die Sicht, der Kampfrausch und nun die surreale Umgebung – der Dämon musste erwacht sein. Als nur noch wenige Schritte zwischen ihr und dem Eingang lagen blitzten ein Paar roter Augen in der Dunkelheit auf und leuchteten ihr entgegen, mit derselben Wut, die sie vorhin empfunden hatte. Asami erschrak und zuckte zusammen, erinnerte sich aber an den Rat, der ihr immer wieder gegeben wurde: Keine Angst zu zeigen. Einen tiefen Atemzug nehmend, versuchte sie sich, soweit es ging, zu entspannen und erwiderte das Starren der unbekannten Kreatur.
„Kleiner Mensch“, knurrte der Dämon mit einer tiefen, aber ruhigen Stimme, „du sollst mich also gefangen halten. Dabei zwang dich nicht mehr als ein Spritzer meines Blutes in die Knie.“ Sein Tonfall wurde zunehmend spöttisch. „Für die letzte zehn Jahre war’s anscheinend genug“, erwiderte sie den Hohn und grinste ihn furchtlos an, auch wenn sie sich alles andere als wohl fühlte. „Kenne deine Grenzen“, drohte ihr Gegenüber und die Augen kamen näher, bis der Kopf eines riesigen, weißen Wolfes aus der Höhlenöffnung hervorguckte, „Glaube nicht, dass du einen Freund gewonnen hättest. Mein Ziel ist Freiheit und damit deine Zerstörung. Ihr Menschen seid schwach und jeden Moment der Schwäche werde ich nutzen, jede Unachtsamkeit ausbeuten, um letztendlich meine alte Stärke wieder zu erlangen.“ Asamis Grinsen verflog und sie schluckte schwer, bevor sie ihre Faust erhob und dem Dämon wütend zurief: „Wi-Wir sind nicht schwach! Jeder meiner Familie beherbergt einen wie dich.“ Der Fremde in ihrem Körper gab sich unbeeindruckt. „Man hat dir wohl nicht alles erzählt. Wir zehren an eurem Körper. An eurer Seele. Jeder, der nicht ausbricht, wurde von euch verweichlicht. Mein Wille hingegen ist unbeugsam.“ Die Saisho hatte Schwierigkeiten, ihren spirituellen Mitbewohner einzuschätzen. Sein Vorhaben schien schlichtweg böse, er selbst aber überraschend ruhig und war dabei sogar relativ höflich. „Wieso versuchst du es nicht gleich, hier zu beenden, wenn ich so schwach bin?“ Der Wolf streckte seinen Kopf noch etwas weiter heraus und offenbarte ein Halsband, mit Siegeln versehen, und eine Leine, die ihn in der Höhle festhielt. Auf einmal war Asami sehr froh, nicht noch näher gekommen zu sein. „Dieses Siegel, es ist alles was mich hält. Ich könnte bellen und leere Drohungen speien wie ein Welpe, viel lieber lasse ich dich in dem Bewusstsein, dass sobald das Siegel geschwächt oder gebrochen wird, ich deinen Geist verschlingen werde. Ich werde dich übernehmen und du musst zusehen, wie ich das zerstöre, was du kennst und die töte, die du liebst“, er fletschte die Zähne, „Also pass gut auf.“ Der Dämon zog sich vollständig in seine Höhle zurück und die Augen verschwanden in der Dunkelheit, bevor sie dagegen protestieren konnte.
Als Asami aufwachte, befand sie sich in ihrem Zimmer, auf ihrem Futon. Sie hielt sich den Kopf und richtete sich auf. Akane war ebenfalls da und sprang auf, als sie bemerkte, dass ihre Schwester wieder zu sich kam. Nachdem sie nach den Eltern rief, wandte sie sich Asami zu. „Du warst für gut 10 Minuten weg“, erklärte sie, ehe die neugierigen Fragen anfingen, „Wie war es? Hast du den Dämon gesehen? War es sehr gruselig?“ Als Antwort darauf grinste die Schwarzhaarige. „Nichts, was ich nicht bewältigen konnte. Wenn einer Angst hatte, dann er!“ „Ja, ganz bestimmt“, erwiderte Akane und rollte ihre Augen, als Seduko und Nami das Zimmer betraten. „Alles in Ordnung, Asami-chan?“, fragte ihre Mutter, woraufhin sie einfach nickte. „Wie sah er denn aus?“, fragte sie weiter und setzte sich auf den Boden neben sie. „Ein Wolf. Groß, weiß. Er war überraschend ruhig.“ „Hat er versucht, dich irgendwie auszutricksen?“ Sie antwortete mit einem Kopfschütteln, „Er war ruhig, aber nicht freundlich oder so.“ Seduko ging zu ihr hinüber und tätschelte ihren Kopf. „Dann ist alles gut gegangen, ich bin stolz“, sagte er, ehe er sich zu seiner anderen Tochter wandte, „Du brauchst dich auch nicht zu sorgen, Akane-chan, du schaffst das genauso.“

Der Rest des Tages verlief unspektakulär, bis sich Asami schlafen lag. Ihr ging erneut die Begegnung mit ihrem Dämon durch den Kopf, immer und immer wieder. Die roten Augen, welche eine verängstigende Bösartigkeit ausstrahlten, das majestätische Biest, dessen einziges Ziel es war, soviel Leid und Zerstörung anzurichten wie nur möglich. Während des Gespräches selbst war sie nahezu furchtlos gewesen, doch jetzt versetzten sie die Gedanken an den Wolf in Angst und Schrecken. Von jetzt an musste sie ihn für immer in Schach halten, sie alleine trug die Verantwortung, dass der Dämonen weiterhin eingesperrt blieb und nicht wieder auf die Welt losgelassen wurde. Es durfte keine Momente der Schwäche geben, in denen er Teil der Kontrolle zurückerlangen konnte. ‘Es ist nicht fair...‘, schlussfolgerte sie, als sie daran dachte, wie Nicht-Saisho nicht damit fertig werden mussten. Was, wenn sie es nicht schaffen würde? Sie war nur ein Kind, alleine gegen ein so mächtiges Wesen. Eine einsame Träne lief über ihre Wange, als sie in Gedanken durchging, was passieren würde, sollte sie versagen. Der Dämon würde sie kontrollieren und im Blutrausch so viel Zerstörung anrichten wie möglich, vielleicht würde sie sogar jemanden ihrer Familie töten, ehe man sie aufhalten konnte. Sie musste stark sein, um das zu verhindern. Den Rest der Nacht über bekam Asami kein Auge zu, stattdessen kreiste derselbe Gedankengang wiederholt in ihrem Kopf.
Den nächsten Tag über verließ Asami ihr Bett kaum und wenn auch nur widerwillig. Ein Glück war es Wochenende, somit weder Akademie noch Training, zu welchem sie sich aufraffen musste. Ihren Geschwistern und Eltern gegenüber tat sie, so gut es ging, als ob alles in Ordnung wäre, auch wenn man trotzdem merken konnte, dass etwas nicht stimmte.
Es war Mittag am Tag darauf, als sie unsanft von ihrer Schwester geweckt wurde, indem sie einen Beutel voller Trainingsausrüstung auf sie warf. „Komm schon, du kannst nicht ewig im Bett bleiben!“, rief Akane Asami zu, welche als Antwort nur ein ablehnendes Grummeln erhielt. „Otousan hat gesagt, du musst…“, fügte sie noch hinzu, woraufhin der Morgenmuffel sich widerwillig in Bewegung setzte und sich den Beutel schnappte. Gemeinsam gingen die beiden in das Dojo des Anwesens, wo Asami leicht verwundert feststellte, dass Seduko nicht dort auf sie wartete, was Akane sofort bemerkte. „Er meinte, wir können ab und zu auch ohne Aufsicht trainieren.“ Die beiden einigten sich auf einen normalen, waffenlosen Übungskampf mit Gewichten, der sonst fast alles erlaubte. Das sehr ähnlich ausgeprägte Können der Schwestern sorgte für einen ausgeglichenen Kampf. Sie lieferten sich Schlagabtausch für Schlagabtausch, ohne dass jemand klar die Überhand behalten konnte. Nach ungefähr einer halben Stunde waren sie am Ende ihrer Kräfte und standen sich schwer atmend gegenüber. Asami hatte aber schon einen Plan. Wie bei ihrem letzten Training ergriff sie die Initiative und rannte auf ihre Schwester zu, um mit einem Antäuschungsmanöver einen direkten Treffer landen zu können. Diesmal fiel Akane jedoch nicht auf den gespielten Unterarmschlag herein und wartete auf ihre Chance, bis Asami mitten im Tritt war. Schnell griff sie das Bein ihrer Schwester und nutzte ihr eigenes, um das andere Bein, auf dem Asamis volles Gewicht stand, wegzuziehen und sie somit unsanft zu Boden zu befördern. Mit einem Ächzen landete sie auf ihrem Rücken und eine flüchtige Welle von Wut durchzuckte sie, so einfach zu Fall gebracht worden zu sein. Über ihr stand Akane, ein untypisches Grinsen auf den Lippen, und streckte ihr ihre Hand entgegen. Nach einem kurzen Moment erwiderte Asami das Grinsen, nahm ihre Hand und ließ sich von ihr hochhelfen. „Der selbe Trick funktioniert wohl nur einmal…“, scherzte sie und umarmte ihre Schwester, „Danke.“ Leicht verwundert erwiderte Akane die Umarmung. „Wofür?“ „Tu nicht so… Als ob Otousan uns unbeaufsichtigt lassen würde, ehe dein Dämonenblut aktiviert wurde!“ Sie wusste ganz genau, dass das Training ein Aufheiterungsversuch war – eindeutig geglückt. Auf ihre Familie konnte sie sich verlassen, sie musste nicht alleine stark sein. Und wenn ihre Geschwister und ihr Vater ihre Dämonen eindämmen konnten, wieso nicht auch sie?

Kapitel 5: Versiegelung


Ungeduldig schaute Asami sich um. Wo steckte ihre Schwester bloß? Sie würde den Anfang verpassen, sollte sie nicht bald auftauchen und das war insbesondere ein Problem, weil gerade sie als erste an der Reihe war. Doch zwischen den Girlanden, welche die Bäume im Garten des Saisho-Anwesens verbanden und das Emblem des Clans trugen, den Mitgliedern des Clans, welche dem heutigen Fest beiwohnten, und den Fackeln, welche der Dunkelheit des frühen Abends trotzten, war von Akane keine Spur.
Der Blick der jungen Saisho fiel auf die Bühne aus massivem Holz, welche jedes Jahr zu diesem festlichen Anlass aufgebaut wurde. Der ehrfurchtgebietende Thron, der für den Anführer des Clans vorbehalten war, stand noch leer, neben diesem befand sich aber schon Akira, welche genau wie Asami auf den Beginn der Zeremonie wartete. Als Clanshüterin hatte sie die Ehre, den Großteil der Zeremonie durchzuführen.
Einmal im Jahr kamen die Saisho zusammen, um die Siegel zu erneuern, die ihre Dämonen im Zaum hielten und sie daran hinderten, Kontrolle über ihre Wirte zu erlangen und so Freiheit zu erringen. Jeder geborene Saisho nahm an dieser Neuversiegelung teil, sobald er einen bestimmten Grad der Reife erreicht hatte – und dies war in diesem Jahr zum ersten Mal für die Töchter Sedukos der Fall. Mit ihrer ersten geistigen Konfrontation zwischen ihnen und ihrem inneren Wesen waren sie nun, zumindest in dieser Hinsicht, vollwertige Saisho. Die erste Siegelzeremonie an der man teilnahm war von besonderer Bedeutung, da dort die nur temporären Siegel von einer stärkeren Technik ersetzt werden, welche in den meisten Fällen unter regelmäßiger Erneuerung den Dämon bis zum Ende der eigenen Tage eindämmen konnte.
Unbehaglich wandte sich Asami in ihrer Tracht. Das festliche Gewand, welches man zu der Zeremonie trug, war unbequem und einengend verglichen mit ihrer Freizeitkleidung, auch wenn die kunstvollen, goldenen Ornamente, die sich auf dem roten Stoff erstreckten, um einiges ansehnlicher waren. Das schwarze Clansymbol auf ihrem und den Rücken der anderen war eine Uniform, es gab ihnen allen eine Identität, welche sie mit Stolz trugen: Saisho.
Auf einmal kam Bewegung in die Menge der Leute, die sich vor der Bühne gesammelt hatten. Mikomi-sama und die anderen Ratsmitglieder erklommen langsamen Schrittes die Bühne, auf der Akira schon wartete. Bevor er sich auf dem Thron niederließ, hielt das Clanoberhaupt für einen Moment inne, um seinen Blick über die schweifen zu lassen, die er zu leiten schwur: männlich und weiblich, Jung und Alt, klein und groß, Shinobi und Zivilisten. In diesem Moment stieß Akane zu Asami, welche es doch noch pünktlich geschafft hatte. „Ein Glück bist du noch vor Beginn da“, bemerkte Asami knapp und ohne den Blick von Mikomi abzuwenden, so klang es jedoch mehr wie ein Tadel als alles andere. In ihren Augen war die Zeremonie der Anfang als vollwertiges Mitglied der Saisho, der Punkt, an dem sie auch wie eine der Krieger gesehen wurde, welche sie von klein auf bewundert hatte. Ihre Brüder, welche sie immer angebettelt hatte, von ihren Missionen zu erzählen oder den stärksten unter den Saisho wie ihrem Vater, welche sich Respekt und Einfluss verdient haben und nun die Gewalt des Clans lenkten und damit auch einen erheblichen Teil von Takigakure. Sie wollte keinesfalls, dass ihre Zwillingsschwester den Ablauf der Zeremonie störte und sich sowie Asami blamierte.
Stille war eingekehrt, als Mikomi die Anwesenden musterte. Die Geräuschkulisse des Gartens bestand jetzt nur noch aus dem Gesang der späten Vögel und dem Rauschen des Windes in den Blättern, wo vorher ausgelassene Unterhaltungen die milde Abendluft gefüllt hatten. Die Worte des Clanoberhaupts durchschnitten die Ruhe, plötzlich, und seine ruhige aber deutliche Stimme hallte über die weite Wiese hinter dem Saisho-Anwesen. Am Anfang seiner Rede begrüßte er die anderen Saisho, die sich an diesem Tag zusammengefunden hatten – die bedeutenderen namentlich -, bevor er ohne große Umschweife auf den Anlass jenes Tages zu sprechen kam. Nach einer kleinen Zusammenfassung über Zweck, Geschichte und Ablauf der Zeremonie wandte er sich an die Jünglinge, die zum ersten Mal teilnahmen, zu denen auch die beiden Zwillinge gehörten. Asami entging nicht, dass ihre Schwester anscheinend nervös oder ungeduldig war, sie selbst stand kerzengerade und hing an den Lippen des Anführers, dessen Ansprache gerade zum Schluss kam.
Nach einem kurzen Moment, in dem der letzte Widerhall Mikomis abebbte, setzte sich Akane neben ihr in Bewegung und erklomm die Bühne. Nach den Verbeugungen zum Clansführer und zu den Ratsmitgliedern wandte sie sich den Zuschauern zu. ‘Lediglich ein paar Minuten und ich stehe dort oben‘, dachte Asami und nickte ihrer Schwester zu, welche immer noch etwas aussah, als ob ihr die Vielzahl an Blicken, welche auf sie gerichtet war, nicht behagte. Gespannt musterte Asami jedes Details des Schwurs. Den Wortlaut hatte sie selbstverständlich auswendig gelernt, doch gab es noch viel mehr zu sehen: Das sanfte Zittern Akanes Unterlippe zwischen den Sätzen, während sie darauf wartete, dass das Raunen der Menge, welche ihre Worte wiederholten, verstummte, die ernsten Mienen der Ratsmitglieder und Akira, welche schon einen Schritt nach vorne getreten war, um das Siegel gleich zu platzieren.
Nach dem Ende des Schwurs und der Platzierung des Siegels rammte Akira zwei riesige Schwerter in das Holz der Bühne. Den Initianden wurden bei ihrer ersten Siegelzeremonie Waffen überreicht, deren Technik sie über viele Jahre lang meistern würden. Die Wahl der Zweihandschwerter für ein zierliches Mädchen wie Akane verwirrte Asami jedoch. Wahrscheinlich konnte sie noch nicht einmal eines der beiden heben, geschweige denn damit zuschlagen! Mit Mühe nahm sie beide Schwerter in die Arme und verließ dann die Bühne und stellte sich neben Asami, welche in diesem Moment nach vorne gerufen wurde. Sie nahm noch einen tiefen Atemzug, dann setzte sie sich in Bewegung. Es verlangte ihr ein gewisses Maß an Selbstbeherrschung, nicht einfach loszurennen, doch Gelassenheit zu zeigen war Teil des Ganzen. Oben angekommen verbeugte auch sie sich tief vor Mikomi und danach vor den anderen Ratsmitgliedern, ehe sie sich zur Menge umdrehte. Mit ernster Miene fixierte sie einen Punkt hinter den Saisho vor der Bühne, hob ihre rechte Hand und legte sie, zur Faust geballt, auf ihr Herz. Sie hätte lieber ihre linke Hand genommen, doch ihr Herz befand sich nun einmal auf der rechten Seite, was sie in dem Moment besonders gut spüren konnte – es klopfte unerlässlich. „Hiermit schwöre ich!“, begann sie ihren Eid. Ihre Stimme war lauter als die ihrer Schwester, präsenter, jedes Wort eine entschlossene Verkündung an die Welt, dass sie das, was sie sagte, ihr aus der Seele sprach. Es entstand eine kleine Pause, in der sie sich sammelte, bevor sie fortfuhr. „Den Befehlen meines Clansführers zu folgen! Dem Clan treu zu dienen! Und das Dorf und seine Bewohner zu beschützen.“ Sie drehte sich um, nun vor dem Clansoberhaupt kniend. „Bei meinem Leben“, sagte sie schlussendlich, die Augen auf den hölzernen Boden gerichtet, während sie auf die erlösende Bestätigung wartete. „Erhebe dich, Kriegerin der Saisho“, befahl Mikomi, dem Asami sofort nachkam. An dieser Stelle musste sie ein verschmitztes Grinsen unterdrücken, denn noch war es nicht vorbei. Akira griff schonungslos ihren Oberarm und begann mit der Versiegelung, dank des fehlenden rechten Ärmels ihres Gewandes. Der Gedanke daran, dass sie ihren inneren Dämon nicht mehr sehen musste und das Siegel ihn unterwürfig machen würde, war so erleichternd, dass es ihr leicht fiel, das immer stärker werdende Brennen in ihrem Arm zu ignorieren, ohne das Gesicht zu verziehen.
„Saisho Asami! Mit dieser Zeremonie wirst du im Kreis der Krieger unseres Clans aufgenommen! Erweise dich dem Clan als würdig und beschütze deine Familie und unser Dorf mit all deiner Kraft!“, sprach Akira, welche nach dem Fertigstellen des Siegels einen Schritt zurück getreten war, um zwei Hakenschwerter hervorzuholen, welche sie Asami mit den Griffen voraus entgegenhielt. Zögernd nahm sie die merkwürdig geformten Schwerter an sich und drehte sie langsam, die Klinge betrachtend, welche fließend in einen Haken überging. ‘Wie soll man damit denn jemanden erstechen?‘, fragte sie sich pragmatisch und senkte ihre beiden neuen Werkzeuge. Nach einer letzten Verbeugung zu Mikomi-sama stieg sie von der Bühne hinab und machte sich auf den Weg zurück zu ihrem Platz, dabei immer noch die Hakenschwerter betrachtend. Solche Waffen hatte sie noch nie gesehen, geschweige denn geahnt, dass sie solche benutzen würde. Ein neidischer Blick ging zu den großen, kräftigen Schwertern, die Akane trug, als sie sich neben ihre Schwester stellte und den nächsten Initianden beobachtete, welcher seinen Schwur leistete. Trotz aller Anstrengungen stand sie den Rest der Zeremonie über still, diszipliniert und in exzellenter Haltung.
Nachdem das letzte Siegel erneuert wurde, löste sich die ordentliche Formation der Zuschauer und ihre Brüder und ihre Eltern sammelten sich um die Zwillinge. Stolz wurde ihnen gratuliert und ähnlich stolz bedankte sich Asami. Eine Kriegerin des Clans, das wollte sie sein und nun war sie es. ‘Ich werde Euch nicht enttäuschen, Mikomi-sama‘, dachte sie zuversichtlich und folgte ihrer Familie um nun zu der Feier nach der Zeremonie überzugehen.

Kapitel 6: Kriegerin der Saisho


Die Hakenspitze ihres Schwertes bohrte sich in die Kleidung ihres Vaters, wurde aber abrupt gestoppt, als sie auf seine eisernen Bauchmuskeln stieß. „Aaargh!“, entfuhr es Asami wutentbrannt und für den Bruchteil einer Sekunde wollte sie ihre Waffen einfach nur vor sich hinwerfen und nie wieder anfassen. Sie verließ ihre Kampfhaltung, drehte sich um und entfernte sich ein paar Schritte von Seduko, der ihr beim Training half, um sich abzureagieren. Man hatte ihr erklärt, dass die Eltern die Waffenwahl einer Saisho beeinflussten, aber sie konnte einfach nicht verstehen, warum ihr Vater ein so merkwürdiges Schwert ausgewählt hatte, gleich zwei von der Sorte. Ein Kunai war simpel: Scharf an den Seiten und wollte sie jemanden stechen, streckte sie einfach ihren Arm solange aus, bis die Metallspitze in seinem Körper steckte. Mit ihrer Waffe musste sie erst ihre Hand umdrehen, um die Spitze am unteren Ende der Klinge zum Gegner zeigen zu lassen, ohne dass sie sich selbst mit dem oberen Ende traf. Der Haken selbst schien auch nutzlos.
„Asami.“ Die ruhige, autoritäre Stimme Sedukos unterbrach ihre geistige Beschwerde und sie sah zu ihm hinüber. „Du denkst noch immer, dass du zwei herkömmliche Schwerter in der Hand hättest. Du musst dir etwas Neues überlegen, um deine Waffen zu meistern“, erklärte er, „Tu‘ so, als hättest du noch nie ein Schwert in der Hand gehabt oder gesehen. Was siehst du, wenn du auf deine Hände schaust?“ „Einen Kaminhaken, der aus irgendeinem Grund in den Händen einer Kriegerin liegt“, spottete sie und streckte einen Finger aus, an dem sie eines ihrer Hakenschwerter einhing. „Da ist noch mehr“, versicherte Seduko, sein Tonfall ungeduldiger, „Schließ‘ die Augen. Beschreib mir, was du Hand in der hältst. Im kleinsten Detail, als würdest du es jemandem erklären, der ein Bild davon malen wollte.“ Asami seufzte. Sie würde viel lieber unbewaffnet weitertrainieren, als sich auf solche mentalen Übungen einzulassen, doch sie kam der Forderung ihres Vaters nach. Mit geschlossenen Augen beschrieb sie das raue Leder des Griffes, feucht vom Schweiß des Trainings, und die Parierstange, in Form einer Mondsichel, erzählte von der einfachen, nackten Metallspitze am unteren Ende, wo das Lederband aufhörte, der Klinge, ungefähr 5 Faustbreiten lang und dem geschwungenen Ende, welches einen Haken bildete, welcher beinahe parallel zum Rest der Klinge endete. „Du weißt also doch, was du in der Hand hast. Greif‘ mich noch einmal an“, kommandierte er und Asami öffnete ihre Augen wieder. Sie stürmte auf Seduko zu und rollte unter seinen Arm weg, als dieser versuchte, ihren Arm zu packen. Hinter ihm angekommen, wandte sie sich um, nutzte dieses Mal aber nicht das Momentum aus ihrer Hocke, um ihn mit dem Haken in den Rücken zu pieken, sondern schnellte mit ihrem rechten Arm nach vorne und legte den Haken um seinen Knöchel. Ihr Versuch erntete ein herzliches Lachen seitens ihres Vaters. „Du hast umgedacht, sehr gut“, meinte dieser, während Asami an ihrem rechten Schwert zog, so sehr sie es nur konnte. Sein Fuß rührte sich nicht. „Wäre ich nicht fast dreimal so schwer wie du hätte es vielleicht auch geklappt.“ Er drehte sich um und sah, wie seine Tochter schwer atmend auf der Wiese lag, offensichtlich erschöpft. „Genau deswegen hat man dir diese Instrumente geben. Eines Tages wirst du die nötige Kraft haben, doch das Köpfchen…“ – er beugte sich über sie und tippte ihr ein paarmal auf die Stirn – „das muss man sich früh antrainieren.“ Er half ihr hoch und Asamis Blick fiel auf ihre Zwillingsschwester, welche sich nicht unweit von ihr mit ihren großen Schwertern abmühte. ‘Akane hat das Köpfchen wohl schon. Ich muss mich mehr anstrengen‘, ging es ihr durch den Kopf als sie ihre Schwerter wieder an sich nahm und in Ausgangsposition ging.
Bei ihrem nächsten Angriff wartete sie erneut auf den Griffversuch ihres Vaters, konterte diesen aber mit einem Faustschlag, auf das Handgelenk gerichtet, wodurch Seduko seinen Arm wegziehen musste, damit sich der eiserne Handschutz nicht in seinen Arm grub. Zufrieden grinste Asami und drehte ihr rechtes Schwert in ihrer Hand, sodass nun der Dorn nach vorne zeigte und seinem Bauch entgegenschnellte. Kurz bevor sie jedoch seine Kleidung berührte, hielt sie inne und schaute zu ihm herauf. „Diesmal hab‘ ich dich!“, erklärte sie freudenstrahlend, woraufhin er zufrieden nickte. „Wenn du mich gehen lässt, denke ich, haben wir uns eine Pause verdient.“ Asami entspannte sich, griff beide Schwerter mit der rechten Hand und wischte sich den Schweiß von der Stirn, ehe sich beide auf den Weg ins Haus machten. „Wo ist Nee-san denn hin?“, fragte sie verwundert, als sie weder sie, noch ihren Bruder auf der Wiese entdecken konnte. „Akira ist mit ihr losgegangen.“ ‘Sie trainiert mit Akira? Wow!‘, dachte Asami neidisch, als sie und Seduko das Anwesen betraten.

Dieser Beitrag wurde bereits 10 mal editiert, zuletzt von »Saisho Asami« (8. März 2016, 21:46)

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Saisho Asami

Determination.

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Sonntag, 7. Februar 2016, 20:48

Kapitel 7: Rivalen


Mit den gestiegenen Fähigkeiten der beiden Kunoichi wurde auch der Wettkampf zwischen ihnen, in so gut wie allem, intensiver und erbarmungsloser. Insbesondere Asami versuchte bei jeder Gelegenheit, es auf eine Konfrontation ankommen zu lassen. Soviel Zeit, wie die beiden miteinander verbrachten, war es ihr natürlich aufgefallen, dass Akane nach und nach immer komischer wurde, nachdem sich ihr Dämon zum ersten Mal gerührt hatte. Zuerst hielt sie es für das Spiel des inneren Biests, aber die Siegelzeremonie hatte nichts an der Entwicklung geändert. Und die beste Möglichkeit, die alte Akane hervorzulocken, war, sie auf die unterschiedlichsten Weisen zu provozieren.
So standen sie sich nun gegenüber, am Fuß des großen Baums von Takigakure. Asami hatte es wieder einmal geschafft, sie mit blöden Sprüchen so weit zu reizen, dass es handgreiflich wurde. Schwer atmend hob sie ihre Hakenschwerter und fokussierte ihren Blick auf ihre Schwester. Von einem Moment auf den anderen stürzten sich die beiden Zwillinge wieder aufeinander, diesmal Asami in der Offensive. Die massiven Schwerter, die ihre Schwester führte, waren ein gewaltiges Hindernis, doch sie konnten Akane noch so gut schützen, Asami wusste, dass sie noch nicht über die volle Kraft verfügte, die sie erforderten. Ohne zu zögern lenkte sie ihren Angriff direkt auf die Klinge. Das Geräusch von aufeinander prallendem Stahl echote über den See, der sie umgab. Bevor ihre Waffen jedoch komplett zum Stillstand kamen, drehte Asami ihre Waffe und drückte diese zur Seite, was dazu führte, dass ihrer Kontrahentin die eigene Waffe entglitt. Bevor sie sich jedoch über ein erfolgreiches Entwaffnungsmanöver freuen konnte, verlor sie auch die Kontrolle über ihr eigenes Schwert, überrascht von der starken Wucht des Rückstoßes. Mit beachtlicher Geschwindigkeit flogen die beiden Schwerter wie Geschosse zur Seite und bohrten sich in den Schlamm am Seeufer. Es war also noch lange nicht vorüber.
Asami fluchte innerlich. Für einen Moment erwog sie, sich in den Schlamm zu werfen und ihre zweite Waffe wiederzuholen, denn der Kampfstil der Hakenschwerter baute stark darauf auf, beide in Kombination zu nutzen. Hatte man nur eine zur Verfügung, hätte man lieber eines der Zweihandschwerter ihrer Schwester. Aber sie zweifelte, dass sie so weit kommen würde, ohne einen schmerzhaften Vergeltungsschlag zu kassieren. Die Zähne knirschend griff sie ihr verbliebendes Schwert mit beiden Händen und warf ihrer Schwester einen kampflustigen Blick zu. Ihr laut klopfendes Herz ignorierend, parierte sie eine eingehende Attacke und legte gleich einen Konter nach.
Keine der beiden Kunoichi war dazu bereit, nur einen Ansatz von Schwäche zu zeigen, indem man entweder auswich oder gar einen Schritt zurücktrat. Dies ging so lange, bis die Geschwister beide an ihrer Erschöpfungsgrenze angekommen waren. Die Schläge wurden schwächer, die Reaktionen langsamer und der Schweiß rannte ihnen über die Stirn. Asami wusste, dass es bald vorüber war und ein Unentschieden, bei dem sie beide gleichzeitig vor Erschöpfung zusammenbrachen, war inakzeptabel. Für sie kam nur der Sieg in Frage. Obwohl sich ihr Herz so anfühlte, als ob es gleich explodierte und ihr Atem wie verrückt raste, da sich ihr Brustkorb vor Krämpfen weigerte, sich vollständig zu heben, fasste sie einen Plan: Gewinn durch Überraschung. Zugegebenermaßen dürfte es keine allzu große Überraschung gewesen sein, da der unerwartete Tritt zu ihrem Standardrepertoire gehörte und Akane nur zu gut bekannt war, aber es war das beste Manöver, welches sie sich gerade überlegen konnte. Mit etwas Glück war ihr Gegenüber auch schon zu angeschlagen, um daran zu denken.
Zu ihrem Vorteil konnte sie vor dem nächsten Angriff erkennen, wie Akane besonders weit ausholte und somit wohl einen besonders starken Schlag wagen wollte – was Asami genug Zeit für ihren Plan gab. Als das Schwert ihr entgegensauste, ging sie in die Hocke und spürte noch, wie die Klinge ihre Haare streifte, bevor sie flink ihr Standbein wechselte und aus der Drehung heraus einen Tritt nach oben schnellen ließ, welcher Akane, die sich zu weit nach vorne gewagt hatte, am Kinn traf und sie mit einiger Wucht ein paar Meter nach hinten warf. Erleichtert atmete Asami durch, ehe sie, adrenalisiert und euphorisiert von ihrem Sieg, aufsprang und zu ihrer Schwester hinübereilte. „Mein Sieg!“, erklärte sie stolz, ihr berüchtigtes Grinsen auf den Lippen, und half Akane wieder auf die Beine. Sie schien nicht ernsthaft verletzt, sah aber ziemlich mitgenommen aus – Schlamm auf der Kleidung und in den Haaren, das Gesicht und die Arme voller Schrammen. Asamis Grinsen verflog beinahe als sie der Gedanke überkam, dass sie wahrscheinlich genauso aussah. Sie konnte schon fühlen, wie der Schweiß, der ihr das Gesicht runterlief, in den Kratzern und Schrammen brannte. „Nächstes Mal geht es anders aus“, meinte Akane, ruhig, aber mit einem Unterton von Determination. Da war es wieder. Wenige Sekunden nach dem Kampf war die alte Akane schon wieder weg. Vor ein paar Jahren hätte sie noch sich darüber beschwert, wie irgendetwas unfair war, oder dass Asami geschummelt hätte – ungefähr so, wie Asami heute reagiert hätte, hätte sie den Kürzeren gezogen. Im stillen Genuss des Sieges ging sie zu ihrem verlorenen Schwert hinüber und grub es aus dem Matsch, ebenso wie Akane. Danach machten sie sich auf den Heimweg. Den Fußmarsch zurück zum Anwesen verbrachten sie in unheimlicher, fast schon bedrückender Stille. Es kam nicht oft vor, dass Asami nicht einschätzen konnte, was sie zu ihrer Schwester sagen sollte und jedes Mal empfand sie es als surreal, als ob es eine Situation wäre, die auf dieser Welt nicht existieren sollte, sich aber trotzdem irgendwie eingeschlichen hatte.
Zuhause angekommen wurden sie schon erwartet. Von ihrem Vater. Zum Glück. Sein Blickt zeugte von Missbilligung, doch Asami hatte gelernt, wie einfach es für sie war, aus solchen Umständen mit heiler Haut davonzukommen. Ein gesenkter Kopf, ein reuiger Blick und eventuell noch ein bemitleidenswerter Tonfall und sie durfte passieren, während Akane noch getadelt wurde. Wie ihnen befohlen, gingen die Schwestern schnurstracks zum Badezimmer. Dort angekommen, entkleidete sich Asami schnell, um als Erste in das Bad zu steigen, und warf ihre Kleidung achtlos auf den Hocker, bevor sie in die Wanne kletterte. Das heiße Wasser löste ein wohltuendes Brennen aus, als es mit den Kratzern auf ihrem Körper in Kontakt kam. Kurz nach ihr stieg auch Akane in das Bad und die Zwillinge fingen an, sich zu waschen, immer noch in derselben Stille, die schon ihren Heimweg überfallen hatte. Doch als Asami gerade den Rücken ihrer Schwester einseifte, kam ihr eine Idee, die nicht nur ihre Neugier stillen, sondern auch die Stille durchbrechen würde. Unerwartet ließ sie ihre Hand nach vorne gleiten und ging auf Tuchfühlung, was sofort zum lautstarken Protest seitens Akanes führte. Aber sie wusste, was sie wissen wollte. ‘Flach wie ein Brett!‘, stellte sie fest und grinste ihre Schwester an, welche sich schockiert zu ihr umgedreht hatte. “Wusste ich‘s doch! Ich hab den größeren Busen! Wieder gewonnen!“ Was sie nicht erwartete, war, dass man ihr einen Schwamm ins Gesicht klatschen würde. “Baka! Wir sind zehn Jahre alt! Keiner von uns hat bisher auch nur den Ansatz von Busen“, beschwerte sich Akane und verschwand soweit es ging im Wasser. Als Asami an sich herunterschaute, hatte sie allerdings keine andere Wahl als ihr Recht zu geben. „Okay, der Punkt geht an dich...“, murmelte sie, als sie ebenfalls im Wasser verschwand. „Aber meiner wird einmal größer sein!“, erklärte sie selbstsicher und fing an zu lachen. Ihre Schwester lachte mit. Anscheinend musste es nicht immer ein Kampf sein, um die echte Akane hervorzubringen.

Kapitel 8: Laternenfest


Asami lehnte lässig an der Hauswand und beobachtete einen Stand ein paar Meter neben ihr, der gegrillte Tintenfische an die zahlreichen Festbesucher verkaufte, die auf ihrem Weg zum See die von Laternen erhellte Straße passierten. Ihr Blick galt dabei vor allem einem Jungen, der wie sie in der Nähe des Ladens herumlungerte, aber eher den Mann im Auge behielt, der den Grill bediente und seine Ikamaruyaki verkaufte, als ob er auf irgendetwas warten würde. Am Stand selbst war gerade ein kleines Mädchen, welche es nur auf Zehenspitzen schaffte, das Geld für die leckeren Meeresfrüchte auf die Theke zu legen. Nachdem sie ihr Essen in Empfang genommen hatte machte sie sich zufrieden auf den Weg, kam aber nicht weit. Zu sehr mit ihrem Tintenfisch beschäftigt, achtete sie nicht, wo sie eigentlich hinlief, und stolperte nur wenige Schritte vom Stand entfernt über einen Stein. Augenblicklich kippte sie nach vorne um, die Ikamaruyaki flogen in hohem Bogen und landeten im Staub. Überrascht davon, dass das Mädchen auf einmal auf dem Boden lag und ihr Abendessen verloren hatte, brach sie lautstark in Tränen aus. Der Ladenbesitzer, der das Ganze gesehen hatte, eilte schockiert zu ihr hinüber, um sicherzugehen, dass auch alles in Ordnung war.
Genau darauf hatte der Junge gewartet. Während der Verkäufer der Gestolperten hoch half und fragte, ob sie sich etwas wehgetan hätte, schlich er an seinem Stand vorbei, ein paar lange Finger nahmen dabei zwei Tintenfische am Spieß an sich. Ohne sich etwas anmerken zu lassen, setzte er unbeirrt seinen Weg fort. Keiner der Passanten hatte etwas bemerkt, zu sehr waren sie von dem weinenden Mädchen abgelenkt. Asami beobachtete, wie der Junge noch für ein Stück der Straße folgte und dann in eine kleine Gasse einbog. Sie schaute noch einmal zum Stand neben ihr hinüber, danach rannte sie ihm hinterher, durch die Lücken hindurch, die sich zwischen den Familien und Gruppen von Passanten auftaten.
In der Gasse angekommen, sah sie den Kalmar-Dieb vor sich, welcher aufschreckte, sich jedoch entspannte, als ihm klar wurde, dass es sich um Asami handelte. „Hätte nicht gedacht, dass du den Mut hast, Hayao“, gestand die Saisho und grinste ihren Freund aus der Akademie an, „aber das sah ja echt gekonnt aus!“ Sie nahm ihren Teil der Beute in an sich. Ihr lief das Wasser im Mund zusammen, als ihre Nase den Geruch von frischem Tintenfisch und einer Spur des Grillfettes, in welchem er eingerieben war, vernahm. Die beiden hatten Wahrheit oder Pflicht gespielt und sie hatte ihn damit beauftragt, ihnen etwas zu essen zu organisieren – nur hatte Hayao kein Geld dabei und die Regeln waren eindeutig: Was gesagt wurde, musste auch getan werden. Und seinen Auftrag hatte er perfekt ausgeführt. Asami biss die Zähne in den Tintenfisch und behielt diesen in ihrem Mund, um beide Hände frei zu haben, mit denen sie und ihre Begleitung die Hauswand erklommen und so auf das Dach gelangten. Oben angekommen kletterten sie von Dach zu Dach, bis sie endlich an der Hausreihe am See angekommen waren. Dabei setzten sie sich etwas weiter hinten hin, damit keine neugierigen Blicke sie von der Uferpromenade entdecken konnten, schließlich wollten die beiden keinen Ärger. Asami hörte ihren Magen knurren, als ob er sie daran erinnern wollte, dass sie ihr Abendessen gerade im Mund hatte, ohne davon auch nur einen Bissen bisher genommen zu haben. „Itadakimasu“, murmelte sie und biss ein großes Stück aus dem Kopf. Es schmeckte köstlich. Ihr Pflichtauftrag war bisher die beste Idee des Abends gewesen.
Nachdem beide ihr Mahl verzehrt hatten, streckte Asami sich und schaute sich um. Der noch lichten Menschenmenge am Seeufer und dem Stand des Mondes nach zu urteilen, hatten sie noch Zeit bis Mitternacht, wann jeder seine Laterne ins Wasser gleiten ließ, begleitet mit einem Wunsch. Ging die Laterne in Flammen auf, bevor sie im Wasser versank, ging der Wunsch in Erfüllung, sollte man dem Volksmund Glauben schenken. „Wo bleiben eigentlich die anderen?“, fragte sie ihn, woraufhin er die Schultern zuckte. „Keine Ahnung, wo die stecken…“, gestand er. Sie hatte sich vorhin mit Hayao von der Gruppe abgesetzt, als es ihr zu langweilig wurde und sie wusste, dass man mit ihm so einiges anstellen konnte – was die Art und Weise, wie sie an ihr Essen gelangt waren, wohl bewiesen hatte.
Das Saisho-Mädchen legte den Kopf in den Nacken und blickte gen Himmel. Weit und breit war keine Wolke zu sehen, so konnte man ungestört alle Sterne bewundern, die nicht vom Geäst des großen Baumes verdeckt wurden. Stille war zwischen ihr und ihrem Freund eingekehrt, doch für diesen Moment reichte es ihr vollkommen, das Funkeln der Sterne auf sich wirken zu lassen und alles um sich herum zu vergessen. „Du bist jetzt dran. Hallo, Asami, jemand zuhause?“ Hayaos Stimme riss sie aus Gedanken. „Wahrheit oder Pflicht?“, fügte er hinzu und lächelte sie an. „Ähm…“, stammelte sie, während sie überlegte. Es gab eigentlich nichts, was sie ihm verheimlichen würde, sollte er sie etwas fragen, insofern wäre es klug gewesen, Wahrheit auszuwählen. Doch Pflicht war so viel lustiger! „Pflicht!“, sagte sie selbstsicher und sein Lächeln verzog sich zu einem verschmitzten Grinsen. „Nun, da ich das Essen besorgt habe, wie wäre es mit einem Kuss als Dankeschön?“, fragte er frech. Die unerwartete Aufforderung ließ Asami erröten und ihre Augen weiteten sich, da sie nicht ganz glauben konnte, dass er das gerade wirklich gesagt hatte. „Was?! Niemals!“, versicherte sie ihm, er gab sich jedoch unbeeindruckt. „Du kennst die Regeln! Außerdem ist ein kleiner Kuss nichts im Vergleich dazu, was ich machen musste.“ ‘Verdammt!‘, dachte sie, gab sich aber geschlagen. „Also gut...“ Niemand sollte behaupten können, dass sie den Schwanz eingekniffen hätte! Sie setzte sich neben ihn. „Aber du musst die Augen zumachen!“, forderte Asami und Hayao tat wie befohlen. Er schürzte seine Lippen und wartete auf den Kuss, während sie sich daran hindern musste, darüber zu lachen, wie komisch er gerade aussah. Sie ging mit ihrem Gesicht näher an seins, sodass sie die Wärme spüren konnte, die von ihm ausstrahlte. Doch anstatt ihn zu küssen, schnipste sie ihm gegen die Stirn und sprang auf. „Als ob!“, rief sie und streckte ihm die Zunge heraus, als er verwundert seine Augen öffnete und sich die Stirn rieb. Noch bevor er irgendetwas sagen konnte, nahm sie die Beine in die Hand und rannte zum nächsten Dach, parallel zum Seeufer.
Wie erwartet rannte er ihr hinterher. Einfach würde es sie ihm aber nicht machen. Sie rannte noch etwas schneller und bereitete sich darauf vor, sich blitzschnell umzudrehen. Sollte sie es richtig machen, würde sie einfach an Hayao vorbeirennen, während er noch etwas weitersprinten würde, direkt an ihr vorbei. Sie wartete, bis sie an einer Hauswand ankam, die etwas höher war als die der benachbarten Gebäude und sie somit hätte springen müssen, wollte sie auf das Dach klettern. Stattdessen sprang sie gegen die erhöhte Wand, stieß sich ab und preschte in die entgegengesetzte Richtung los. Aus dem Augenwinkel sah sie, wie Hayaos Blick ihr folgte, er selbst aber anhalten musste, um nicht frontal gegen die Mauer zu rennen. Asami blieb ebenfalls stehen. Es machte nur Spaß, wenn er nah genug dran war, um zu glauben, dass er sie kriegen könnte. „Na komm schon! Bist du zu fett, um mich zu schnappen?“, zog sie ihn auf und er sprintete los, Kampfgeist in seinen Augen. Schnell drehte sie sich erneut um und setzte ihre Flucht fort, merkte aber, wie das Geräusch der Schritte hinter ihr immer näher kam. ‘Hayao legt sich echt ins Zeug‘, stellte sie fest und versuchte, noch etwas schneller zu werden, jedoch ohne Erfolg. Noch bevor sie das andere Ende der Häuserreihe erreichen konnte, spürte sie, wie er ihren Ärmel griff. „Hab‘ dich!“, rief er, mit Stolz in seiner Stimme. Die beiden liefen Seite an Seite und wurden zunehmend langsamer, ohne dass er ihren Ärmel losließ. Schwer atmend stützte Asami die Hände auf ihre Knie. „Gut, du hast gewonnen, du bist nicht fett“, ergab sie sich. ‘Ohne meine Gewichte hätte er meinen Staub gefressen‘, redete sie sich zum Schutze ihres Selbstvertrauens ein und schaute zu ihm herüber. Er war genauso erschöpft wie sie. Die Saisho ließ sich auf ihren Po fallen und begab sich in einen Schneidersitz, Hayao hockte sich gegenüber von ihr hin. „Es wird wunderschön, wenn die ganzen Laternen auf dem See schwimmen“, bemerkte sie und drehte ihren Kopf zum Wasser. „Versuch‘ ja nicht, das Thema zu wechseln!“, meinte er daraufhin. Sie seufzte. Wenn er wirklich etwas wollte, dann war er hartnäckig. Ein Grinsen schlich sich auf ihre Lippen, als sie feststellte, dass ihr das irgendwoher bekannt vorkam. „Also gut...“, begann sie erneut, doch eher er etwas sagen konnte, presste sie schon ihren Mund auf den seinigen. Für einen Moment schaute sie in seine weit aufgerissenen, überraschten Augen, ehe sie sich mit einem Mal zurückzog, aufstand und den Mund mit ihrem Ärmel abwischte. „Lass‘ uns die anderen suchen gehen. Und kein Wort zu niemandem!“, stellte sie klar und Hayao nickte, als ob es selbstverständlich gewesen wäre.
Als die beiden vom Dach hinunter in eine der Seitengassen kletterten, überlegte Asami, ob der Kuss wirklich so schlimm war, wie sie gedacht und getan hatte. Sie mochte Hayao schon und seine Reaktion war wirklich witzig gewesen. Unten angekommen, gingen sie zurück zur Hauptstraße und hielten nach den anderen Ausschau. „Sie sind wahrscheinlich schon am See“, vermutete ihr Begleiter, sie nickte zustimmend. Gemeinsam folgten sie der breiten Straße, Asami machte jedoch vor einem der Laternenläden halt. „Wir sollten uns jetzt welche kaufen, bevor wir nochmal zurücklaufen müssen“, meinte sie und eilte hinein. Hayao spurtete hinterher. „Hey, hast du schon vergessen, dass ich kein Geld habe?“ Als Reaktion darauf kramte sie in ihrer Tasche und zählte die Handvoll Münzen, die sie dabei hatte. Nicht genug für zwei. Ihn nochmal etwas stehlen lassen wollte sie allerdings nicht. „Keine Sorge“, meinte sie, nahm eine der runden Laternen mit dem Symbol des Dorfes versehen und ging hinüber zur Theke. Einen Teil ihres ersparten Geldes gab sie an den Ladenbesitzer und verließ dann gemeinsam mit Hayao den Laden, daraufhin setzten sie den Weg zum See fort.
Am Ufer angekommen, ließ sie ihren Blick über die Menschenmenge schweifen. Normalerweise konnte sie ihre Freunde immer gut daran erkennen, dass einer von ihnen diese bescheuerte Mütze trug. In Form eines Fisches, der in den Kopf des Trägers biss, in ekligen Gelb- und Blautönen. Als sie diesen schrecklichen Kopfschmuck nicht entdecken konnte, war sie sich nicht sicher, ob sie froh sein sollte, seinen Anblick nicht ertragen zu müssen oder enttäuscht, weil von ihren Freunden keine Spur war. Vielleicht hatte sich die Gruppe auch aufgelöst und jeder verbrachte das Fest mit seiner Familie. Asami rollte die Augen. Ihre Eltern machten jedes Jahr genau das Gleiche, da blieb sie lieber bei ihren Freunden – oder Hayao, in dem Fall. „Kannst du sie sehen?“, fragte sie zur Vergewisserung, doch sie erntete nur ein Kopfschütteln. „Wahrscheinlich sind die alle bei ihren Eltern“, bestätigte er ihre Vermutung, „es ist nämlich gleich Mitternacht.“ Sie nickte. Um die beiden herum näherten sich schon alle dem Wasser, die ersten hatten sogar schon ihre Laterne angezündet. „Wir haben nur eine Laterne für zwei Leute, also kriegt jeder nur einen halben Wunsch“, erklärte sie und hoffte, dass man Wünsche wirklich einfach teilen konnte, wenn sie nicht zu groß waren. Er nickte zustimmend. „Und verschwende ihn ja nicht an so was wie ‘nen zweiten Kuss, das wird eh nicht passieren!“, fügte Asami hinzu, als konnte sie die Gedanken des Jungen lesen, welcher sie ansah, als wäre er bereit gewesen, es darauf anzulegen. „Feuer...“, murmelte sie und ging mit der Laterne schnell zu einer Familie, die neben ihn gerade die Lichter in ihren anmachten. Höflich fragte die Saisho, ob sie deren Kerze für einen Moment leihen dürfte, doch stattdessen nahm der Vater ihre Laterne an sich und entzündete sie selbst, um die Gefahr zu minimieren, dass sich ein Mädchen an der Kerze verbrannte – er konnte nicht ahnen, dass sie täglich mit ähnlich gefährlichen Sachen trainierte. Sie bedankte sich flüchtig, dann lief sie zurück zu Hayao und lächelte ihn an. Er lächelte zurück. Für einen kurzen Augenblick beobachtete sie die Schatten, die der flackernde Kerzenschein auf seinem Gesicht tanzen ließ. „Möchtest du sie aufs Wasser setzen?“, fragte er, was sie mit einem lässigen Schulterzucken beantwortete. „Wie wär’s, wenn wir’s gleichzeitig zusammen machen?“ Asami konnte nicht anders, als darüber zu lachen. „Jetzt werd‘ nicht kitschig…“, antwortete sie und drückte ihm den warm leuchtenden Lampion in die Hand. In diesem Moment, fingen die ersten Leute an, ihre Laternen loszuschicken und eine Armada an strahlenden Punkten trat die Überquerung des Sees an. Auch Hayao schickte die Laterne der beiden los, welche schon nach wenigen Momenten zu den anderen trieb, sodass man sich nicht sicher sein konnte, welche zu wem gehörte.
Für diese wenigen Momente war es überraschend still am Seeufer, während jeder leise seine Wünsche in Gedanken äußerte, so auch Hayao, welcher dabei sogar die Augen geschlossen hatte. ‘Wünsch dir nicht zu viel…‘, ermahnte sie ihn in Gedanken. Doch was wollte sie selbst? Sie wollte nur, dass alles so weiterlief, wie es war. Nichts sollte sich ändern, ob an ihrer Familie, an ihren Freundschaften oder an ihrem Werdegang zum Genin. Und das war ja wohl nicht zu viel verlangt für einen halben Wunsch, oder?

Kapitel 9: Invasion


Asami seufzte. Es war ein herrlicher Sommertag draußen und sie würde noch für ein paar Stunden in der Akademie festhängen. Aktuelle Lehrstunde: Fallenstellen. Nichts, was sie dazu angeregt hätte, aufzupassen. Vor allem nicht in dieser Hitze. Im Sommer sorgte die Bauweise des Gebäudes dafür, dass sich alle Anwesenden im Inneren wie in einem Brutkasten fühlten – mangelnde Zirkulation brachte die Luft zum Stehen und so wurde es mit jeder vergangenen Stunde stickiger. Wenigstens konnte sich Asami auf ihr nachmittägliches Training freuen. Draußen, wo eine angenehme Brise wehte und wo sie ihrer Schwester beweisen konnte, dass sie immer noch ihr überlegen war. Sie konnte es sich schon lebhaft vorstellen. Wie sich gegenseitig umkreisten, beide auf eine Gelegenheit zum Angriff wartend, bis es einer schließlich wagte und sie aufeinandertrafen. Ein anschließendes Kräftemessen würde entscheiden, welcher der beiden sich zurückziehen musste.
Ein flüchtiges Beben riss sie aus ihrem angenehmen Tagtraum. Aufgeschreckt richtete sie sich von ihrer lümmelhaften Haltung auf, sah aus dem Fenster und spitzte die Ohren. „Hast du das gerade auch gespürt?“, flüsterte sie zu Hayao, welcher dem Unterricht ungefähr genauso wenig folgte wie sie. „Huh, was?“, entgegnete er gelangweilt und etwas schläfrig. „Der Boden, er hat gebe-“, fing sie an, hielt jedoch inne, als sie eine weitere Erschütterung spürte, diesmal etwas näher und kräftiger. Der Lehrer schien es ebenfalls gemerkt zu haben. Er pausierte mitten im Satz und blickte hinaus, während Asamis Mitschüler ihn nur verwundert ansahen und merkten, dass etwas nicht stimmte.
Die nächste Erschütterung kam ebenso plötzlich, doch diesmal ergriff sie die Akademie mit einer Kraft, die die Tische wackeln ließ und eine Handvoll der Schüler zu Boden beförderte. Für einen Augenblick hielt Asami geschockt den Atem an. Wo auch immer das Beben herkam, es kam näher und konnte nicht weit sein. Sie musterte die anderen im Raum und konnte sehen, dass sie genauso erschrocken waren wie sie selbst. Einen Moment lang rührte sich niemand, stattdessen tauschten sich nur ungläubige Blicke aus, ehe die raue Stimme des Sensei sie in Bewegung setzte. „Ihr erinnert euch doch noch an die Notfallübung, oder? Geht weg von den Fenstern und ab unter die Tische!“, rief er und die Akademisten taten augenblicklich wie befohlen. Flink tauchte Asami unter ihren Tisch und versuchte, von ihrer Position aus einen Blick durch das Fenster zu erhaschen, leider war der Winkel zu ungünstig. Von dort aus gab es keine Möglichkeit, zu sehen, was dort draußen passierte – vielleicht war das sogar beabsichtigt – aber trotzdem hatte sie schon eine Vermutung. Plötzlich hockte sich Akane neben ihr hin. Sie hatte ihre Schwester in der Hektik gar nicht bemerkt. „Keine Sorge, nee-chan, wer auch immer uns angreift, hat nicht mit mir gerechnet!“, verkündete Asami zuversichtlich, ihr Gesichtsausdruck hielt dabei sogar dem nächsten Beben stand, während sich ein leises Wimmern durch die Menge der jungen Shinobi in spe in zog. „Vielleicht ist es auch nur ein Erdbeben“, meinte Akane daraufhin, doch Asami rollte nur die Augen. „Hatten wir jemals ein so starkes Erdbeben?“, fragte sie rhetorisch und musterte den Blick ihrer Schwester, welchen sie nur zu gut kannte. Sie ahnten beide, was wirklich dort draußen geschah.
Im nächsten Moment eilte jemand in den Raum und spurtete hinüber zum Klassenlehrer. Aktuelle Anweisungen und Informationen, konnte Asami nur vermuten, denn die älteren Männer sprachen zu leise, als dass sie es auf der anderen Seite des Raumes hören konnte. Nachdem der Lehrer die Neuigkeiten in Empfang genommen hatte, wandte er sich an seine Schüler, welche unter ihren Tischen kauerten. „Begebt euch in den Flur und bildet dort eine Zweierreihe. Wenn das geschehen ist, bleibt zusammen und folgt mir zu den Schutzräumen. Die Akademie wird evakuiert!“, befahl er und der Bote führte die Akademisten aus dem Klassenzimmer hinaus. Asami schnappte sich sogleich die Hand ihrer Schwester, bevor sie aufstanden und der Gruppe folgten. Im Flur angekommen, sah sie schon zwei weitere Shinobi des Dorfes, welche höchstwahrscheinlich ihre Eskorte waren, die sie zur Felswand führen würden, in welcher die Schutzräume eingelassen waren. Gemeinsam mit Akane stellte sie sich auf und schaute sich um. Die Gesichter der anderen waren blass, erzählten von jener Nervosität, welche sich auch langsam auf Asami abfärbte. Wenn ihre Klasse wirklich von vier Shinobi geschützt wurde, dann war es wirklich ernst, was außerhalb der Akademie auf sie wartete. Die Saisho schluckte den Kloß in ihrem Hals herunter, behielt jedoch einen eisernen Gesichtsausdruck, in der Hoffnung, sich die in ihr aufkommende Anspannung nicht anmerken zu lassen.
Nachdem sich die Klasse in Reih und Glied aufgestellt hatte, ging der Sensei die Gruppe noch einmal ab. Zufrieden stellte er fest, dass alle seine Schützlinge da waren, bevor er eiligen Schrittes auf den Haupteingang der Akademie zuging. Anschließend drehte er sich noch einmal zu den Schülern um und erinnerte sie daran, wie sie sich zu verhalten hatten. Man sollte still bleiben, Ruhe bewahren und zügig gehen, aber vor allem strikt den anderen folgen und sich nicht leichtsinnig irgendwo im Dorf verstecken oder gar versuchen, zu kämpfen. Verlor man die Gruppe, war man auf direktem Weg zu den Schutzräumen zu flüchten. Der Klassenlehrer öffnete die Eingangstür und schritt zusammen mit den Akademisten ins Freie. In dem Moment, wo Asami den Schritt über die Türschwelle wagte, wurde ihre innere Aufregung zu primitiver Angst. Sie war überrascht von der Intensität des Kampfeslärms. Präsenter und eindringlicher als sie es sich ausgemalt hatte, inspiriert von den Schlachten, dessen Ablauf man ihnen im Geschichtsunterricht beibrachte. Noch lauter als ihr eigenes Training, in welchem der Eifer des Gefechts ihr half, die unwichtigen Geräusche auszublenden und das Adrenalin ihr erlaubte, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Doch in diesem Moment befahl ihr Körper ihr nur eines: Lauf! Mit ihrer Schwester an der Hand hielt sie sich eng an der Zweiergruppe vor ihnen, den Blick nach vorne gerichtet , um sie auch ja nicht aus den Augen zu verlieren. Ihren freien Arm benutze sie, um ihren Mund mit ihrem Ärmel zu bedecken, in einem aussichtslosen Versuch, den beißenden Geruch von Rauch und brennender Asche von sich fernzuhalten. Die Hitze trieb ihr den Schweiß auf der Stirn, von der Brise, die sie sich vor wenigen Minuten im Tagtraum noch vorgestellt hatte, war keine Spur.
„Pst. Akane?“, fragte Asami nach einigen Metern und drehte ihren Kopf zu ihrer Schwester neben sich. Die Gruppe nahm einen Weg entlang dem Rand des Dorfs, um somit möglichst in keine Auseinandersetzung mit gegnerischen Truppen zu geraten. Akane reagierte und schaute zu ihr herüber. „Was glaubst du, was da passiert?“, fügte sie etwas unbeholfen hinzu, in der Hoffnung, dass ihr Zwilling etwas optimistischer war als sie selbst in diesem Moment. „Wir sollen uns ruhig verhalten, bis wir in den Schutzräumen sind…“, flüsterte sie als Antwort und verstummte danach. Asami hätte sie in diesem Moment würgen können, sie hörte nicht einmal die Zurechtweisung des Sensei am vorderen Ende der Gruppe, zu sehr war sie damit beschäftigt, die Zähne zusammenzubeißen und leise zu fluchen. Während ihre eigenen Gedanken ihrer Familie galten und wie einige von ihnen höchstwahrscheinlich das Dorf verteidigten, hatte Akane dem Anschein nach nur irgendwelche blöde Regeln im Kopf. Als Polizei des Dorfes hatten die Saisho eine besondere Verpflichtung zum Schutz von Takigakure und waren somit größtenteils direkt an der Front, genau dort, wo in der Regel die meisten Shinobi fielen. Am liebsten wären Asami losgerannt, um ihren Vater oder ihre Brüder zu finden, stattdessen folgte sie reflexartig ihrer Gruppe auf Schritt und Tritt. Sie war sich nicht sicher, ob es daran lag, dass sie wusste, wie leichtsinnig es wäre, oder dass sie sich schlicht und ergreifend nicht traute.
Nach ein paar weiteren Minuten des Marschs durch das Dorf kam die Klasse samt Eskorte an den Schutzräumen an. Der Sensei öffnete den versteckten Eingang und hielt die Tür offen, während seine Schüler nach und nach in die Felswand schritten, wo sie sicher sein würden. Auch Asami ging zusammen mit Akane hinein und sie spürte sogleich, wie der tosende Lärm verstummte. Oder zumindest um einiges ferner zu sein schien, dank der Isolation des dichten Steins. Ihre Schwester und sie schritten in eine der hinteren Ecken und setzten sich auf den kühlen, harten Boden. Asami spürte gar nicht, wie sehr sie die Hand ihrer Schwester umklammerte, als diese den Griff lösen wollte, zu sehr war sie in Gedanken an die anderen Saisho versunken. „Denkst du sie sind alle in Sicherheit?“ Sie wandte sich erneut an Akane, obwohl sie wusste, dass sie selbst in den Schutzräumen noch still sein sollten. Das einzige, was sie wollte, waren ein paar aufmunternde Worte, die sie hoffen lassen würden, während sie hier in den spärlich beleuchteten Räumen aus Stein festsaßen. „Ich glaube nicht…“, antwortete ihre Schwester unerwartet, weswegen Asami sie daraufhin mit weit geöffneten Augen anstarrte. Hatte sie etwa schon die Hoffnung aufgegeben? „Sie sind schließlich alle Saisho. Unsere Aufgabe ist es, das Dorf zu schützen. Sie werden da sein, wo am meisten los ist.“ Akane betrachtete das ganze kühl und analysierend, so, wie sie nun einmal war. Allerdings waren Asami dieselben Gedanken vor kurzer Zeit auch durch den Kopf gegangen. „Vermutlich hast du Recht“, sagte sie mit einem Nicken und zog ihre Knie enger an sich heran. „Denkst du, ihnen passiert etwas?“, fragte sie nach einem Moment des Zögerns direkt, was ein Lächeln seitens Akane erntete. „Sie sind alle unheimlich stark! Ich bin mir sicher, dass ihnen nichts passiert! Zumindest nicht mehr als sonst..“, versicherte sie ihr und Asami erwiderte ihr Lächeln für einen kurzen Moment, welches aber verschwand, als sie erneut vom Lehrer zurechtgewiesen wurden, mit leiser Stimme. Die Saisho hatte sich noch nie so hilflos gefühlt. Draußen tobte der Kampf und sie mussten sich verstecken, im Fels verkriechen, bis alles vorbei war. Nichts würde sie draußen ändern können, selbst um die stärksten Shinobi im ganzen Dorf sorgte man sich. Ihr wurde kalt und sie schloss die Augen, betend, dass alles schnell wieder normal werden würde.

Kapitel 10: Verlust


Asami hob ihre Hand vor ihr Gesicht, um ihre Augen vor der Sonne zu schützen, als sie einige Stunden später mit den anderen die Schutzräume verließ. Der Anblick, der sich ihr bot, war sowohl atemberaubend als auch verstörend. Von vielen Häusern stieg noch immer Rauch auf, nur wenige standen noch aufrecht und intakt. Die Straßen waren mit Trümmern versehen, teils unpassierbar durch die Blockaden aus Schutt. Doch es war nicht nur der Schock, der Asami für einen Moment in seinen Bann zog. In einer merkwürdigen Art und Weise war es anmutig, wie der Rauch gen Himmel schwebte und wie in manchen Dächern noch die Flammen tanzten, umgeben von Dorfbewohnern, welche versuchten, mit Wassereimern das Feuer zu bekämpfen. So schrecklich die Zerstörung auch war, sie konnte ihren Blick nicht abwenden und wurde erst aus ihrer Trance gerissen, als Akane ihre Hand ergriff. „Komm wir gehen heim…“, meinte sie. Asami antwortete nur mit einem abwesenden Nicken, bevor sie beide in Richtung des Saisho-Anwesens eilten. Auf dem Weg dorthin konnte sie es kaum erwarten, ihre Familie wiederzusehen und ihren Vater zu umarmen.
Als die Geschwister in die Straße einbogen, in der sich das Anwesen befand, blieb Asami wie angewurzelt stehen und blickte ungläubig auf einen Felshaufen. Ein Felshaufen genau an der Stelle, wo einst ihr Zuhause stand. Das Saisho-Anwesen war beinahe bis zur Unkenntlichkeit zerstört worden. Tränen kamen schon in ihren Augen auf, als Akane plötzlich auf die Wachen in ANBU-Uniform zuging, welche um das Grundstück herum positioniert waren. „Hey! Warte auf mich!“, rief Asami ihr hinterher und folgte ihr eilig, als sie gerade unter dem Absperrband hindurch tauchen wollte. „Hey Kinder! Da darf niemand rein!“, sprach sie einer der Wachmänner an und hielt Akane auf. „Aber das ist unser Zuhause!“, rief Asami ihm aufgebracht zu. Doch er schüttelte nur den Kopf. „Am besten begebt ihr euch in Dorfzentrum zu den Notunterkünften. Dort werdet ihr auch eure Familie finden!“, meinte er daraufhin und versicherte den beiden noch, dass es zwar viele Verletzte unter den Saisho gab, aber nur wenige Tote. ‘Wenige Tote?!‘, dachte Asami aufgebracht und die Tränen kam wieder. Wie konnte er das nur seelenruhig so sagen? Sie betete, dass es keiner ihrer Eltern oder Brüder war, aber unabhängig davon, waren es immer noch Mitglieder ihrer Familie von dessen Ableben er einfach so sprach! Akane nahm sie an die Hand und zog sie mit sich, bevor sie ihrem Frust Luft machen konnte.
In den Notunterkünften angekommen, ließ Asami ihren Blick über die vielen Zelte schweifen, die in der Nähe des Dorfzentrums aufgebaut wurden. Der schieren Menge an Unterkünften nach musste das halbe Dorf nun obdachlos sein. Auf dem Weg vom Saisho-Anwesen hatte sie schon festgestellt, dass es um einiges schwerer war ein bewohnbares Haus zu entdecken als eine Ruine. Das Geschwisterpaar blieb an einem großen Brett stehen, auf dem die Namen der zahlreichen Vermissten aufgelistet waren. Asami wusste nicht einmal, dass das Dorf so viele Einwohner hatte. Noch konnte oder wollte sie sich nicht vorstellen, wie so viele Menschen einfach verloren gegangen sein konnten. Sie schluckte schwer. Manche Namen würden sich als die von Toten herausstellen. Aus dem Augenwinkel heraus fiel ihr Blick auf eine Mähne roten Haars. Es brauchte einen Moment, bis sie erkannte, zu wem diese gehörte. Erleichtert rannte sie auf den Träger der Mähne zu. „Shiro!“, rief sie strahlend und sprang ihn an, woraufhin dieser sie auffing und wieder auf den Boden stellte. „Asami-chan“, erwiderte er mit einem Lächeln, „bin ich froh, dich zu sehen. Unsere Familie ist in einem Zelt gleich in der Nähe versammelt, bis auf zwei. Akane-chan“ – er nickte ihrer Schwester zu „Geht es euch gut? Ihr seht zumindest unversehrt aus.“ „Zwei Ausnahmen?“, fragte Akane, welche zu Asami und Shiro gestoßen war, ohne Umschweife. „Ja, Vater hat alle Hände voll zu tun und ist deshalb im Dorf unterwegs“, erklärte der rothaarige Shinobi, „Leider hat es die meisten von uns erwischt. Darum haben wir Ruhe verordnet bekommen. Aber in zwei Tagen dürfen die meisten von uns wieder in Dienst.“ Als Beweis seiner Worte zeigte er seinen Schwestern den Verband an seinem Arm. Asami war etwas enttäuscht, dass Seduko nicht da sein würde, doch konnte dies nicht ihre Erleichterung aufhalten, dass alle halbwegs wohlauf waren. „Pass mal auf Asami. Du musst für mich etwas erledigen“, meinte Shiro danach. Asami hob den Kopf und schaute ihren Bruder an. Konnte sie etwa doch helfen? „Lauf schnell dort hinten in unser Zelt. Alle machen sich große Sorgen um euch. Es wird sie beruhigen zu sehen, dass ihr wohlauf seid! Kannst du das für mich tun?“ Das ließ sich die Saisho nicht zweimal sagen. Sie nickte schnell und wandte sich an Akane. „Nee-chan, kommst du?“, fragte sie noch, aber Shiro erklärte ihr, dass er für Akane etwas anderes zu tun hatte. Schnell nickte sie erneut und lief dann zum Zelt, wo ihre Familie auf sie warten würde. Bevor sie jedoch die Plane zur Seite schob, um einzutreten, fiel ihr plötzlich etwas auf.
Zwei Ausnahmen?‘, dachte sie und ihr wurde jetzt erst bewusst, was ihr Bruder eigentlich gesagt hatte. Ihr Vater war laut ihm noch unterwegs, aber es fehlte noch jemand. Sie schluckte schwer, bevor sie in das Zelt ging, während sie spürte, wie ihr Herz deutlich schneller schlug. Im Inneren des Zelts sah sie, wie sofort die Blicke der anderen auf sie fielen, als sie eintrat. Asami schaute sich in der Menge um und fand ihre Mutter, zu der sie direkt hinüberlief. „Ookasan!“, rief sie froh und umarmte Nami. „Asami-chan“, entgegnete sie nur erleichtert und hielt sie für einige Momente fest in ihrem Griff. Nach ein paar Augenblicken wandte sich Asami aus ihrer Umklammerung und sah ihr in die Augen, wusste aber nicht, wie sie fragen sollte, was ihr durch den Kopf ging. „Wo ist deine Schwester?“, fragte Nami besorgt. „Shiro hat ihr einen Auftrag gegeben“, antwortete Asami schnell, „Wo ist Otousan?“ „Er muss sich um ein paar Clanangelegenheiten kümmern, er ist bald wied-„ „Macht das nicht Mikomi-sama?“, rutschte es Asami spontan heraus. Im nächsten Moment sah sie, wie das Lächeln ihrer Mutter kurz einfror und sie zögerte, als wüsste sie nicht, wie sie das beantworten sollte. Asamis Augen weiteten sich. ‘Nein..‘, ging es ihr durch den Kopf. Es konnte nicht sein. Mikomi war das Oberhaupt und hatte somit Akira und noch seine Leibwächter an seiner Seite. Niemand war stark genug, um die alle zu besiegen! „Ist Mikomi…?“, stammelte das Mädchen mit zitternder Stimme und das Gefühl der Hilfslosigkeit, welches sie schon in den Schutzräumen überfiel, packte sie erneut. Anstatt zu antworten, zog Nami ihre Tochter wieder an sich heran und umarmte sie wortlos. Es war, wie sie gedacht hatte. Seduko musste sich um das kümmern, was eigentlich Mikomi erledigen musste – weil Mikomi es nicht mehr konnte.
Sie blickte zu Boden und beobachtete die Tränen, welche von ihren Augen über ihr Gesicht liefen und auf das Gras unter ihren Füßen fielen, ohne Zurückhaltung, während Wellen von Trauer, Schmerz und Übelkeit durch ihren Körper jagten. „Wie?! Was ist mit Akira? Was ist mit den anderen? Sie sollten ihn beschützen!“, fragte sie aufgebracht, doch sie erhielt keine Antwort. Ihre Mutter brach ihr Schweigen nicht, in einem zweifelhaften Versuch, sie von der Wahrheit zu schützen, die sie ohnehin bald erfahren würde. Ebenfalls mit Tränen in den Augen strich sie sanft über Asamis Haar. „Sei stark, Asami-chan. Shinobi geben ihr Leben für ihr Dorf und für ihre Familie. Genau deswegen sind sie Shinobi geworden.“ Es war ein schwacher Trost, doch der Appell an ihre Stärke brachte sie für einen Moment dazu, sich zu beruhigen. Sie schloss die Augen und wischte sich die restlichen Tränen von den Wangen, ehe sie die Umarmung löste, immer noch zitternd und schluchzend vor Aufregung und Trauer. „Akira hat versucht ihn zu beschützen, sie ist im Krankenhaus, aber wach. Die anderen Leibwächter hatten nicht so viel Glück…“ Asami konnte nicht glauben, was ihr erzählt wurde. Es war wie ein schlechter Scherz. Die gesamte Familie kam mit Kratzern davon, doch die stärksten unter ihnen, das Oberhaupt und seine Leibwächter, mussten mit ihrem Leben bezahlen und die Clanshüterin wurde ebenfalls schwer verletzt. „Wer?“, fragte sie leise, ehe sie ihre Frage noch einmal lauter stellte, „Wer waren die Leibwächter?!“ An die genauen Worte, die ihre Mutter im nächsten Moment sprach, würde sich Asami danach kaum noch erinnern können. Zu sehr wurden sie von ihrer Bedeutung überschattet, so erdrückend und schwer, dass deren bloße Aussprache das Tageslicht aus ihren Erinnerungen zu raubte, bis alles nur noch aus verschiedenen Tönen von Grau bestand, die ihr davon erzählten, wer einer der Leibwächter gewesen war: Goro. Und er war seinem Auftrag bis zum Ende treu geblieben.

Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von »Saisho Asami« (8. März 2016, 21:46)

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Saisho Asami

Determination.

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Sonntag, 7. Februar 2016, 20:53

Kapitel 11: Wiederaufbau


Ghost Brigade - Long Way to the Graves

Die nächsten Tage waren eine Qual. Das Dorf lag in Trümmern und so auch die Moral des Großteils seiner Bewohner. Jeden Tag wurden weitere Namen auf der Liste der Vermissten durchgestrichen. In glücklichen Einzelfällen handelte es sich dabei um Menschen, die man aus den Ruinen bergen konnte oder die während des Angriffs in den Wald geflüchtet waren und nun zurückkehrten. Ihre Namen wurden mit schwarzer Tinte versehen. Die meisten Einträge wurden jedoch rot markiert: Gebrochene Körper, die man aus den Trümmern gezogen hatte oder die Leichen von Bewohnern, die erst durch Angehörige identifiziert werden mussten. Nach einigen Tagen wurden alle Vermisste gefunden – tot oder lebendig. Die Überlebenden mussten mit den Nachwirkungen fertig werden. Die meisten von ihnen wohnten auf engem Raum mit anderen, welche ihr Haus verloren hatten, in den Notunterkünften und mussten irgendwie den Neuaufbau des Dorfes bewältigen, obwohl in allen noch die Trauer um die Verstorbenen vorherrschte. Bei den Saisho war es nicht anders.
In der Nacht nach dem Überfall war es Asami unmöglich, auch nur ein Auge zuzukriegen. Wann immer sie sich soweit beruhigt hatte, dass sie einschlafen konnte, ließ sie ein Albtraum nach kurzer Zeit aufgewühlt und schweißgebadet wieder im Zelt der Familie aufwachen. Neben sich konnte sie Akane in der Dunkelheit erkennen, welche ebenfalls mit offenen Augen auf einer Decke lag. Sie durchlebte wohl dasselbe. Die dunklen Träume waren um einiges lebhafter, als sie es gewohnt war. Es war das gleiche Gefühl, was sie damals gepackt hatte, als der Dämon in ihr erwacht war. Als wären es nicht ihre eigenen Gedanken, sondern fremde, die ihr in den Kopf gepflanzt wurden und vor denen es kein Entkommen gab. Dass ihr Oberarm an der Stelle, wo sich das Siegel befand, schon seit Stunden brannte und seitdem nur schlimmer wurde, bestätigte ihre Vermutung. Der Wolf in ihr, den sie zuletzt vor zwei Jahren gespürt hatte, nutzte die Gunst der Stunde, um seine Wirtin zu terrorisieren, welche gerade schwach und verletzlich war. Asami schaute zu ihrer Schwester hinüber. Die beiden lagen nun schon seit gefühlt mindestens einer Stunde wortlos da und starrten Löcher in die Luft. Keiner wusste wirklich, was er sagen sollte, um den anderen aufzuheitern und mit jeder verstrichenen Sekunde schien die Stille zwischen ihnen und im gesamten Zelt nur noch erdrückender, unmöglich zu durchbrechen. Für einen Moment schloss die Saisho die Augen. Sie konnte spüren, wie sich ihre Muskeln von oben bis unten nach und nach entspannten. Asami war todmüde und musste sich dennoch erzwingen, die Augenlider erneut zu heben, um nicht ein weiteres Mal einzuschlafen und den grausamen Bildern ihrer Träume ausgesetzt zu sein.
Ihre Hartnäckigkeit setzte sich bis Tagesanbruch fort, als die ersten Familienmitglieder aufstanden. Die Liste an Dingen, die es im Rahmen des Wiederaufbaus zu tun gab, war endlos und fing man nicht früh an, hatte ein Tag nicht genug Stunden, um wirklichen Fortschritt zu machen. Mit Desinteresse beobachtete Asami die Frühaufsteher und rührte sich erst, als sie sah, dass ihr Vater zu ihnen gehörte und gerade das Zelt verlassen wollte. Mühselig richtete das Mädchen sich auf und eilte ihm hinterher, damit sie ihn noch abfangen konnte, bevor er losging. „Otousan“, sprach sie leise, als sie aus der Notunterkunft schritt und Seduko sah, welcher augenblicklich innehielt und sich zu ihr umdrehte. „Asami-chan?“, fragt er verwundert und ging zu seiner Tochter hinüber, „Es ist noch früh. Ruh‘ dich noch ein wenig aus.“ Ihre krumme Haltung und die dunklen Ringe unter den blutroten Augen, die ihn mit einem leblos wirkenden Blick anstarrten, verrieten ihm, dass sie alles andere als eine gute Nacht hatte. Asami selbst rührte sich nicht von der Stelle. Er seufzte, ging zu ihr herüber und hockte sich hin, um auf Augenhöhe mit ihr zu sein. Seine Hand glitt sanft von ihrer Stirn aus durch das üppige, schwarze Haar. „Wer auch immer hierfür verantwortlich ist, wird nicht wiederkommen. Und wir werden das Dorf wiederaufbauen. Alles wird so sein wie früher.“ Er gab ihr einen Kuss auf die Stirn, bevor er wieder aufstand. Asami hätte ihn wohl angebrüllt, wie er so etwas sagen konnte, wenn ihre durch Erschöpfung verminderte Auffassungsgabe nicht dafür gesorgt hätte, dass die Worte an ihr einfach vorbeigingen. Selbst wenn sie das Dorf in einem Tag komplett restaurieren konnten, würde es weder Goro noch Mikomi zurückbringen. „Leg‘ dich nochmal hin, Nami wird sich um euch kümmern. Ich bin später wieder da, versprochen“, sagte ihr Vater schlussendlich und setzte seinen Weg fort. Ein paar Minuten vergingen, in denen Asami gedankenleer den Sonnenaufgang betrachtete, ehe sie zurück ins Zelt ging und sich auf ihre Decke legte. Der Schmerz in ihrem Oberarm machte sich schon bemerkbar und sie fühlte das unheimliche Flüstern im Hintergrund, welche die Präsenz ihres Dämons in ihren Gedanken ankündigte. Die Wortbruchteile, die sie verstehen konnte, befahlen ihr, mit ihm zu reden, doch die Saisho hatte nicht vor, seinen Anweisungen Folge zu leisten. Sie verschränkte die Arme hinter ihrem Kopf und legte ihn auf ihre Hände. Es würde noch ein langer Tag werden.
Den Rest des Tages verbrachten die Geschwister damit, irgendwie die Zeit totzuschlagen. So sehr ihre Mutter sich auch bemühte, ihre Töchter waren alles andere als gesprächig und es erwies sich als unmöglich, sie aufzuheitern. Die einzige Aktivität, zu der sich Asami überreden ließ, war ein Spaziergang mit Shiro, welcher sich genauso wie Nami um seine kleine Schwester sorgte. Sie ging neben ihm her, ihre Hand auf das Siegel gepresst, während er sie durch das Dorf führte. Auf die Frage hin, ob alles in Ordnung sei, nickte sie nur stumm. Sie hielt es für unangebracht, sich über ein paar schlechte Träume zu beschweren, während andere noch mit ernsthaften Verletzungen kämpften. Während ihrer Tour durch die Ruinen des Dorfes beobachtete sie die Gruppen von Bewohnern, die sich zusammengetan hatten, um den Schutt langsam abzutragen und die zerstörten Gebäude wieder zu errichten. „Jeder trägt seinen Teil dazu bei“, erklärte ihr Bruder. ‘Müsste er nicht noch seinen Arm schonen, würde er wohl gerade die Grundmauern des Anwesens ausbuddeln…‘, ging es Asami durch den Kopf.
„Kann ich dich was fragen?“ Mit diesen Worten brach das schwarzhaarige Mädchen ihr Schweigen, als sie gerade mit Shiro auf einer Mauer Rast machte. Er nickte mit einem freundlichen Lächeln. „Als der Angriff begann…“ – sie hielt für einen Moment inne – „Hattest du Angst?“ Die Erinnerung an den Weg zu den Schutzräumen war noch allzu frisch. Sie hatte es nicht für möglich gehalten, doch mit jedem Meter, die sie an dem Tag gegangen war, hatte sich ihre Angst verstärkt. Angst um ihr eigenes Leben, Angst um ihre Familie. Keinesfalls so, wie sie sich eine Kriegerin der Saisho vorgestellt hatte. Nach einer kurzen Denkpause nickte Shiro zu ihrer Überraschung. „Insgeheim hatte jeder Angst, denke ich. Es ist nur natürlich. Ohne Angst wären wir zu leichtsinnig“, verriet er ihr und legte seine Hand auf ihre Schulter, während sie ihn mit großen Augen ansah. „Das Wichtige ist, dass man keine Angst zeigt. Dass man sich nicht von ihr lähmen lässt. Insbesondere, wenn sich andere auf einen verlassen.“ Asami hätte nicht gedacht, dass Shiro offen zugeben würde, dass Angst für ihn etwas Normales war. „Na komm, wir sollten uns auf den Rückweg machen“, sagte er anschließend und half ihr von der Mauer hinunter, ehe sie den Heimweg zum Zelt antraten.
Nachts war es für Asami immer noch unmöglich, zur Ruhe zu kommen. Der ungebetene Gast in ihrem Körper gab einfach nicht auf. Ihre Versuche, zu schlafen, sabotierte er sofort und mit jeder Sekunde, die sie ihn weiterhin standhaft ignorierte, wurde seine Stimme lauter. Er redete unaufhaltsam auf sie ein, wütete in ihren Gedanken, drohte ihr. Im kleinsten Detail beschrieb er, wie er ausbrechen würde und was er mit seiner gewonnenen Freiheit angestellt hätte. Dass sie sich gegen die Vorstellungen, die er ihr aufzwang, nicht wehren konnte, machte es nur noch unerträglicher. Wenn sie etwas nicht sehen wollte, konnte sie die Augen schließen, sollte sie sich weigern etwas zu hören, hätte sie sich die Ohren zugehalten. Doch wie hielt man sich davon ab, etwas zu denken? Der Druck, mit dem sie ihre Fingerspitzen auf ihre Schläfen presste, brachte jedenfalls keine Linderung. Am liebsten hätte sie geschrien, um mit ihrer inneren Geräuschkulisse zu konkurrieren. Stattdessen nahm sie einen tiefen Atemzug und schloss die Augen, determiniert, dieses Mal auch durch die schlimmsten Visionen zu schlafen. Es musste doch einen Punkt geben, an dem der Körper alles ignorierte, um sich selbst zu schützen und so miserabel, wie es ihr momentan ging, hatte sie diese Schwelle sicherlich schon längst passiert.
Nur wenige Minuten später wachte sie schwer atmend wieder auf. Frustriert richtete sie sich auf und hielt sich den Kopf. Während die vorigen Träume noch glasklar waren, konnte sie sich nun nicht einmal daran erinnern, was schrecklich genug war, um sie aus dem Schlaf zu reißen. Verlor sie etwa gerade den Verstand? Es fühlte sich zumindest so an. Nach einigen Momenten des Nachdenkens konnte sie endlich einen Beschluss fassen, der den Lärm in ihrem Schädel übertönte: So konnte es nicht weitergehen. Sie legte sich hin und gab erschöpft den Forderungen ihres inneren Biests nach. Seine Stimme wurde kontinuierlich leiser, während sie in den tranceartigen Zustand glitt, in welchem sie mit ihm kommunizieren konnte. Für wenige, kostbare Sekunden spürte sie ein tiefes Gefühl von Ruhe und Entspannung, ehe sie am Fuße des Hügels aufwachte, wie damals, als sie den Wolf zum ersten Mal getroffen hatte.
Asami würdigte ihrer Umgebung keines Blickes, stattdessen begann sie, wie ferngesteuert die Erhebung vor sich zu besteigen. Sie wollte es hinter sich bringen und hatte somit keine Zeit zu verlieren, um endlich ein paar Stunden Schlaf bekommen zu können. In der Akademie hatte man ihr erzählt, dass Schlafentzug eine Form der Folter sei. Damals hatte sie noch darüber gelacht, lächerlich fand sie es, dass ein Shinobi wegen ein paar schwerer Augenlider Informationen preisgeben würde. Nun konnte sie es um einiges besser verstehen. Die lange Wachperiode, kombiniert mit dem psychischen Terror des Wesens, welches sie gleich treffen würde, nagte an ihrem Verstand und hatte sie gefügig gemacht – vom entschlossenen Widerstand von gestern keine Spur. Sie fragte sich kurz, ob sie in diesem Augenblick ihr Dorf verraten hätte, wäre sie gerade in Gefangenschaft des Feindes, verwarf diese Überlegung aber als unwichtig. Als kleines Mädchen war sie sowieso kein Hindernis. Niemand würde von ihr erwarten, standhaft zu bleiben.
Auf der Kuppe des Hügels angekommen, war Asami überrascht zu sehen, dass der Dämon noch nicht auf sie wartete. Stattdessen sah sie nur den Baumstumpf und die dunkle Höhle darunter. „Ich bin hier! Was willst du?“, rief sie dem toten Holz entgegen. Nichts und niemand rührte sich. Wütend stampfte sie auf den Boden. Erst tat er alles, um sie hierher zu bekommen und jetzt ließ er auf sich warten? „Komm‘ endlich raus!“, brüllte sie mit erhobener Faust hinterher, allerdings vergebens. Beleidigt setzte sie sich auf den trockenen Grasboden und begab sich in den Schneidersitz. Während sie wartete, schaute sie sich um. Das Zwielicht der Dämmerung hielt noch immer an, als wäre nicht ein Augenblick vergangen, seitdem sie letztes Mal hier gewesen war. Von der erhöhten Position des Hügels aus hatte man eine ungestörte Aussicht auf die Baumkronen des Waldes, der sie umgab. In der Ferne konnte sie eine Rauchfahne erkennen, kümmerte sich aber nicht weiter darum. So trocken, wie es hier war, war ein Waldbrand alles andere als überraschend.
Nachdem sie sich umgeschaut hatte, schloss sie die Augen und lauschte. Sie hörte das sanfte Rascheln des Windes in den Zweigen und meinte, das Rauschen eines Flusses in der Ferne vernehmen zu können. Ansonsten war es still. Es war still! Asami wäre vor Freude fast aufgesprungen. Wenn der Dämon sie hier stören wollte, musste er schon wirklich mit ihr reden. Als hätte sie mit dieser Erkenntnis ein Rätsel gelöst, hörte sie plötzlich, wie sich etwas unter dem Baumstumpf bewegte. Sie öffnete die Augen, stand auf und konzentrierte ihren Blick auf den Eingang der Höhle. Es dauerte nicht lang, bis der Wolf seinen Kopf herausstreckte und ein paar Schritte aus seiner Unterkunft tat. Zu ihrer Überraschung sah die Saisho, dass er neben dem Halsband nun auch einen Maulkorb trug. Sie konnte nicht anders als grinsen, zu schadenfroh war sie über diese Erniedrigung. „Wag‘ es ja nicht, zu lachen!“ Seine donnernde Stimme traf Asami unvorbereitet, sodass sie beinahe hintenüber gefallen wäre. Anscheinend konnte er zu ihr sprechen, ohne sein Maul bewegen zu müssen. „Warum lässt du mich nicht in Ruhe?“, fragte sie ihn direkt und starrte ihn trotzig an. „Ich möchte, dass du verstehst, wieso das passiert ist, was passiert ist“, erwiderte er knapp, „wieso dein Bruder nicht mehr am Leben ist.“ „Was weißt du schon?“, provozierte sie ihn, während sie ihre Hand zur Faust ballte, mit so viel Kraft, dass sich ihre Fingernägel in ihr Fleisch bohrten. „Ich weiß, dass er stark genug war, um zu überleben“, gestand der Dämon, seine Worte ließen das Mädchen vor ihm für einen Moment innehalten, damit er sich erklären konnte. „Er ist gestorben, weil er die beschützt hat, die zu schwach waren“, sagte er, bevor Asami ihn unterbrach. „Mikomi-sama war nicht schwach!“, wandte sie ein. „Lass mich ausreden!“, fuhr das Ungetüm sie an, „Er hat auch diejenigen beschützt, die sich nicht verteidigen konnten. Es macht dich verwundbar, die Schwachen zu hirten. Schwächlinge wie dich!“ „Ich hätte nichts ausrichten können!“, schrie sie ihm entgegen, doch er knurrte nur verächtlich. „Du hast es nicht einmal versucht. Du nennst dich Kriegerin? Im Fels hast du dich verkrochen, bis es vorüber war. Du warst untätig, während sie Mitglieder deiner Familie ermordet haben!“ Mit diesen Worten brachte der Dämon sie zum Überkochen. Angestachelt von seinem Hohn rannte sie auf ihn zu. Sie wollte ihm zeigen, dass sie stärker war, als er dachte. Ihre Augen funkelten vor Wut, als sie sich vom Boden abstieß und direkt auf den Kopf des Wolfs zusprang. Sie holte mit ihrem Bein weit nach hinten aus, ehe sie es mit voller Kraft nach vorne schnellen ließ und dem Biest zwischen die Augen, gegen den Stopp, trat. Zu ihrer Verwunderung rührte sich dieser keinen Zentimeter, sondern blieb völlig unbeeindruckt. Eine fließende Bewegung seines Kopfes entriss ihr den Halt und sie wurde im hohen Bogen von seiner Schnauze geworfen. Unsanft landete Asami auf dem Rücken und schliff noch einen halben Meter durch den staubigen Erdboden. „Du wirst schwach bleiben, wenn du dich nicht anstrengst. Andere werden den Preis dafür bezahlen, wenn du nicht für dich selber kämpfen kannst!“, zischte er, während er sich umdrehte und in seinen Unterschlupf zurückkehrte. Das Mädchen sprang auf und klopfte sich den Dreck von der Kleidung, während sie ihm hinterher schrie, wiederzukommen und sich ihr zu stellen. Sie rannte erneut los, fest entschlossen, sich mit ihm zu messen und ihm zu beweisen, dass er Unrecht hatte. Doch bevor sie den Eingang am Baumstumpf erreichte, wurde ihr schwarz vor Augen.
Im Zelt kam sie wieder zu sich. Die Wut und der Hass in ihr waren noch immer überwältigend, so antreibend, dass sie nicht anders konnte, als aufzustehen und aus der Notunterkunft ihrer Familie zu flüchten. Draußen angekommen, brach sie auf dem Boden zusammen und legte ihre Arme um die Knie. Tränen liefen ihr über das Gesicht. Sie wollte nicht, dass der Wolf richtig lag, sie wollte nicht schwach sein, sodass sich andere für sie in Gefahr bringen mussten. Ihre Brust bebte unkontrolliert, was ein erbärmliches Schluchzen verursachte, welches ihre Tränen begleitete. In diesem Moment war sie nicht nur traurig, dass Goro gestorben war. Sie war enttäuscht von sich selbst, bis zu dem Punkt, an dem sie sich selbst schuldig fühlte. Sie war wütend, dass es nichts mehr gab, was sie tun konnte, um das zu ändern. Für einen Moment wünschte sie, dass sie niemals nachgegeben hätte, denn der gedankenlähmende Lärm von vorhin war um einiges angenehmer gewesen als wie sie sich jetzt fühlte. Einige weitere Minuten verharrte sie so, heulend und schluchzend, ehe sie sich beruhigen konnte. Zumindest war es still. Stille, die sie sich mit Reue und Schuldgefühlen erkauft hatte. Sie schloss die Augen und bemerkte, wie müde sie immer noch war. Binnen weniger Sekunden fiel sie in den Schlaf, auf den sie so lange gewartet hatte.
Welcher leide nicht von langer Dauer war. Nach nur einer Stunde wurde sie von Nami geweckt, welche bei Sonnenaufgang schon auf war, um Vorräte aus dem Dorfzentrum zu holen. „Asami-chan! Was machst du denn hier draußen?“, hörte sie die besorgte Stimme ihrer Mutter, welche sie sanft rüttelte. Noch schlaftrunken öffnete sie ihre Augen einen Spalt weit. Es dauerte eine Sekunde, bis sie die Stimme und den Anblick zu ihrer Mutter zuordnen konnte. „Hast du die ganze Nacht hier geschlafen?“, hakte Nami nach, woraufhin ihre Tochter nur erschöpft den Kopf schüttelte und sich streckte. „Es war zu warm im Zelt“, log sie spontan und stand auf. „Na komm, wir machen einen kleinen Spaziergang. Du kannst mir helfen, das Essen für heute zu holen“, bot ihre Mutter herzlich an und nahm sie an die Hand. Zuerst wollte Asami sich weigern, mitzukommen, doch dann kam ihr das in den Sinn, was der Dämon zu ihr gesagt hatte. Vom Schlafen allein würde sich nichts ändern. Sie musste sich anstrengen, wenn sie eine Kriegerin sein wollte und ihrer Familie zu helfen war der logische erste Schritt. Mit neu gewonnener Entschlossenheit nickte das schwarzhaarige Mädchen und ging mit Nami mit. Sie kämpfte noch immer gegen ihre eigene Erschöpfung, als die beiden durch die Straßen des Dorfes schlenderten. Noch war es einsam, dank der frühen Morgenstunde.
Im Dorfzentrum angekommen, liefen sie zu der Vorratskammer hinüber. Die Dorfsleitung hatte es direkt nachdem die Angreifer in die Flucht geschlagen wurden in die Wege geleitet, dass alle verfügbaren Nahrungsmittel zusammengetan und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden. Shinobi übernahmen die Rationierung. Es herrschte genug Überfluss, damit man nicht allzu streng kontrollieren musste, wer wie viel ausgeteilt bekam, andererseits wollte man verhindern, dass auch nur ein Bewohner Hunger erlitt, weil andere Essen horteten. Asami rieb sich die Augen, während ihre Mutter die Wache haltenden Aufseher freundlich begrüßte und danach auflistete, was sie für den Tag bräuchte – Reis, ein paar Sorten Gemüse, eine knapp bemessene Menge Fleisch. Genug, dass sie ihren Ehemann und ihre Unzahl an Kindern verköstigen konnte, aber auch nicht mehr. Die Wachen genehmigten die Rationsausgabe und packten die Vorräte zusammen. „Asami, du kannst den Korb mit Gemüse nehmen“, schlug Nami vor, doch Asami schüttelte den Kopf. „Ich nehme den Sack Reis!“, versicherte sie, ging in die Knie, und stemmte das schwere Leinenbehältnis mit beiden Händen gegen ihren Oberkörper. Um einiges schwerer als erwartet, doch sie wollte keine Schwäche zeigen. Sie verabschiedeten sich von den Shinobi und traten den Heimweg an. Die Zwölfjährige ächzte unter der Last, doch hielt verbissen mit ihrer Mutter mit. Langsam konnte sie aber spüren, wie ihr Atem schneller wurde und sich ihr Puls beschleunigte. Hatte sie sich etwa überschätzt? Vor nur wenigen Tagen lief sie noch mit vergleichbarem Gewicht in ihrer Kleidung herum und nun musste sie die Zähne zusammenbeißen, um keine Pause einlegen zu müssen.
Nach nicht einmal der Hälfte des Heimweges spürte die Akademistin, wie ihre Beine langsam schwach wurden. Es kostete immer mehr und mehr Kraft, einen weiteren Schritt zu tun. Ihre Mutter hatte schon mehrere Male gefragt, ob sie nicht die Last tauschen sollte, was allerdings auf taube Ohren fiel. Für Asami war es mehr eine Prüfung an sich selbst als der simple Transport von Essen und sie würde nicht einfach durchfallen. Bis zur Grenze würde sie sich treiben, bevor sie eine Niederlage einräumte.
Einige Meter weiter – sie hatte gerade eines ihrer Beine nach vorne gehoben – gaben ihre Knie plötzlich nach. Während sie erschrocken nach vorne fiel, sah sie, wie der Sack ihrem Griff entglitt und vor ihr mit einem dumpfen Plumpsen auf den Boden aufprallte. Nur den Bruchteil eines Augenblickes später landete sie selbst auf besagtem Sack, mit dem Kopf zuerst, sodass ihr Gesicht über den rauen Stoff des Behältnisses schliff. Schwer atmend, lag sie da, während Nami ihre Sachen abstellte und zu ihrem Kind hinüber eilte, um zu schauen, ob alles in Ordnung war. Mühselig stützte sich Asami vom Reissack ab und stand auf, wenn auch noch mit wackeligen Beinen, die Stirn vom Schweiß bedeckt. Ihr wurde kurz schwarz vor Augen, ehe sich ihre Sicht wieder normalisierte. Auf die Frage hin, ob sie sich wehgetan hätte, entgegnete sie nur ein flüchtiges „Nein, Ookasan“ zwischen ihren tiefen Atemzügen. „Sollen wir jetzt die Last tauschen?“, fragte ihre Mutter mit leicht besorgter Stimme. Asami runzelte die Stirn. „Ich bin stark genug! Lass mich helfen!“, erwiderte sie trotzig. Im nächsten Moment spürte sie die Hand Namis, welche ihr das Haar zerzausten. „Ach, du große Kriegerin! Wenn du wirklich helfen willst, wirst du erst einmal zu Kräften kommen müssen.“ Der Blick der ‚großen Kriegerin‘ ruhte auf dem plumpen Sack, der vor ihr auf dem Boden lag. So ungern sie es auch zugab, ihre Mutter hatte Recht. Es war egal, wie sehr sie helfen wollte, wenn sie schon daran scheiterte, ein paar Lebensmittel zu schleppen. Schweigend und etwas beschämt ging sie hinüber zu der Tüten gefüllt mit Fleisch und Gemüse, die Nami vorher getragen hatte, welche nun selber den Reis schulterte. Mit der neuverteilten Last vollendeten sie ihren Marsch zurück zu den Notunterkünften.
Von dem Tag an half Asami beim Wiederaufbau, denn das Clananwesen lag immer noch in Trümmern. Es gab eine Menge zu tun: Die Ruine musste geräumt, die verbliebenen Steine nach Größe und Wiederverwendbarkeit sortiert und die zerbrochenen Holzbalken abtransportiert werden. Dabei war das alles noch zu erledigen, bevor der neue Grundstein überhaupt gelegt werden konnte. Die körperliche Arbeit zerrte unermüdlich an ihrer noch angeschlagenen Ausdauer, jedoch gönnte sie sich keine Pause, solange die anderen Saisho keine nahmen. Akane war ebenfalls mit von der Partie, schien aber nur körperlich anwesend. Zuerst hatte Asami noch versucht, ihre Zwillingsschwester nach der Arbeit oder in der Pause aufzumuntern oder sie anderweitig zum Reden zu bringen, doch Akane hätte genauso gut auf dem Mond sein können, zu ihr war nicht durchzudringen, sodass Asami es schlussendlich aufgab. Es war nicht typisch für sie, dass sie aufgab oder sich Sorgen machte, allerdings konnte sie in jenen Momentan einfach nicht anders. Sie hatte erwartet, dass ihre Schwester sich eher erholen würde, dass ihre kontrollierte Art schneller mit allem fertig werden würde. Aber wer war momentan schon wie er selbst?
Mit jedem weiteren Tag, der verging, konnte Asami spüren, wie ihre Kraft und Ausdauer zurückkehrte. Anfangs konnte sie sich kaum noch in die Unterkünfte schleppen, nachdem sie für den jeweiligen Tag fertig waren, doch schon bald verbrachte sie ihre Pause nicht damit, irgendwo kaputt rumzusitzen, sondern stattdessen mit leichten Gewichten zu trainieren. Die Worte des Wolfs hallten durch ihren Kopf und stählten ihren Willen bis zu dem Punkt, dass sie ihre eigene Erschöpfung überkam. Das Training trug ebenfalls dazu bei, einen klaren Kopf zu bewahren – jede Sekunde, in der sie sich auf etwas konzentrierte, war eine Sekunde, wo sie nicht über ihren gefallenen Bruder nachdenken musste. Sie hatte sich nur gewünscht, dass auch Akane aufhören würde, Trübsal zu blasen.

Kapitel 12: Abschied


Eluveitie - Anagantios

Am Tag der Beerdigung war Asami wieder um einiges niedergeschlagener. Eine Woche war nun vergangen, seitdem das Dorf überfallen wurde, allerdings hatte es einige Zeit gedauert, bis sich die Familie versammeln konnte, um Saisho Mikomi und Goro den letzten Respekt erweisen zu können. Genau an jenem Tag verdunkelten unheilvolle Wolken den Himmel, als befände man sich in einer dieser Erzählungen, in denen jemand so Großartiges starb, dass sogar das Wetter trauerte. Asami hatte es immer für ein Klischee gehalten, doch der heutige Tag überzeugte sie vom Gegenteil. Der düstere Horizont und die komplette Windstille erschufen eine surreale, bedrohliche Atmosphäre, eine Ruhe vor dem Sturm.
Asami und Akane standen in der vordersten Reihe der Menge, die sich vor dem Altar versammelt hatten, auf dem Bilder der Verstorbenen aufgestellt wurden, sparsam mit wenigen Blumen dekoriert. Die Priesterin, die gerade die traditionellen Gebete sprach, ignorierte Asami, zu sehr war sie in Gedanken versunken, während ihr Blick an dem Porträt ihres Bruders haften blieb. Die letzte Verewigung seines Gesichts auf Papier. Ihr standen schon Tränen in den Augen, doch sie bemühte sich, die Fassung zu bewahren. Stattdessen runzelte sie die Stirn und blendete alles um sich herum aus. Sie spürte nicht einmal, wie ihre Schwester ihre Hand ergriff. Allerdings konnte Asami fühlen, wie aufgewühlt sie selbst innerlich war, wusste aber nicht, wie sie damit umgehen sollte. Sie war sich nicht einmal sicher, was es genau war, das sie spürte. Ihren Bruder vermisste das Mädchen schon, aber das Gefühl war ein anderes, nicht wie die Trauer, die sie die letzten Tage über heimgesucht hatte – es war stärker, stechender als der dumpfe Schmerz von Verlust. Über den Köpfen der Saisho konnte man hören, wie die Wolken brachen und der Regen anfing auf das dichte Blätterdach des großen Baumes zu fallen, wodurch ein stetiges Rauschen die Luft erfüllte, welches das monotone Gebet der Priesterin begleitete. Es dauerte etwas, bis der erste dicke Tropfen auf die Trauernden fiel, jedoch brach damit sogleich die volle Wucht des Niederschlags auf sie herein. In diesem Moment erkannte Asami, was es in ihr war, dass sie so aufbrachte: Sie war nicht traurig, sie war wütend. Wütend darauf, dass Mikomi und Goro gestorben sind, weil sie diejenigen beschützt hatten, die es nicht selbst konnten. Wütend auf die anderen Dorfbewohner, weil sie nicht hier waren, um denen zu danken, welche ihnen das Leben gerettet haben. Aber vor allem war sie erzürnt darüber, dass der gesamte Klan stillstand, während die Verantwortlichen für den Überfall entkommen waren. Keiner der Saisho verfolgte sie, keiner ließ sie dafür bezahlen, was sie der Familie angetan hatten. War sie alleine mit ihrem Wunsch nach Rache?
Mit dieser Erkenntnis konnte Asami sich nicht mehr zurückhalten, wie so viele um sie herum, wenn auch aus anderen Gründen. Tränen liefen ihr in einem stetigen Strom die Wangen herunter und vermischten sich mit dem Regen, der sie von Kopf bis Fuß durchnässte. Sie wollte keinen Abschied, viel lieber wollte sie Vergeltung. Anstatt am Grab ihres Bruders zu stehen und zu trauern, wollte sie losrennen und seine Mörder jagen, bis sie diese zur Rechenschaft ziehen konnte. Diese Untätigkeit empfand sie als unerträglich, bis zu dem Punkt, dass es sich anfühlte, als ob das Blut in ihren Adern zu kochen begann. Nach einer kurzen Pause, in der sie alleine mit ihrer Wut war, sah sie, wie Akira sich in Bewegung setzte und sich vor die versammelte Familie stellte, um ihre Ansprache zu erhalten. Sie hielt eine ihrer Reden, wie sie es schon am Tag von Asamis Einschulung getan hatte, doch dieses Mal schenkte die Akademistin den Worten keine große Beachtung, zu sehr war sie in ihre eigenen Rachegelüste vertieft, auch wenn sie sich langsam beruhigen konnte. Nachdem die Clanshüterin mit ihrer Ansprache fertig war, ergriff das neue Clansoberhaupt – der Sohn Mikomis – das Wort. Es war sein erster offizieller Auftritt in seinem neuen Amt und somit konnte man noch die Unsicherheit in seiner Stimme hören, auch wenn diese mit jedem gesprochenen Wort mehr und mehr verschwand.
Nach seiner Rede setzte sich die Menge der Trauernden langsam in Bewegung in den großen Saal, in welchem die Trauerfeier fortgesetzt werden würde. Asami blieb strikt bei ihrer Schwester und ihrem Vater, verlor aber für den Rest der Feier kaum ein Wort. Zu sehr musste sie sich dazu zwingen, die Beherrschung zu bewahren.

Kapitel 13: Neujahr


Mit einem Lächeln biss Asami in den Geburtstagskuchen. Nicht mal mehr eine halbe Stunde bis zum Feuerwerk! Das Feuerwerk, welches jedes Jahr in Takigakure das Ende des alten und den Beginn des neuen Jahres verkündete. Aber nicht nur das, für die Familie Saisho gab es noch einen weiteren Grund zu feiern: Vor fast genau zwölf Jahren erblickten die Zwillinge von Seduko und Nami das Licht der Welt. Der zwölfte Geburtstag spielte dabei eine besondere Rolle, da sie in diesem Jahr die Abschlussprüfung der Akademie ablegen würden und damit offizielle Kunoichi des Dorfes wären.
Aufgeregt schaute Asami sich im Garten des Saisho-Anwesens um, wo die Feier stattfand. Es war kalt, nicht ungewöhnlich für einen 31. Dezember, und eine weiße Schneedecke verbarg das Grün der Wiese. Warme Getränke und lodernde Fackeln machten den Aufenthalt im Freien komfortabel, trotz der niedrigen Temperaturen. Um sie herum unterhielten sich die Erwachsenen, während sie sich am üppigen Buffet bedienten und den Saisho-Kindern und ihren Freunden zuschauten, wie sie spielend im Schnee herumtobten. Auch wenn sie vor kurzem noch dazu gehört hatte, war das alles für das Geburtstagskind im Moment jedoch uninteressant, Asami wollte nur, dass die Zeit möglichst schnell verging, damit es endlich Mitternacht war.
Ungeduldig ging sie zurück ins Haus und betrat das Wohnzimmer, um einen Blick auf die Uhr zu werfen, welche hoch an der Wand hing. ‘Nicht mal mehr 15 Minuten!‘, stellte sie fröhlich fest und machte sich auf, um ihre Schwester zu finden. Eilig sputete sie zurück in den Garten und hielt nach den karmesinroten Augen und den weiß-silbernen Haaren Ausschau, an der man sie in jeder Menschenmenge erkennen konnte, aber vergeblich. Keine Spur von Akane. Verwundert rannte sie zurück ins Anwesen. „Akane?“, rief Asami laut, während sie die Treppe hochlief. Keine Antwort. Oben angekommen rannte sie den Flur entlang und schaute in jedem einzelnen der Zimmer, ob sie sich irgendwo verkrochen hatte, immer noch ergebnislos. Ihre Schwester war nicht im Haus und auch nicht bei der Feier im Garten.
Grübelnd kratzte die Saisho sich den Kopf und überlegte, wo Akane stecken konnte. Es war nicht wie sie, einfach so zu verschwinden und wenn Asami ehrlich sein sollte, war sie auch etwas gekränkt. Vertraute sie ihr etwa nicht? Ist sie vielleicht mit einem Jungen davongeschlichen? Asami schüttelte nachdenklich den Kopf. Es passte einfach nicht zu ihr. Einen Augenblick später weiteten sich ihre Augen, als ihr plötzlich einfiel, wo sie am ehesten sein würde. Ohne Zeit zu verlieren rannte sie die Treppe wieder hinunter und verließ das Haus durch die Vordertür.
Ihr Atem kondensierte an der eiskalten Luft, als Asami anhielt und leicht erschöpft ausatmete. Das Neujahrsfeuerwerk hatte bereits angefangen, welchem sie jedoch keine Beachtung schenkte. Ihre Schwester zu finden ging vor. Die nun Zwölfjährige schluckte schwer und legte ihre Arme um sich, als sie in die Straße zum Friedhof einbog. Es wäre schlau gewesen, einen Mantel mitzunehmen, doch daran hatte sie in der Eile nicht gedacht. Langsamen Schrittes begann sie den Marsch die Friedhofstraße hinab. Sie war nur spärlich beleuchtet und wirkte somit noch einsamer als sonst verglichen mit dem Rest des Dorfes, in welchem jene Nacht durch den Schein der Laternen zum Tag gemacht wurde.
Während sie durch den seichten Schnee stapfte, kam in der Akademistin ein mulmiges Gefühl auf. Ihr fiel jetzt erst auf, dass sie gar nicht wusste, was sie sagen sollte, sollte sie ihre Schwester dort antreffen. Fast zwei Jahre war der Angriff auf Takigakure nun schon her, dennoch hatten sie seitdem nie richtig über den Verlust ihres Bruders gesprochen. Asami wusste nicht, wie sehr es sie immer noch mitnahm, auch wenn die Tatsache, dass sie gerade ihren Geburtstag an seinem Grab verbringen wollte, schon für sich selbst sprach. Sie selbst war schon seit Wochen nicht mehr dort gewesen, auch wenn sie selbstverständlich noch an ihn dachte. Die vielen Male, an denen sie versucht hatte, mit dem Grabstein zu reden, ohne Reaktion, ohne Antwort, brachten nur das selbe Gefühl von quälender Untätigkeit und Hilfslosigkeit zurück, welches sie bereits am Tag der Beerdigung ergriffen hatte. Stattdessen wollte sie lieber ihren Bruder stolz machen, indem sie stärker wurde und somit diejenigen fassen konnte, die verantwortlich für sein Ableben waren. Auch wenn sie in der Hinsicht momentan keine Fortschritt machte.
Das gusseiserne Tor ächzte unter Asamis Berührung, als sie dieses beiseiteschob, um den Friedhof zu betreten. Die Kälte fing an, ihre für dieses Wetter ungeeignete Kleidung zu durchdringen, nun da sie sich nicht mehr durch Bewegung warm hielt. Leicht zitternd zog sie das Tor hinter sich zu und schaute sich in der verschneiten und trostlosen Ansammlung von Grabsteinen um. Es dauerte nicht lange, bis ihre Augen das Grab ihres Bruders fanden und damit auch die mitleiderregende Kreatur, welche vor dem schlichten Grabmal kauerte. Die Saisho war sich sicher, dass sie ohne das Knallen und Zischen des Feuerwerks in der Ferne Akane weinen hätte hören können. Zögernd ging Asami auf ihre Schwester zu. Es ging ihr offensichtlich schlechter als sie erwartet hatte, und trotzdem musste sie ihren Zwilling irgendwie trösten. „Akane…“, wollte sie sagen, als sie endlich neben ihr stand, doch ihr Hals war wie zugeschnürt. Akane setzte sich trotzdem auf. Sie musste das Knirschen des Schnees gehört haben, als Asami zu ihr hinübergegangen war.
Für einen Moment stand Asami einfach still da und dachte darüber nach, was sie sagen sollte, um sie wieder nach Hause zu bekommen. Gewöhnlich war es am einfachsten, Akane dazu zu bringen, etwas zu tun, indem man ihr versicherte, dass es diejenigen freute, die ihr wichtig waren. Asami räusperte sich. „Alle haben sich Sorgen gemacht…Sie suchen dich überall…“, sprach sie, ihre Stimme schon etwas heiser von der Kälte. Die ältere Schwester hatte sich alleine auf die Suche gemacht, ohne den anderen etwas zu sagen, insofern nahm sie an, dass die Familie momentan sie beide suchte und sich um sie beide sorgte, aber das brauchte Akane nicht zu wissen. Auf Asamis Worte folgte Stille. Eine unerträgliche Stille, während welcher sie sich beherrschen musste, nicht neben ihrer Schwester zusammenzubrechen und ihrer Trauer beizuwohnen. Doch mit Mühe gelang es ihr, die Gefühle herunterzuschlucken und ein weiteres Mal nachzuhaken. „Willst du denn nicht mit mir zurückkommen? Alle warten…“, sagte sie mit einfühlsamer Stimme und erntete endlich eine Reaktion, wenn auch eine unerwartete. Langsam schüttelte Akane ihren Kopf. Es passierte nicht oft, dass sich die jüngere Schwester so verweigerte und jedes Mal, wenn sie es tat, war Asami ratlos. Mehr würde sie so nicht bezwecken können.
Enttäuscht, vor allem von sich selbst, wandte sie sich ab und entfernte sich mit langsamen Schritten vom Grab. Sie wusste, dass es mit jedem vergangenen Augenblick, den sie dort verweilte, schwerer geworden wäre, zu gehen und sie wollte den Rest der Nacht nicht so verbringen, in Trauer versunken. Dass sich ihre Familie wahrscheinlich fragte, wo die beiden steckten, war keine Motivation. Das Knirschen des Tors verkündete, dass Asami den Friedhof wieder verließ.
Auf der Straße angekommen, kam Asami plötzlich eine Idee. Sie wusste, wie sie ihre Schwester aufheitern konnte, ohne sie dabei zurück zum Anwesen kriegen zu müssen. Mit neugefundener Energie nahm sie die Beine in die Hand und rannte schnell zurück nach Hause, wobei sie bei der ersten Gelegenheit auf ein Dach sprang, um sich nicht durch die ganzen Dorfbewohner drängen zu müssen, die nun nach Ende des Feuerwerks alle auf ihrem Heimweg waren. Die Trauer und die Kälte waren wie vergessen, so eilte sie in den Garten des Anwesens und trommelte schnell alle zusammen. Die Fragen, wo sie gesteckt hatte und wo ihre Schwester war, ignorierte sie, stattdessen schilderte sie den Gästen der Feier ihren Plan.
Einige Zeit später kam Asami zurück zum Friedhof, ein breites, selbstgefälliges Grinsen auf den Lippen. Mit ihr waren all die anderen Feiernden gekommen, vollständig mit Laternen, wärmenden Fackeln und Verpflegung. Akane brauchte eine kurze Weile, ehe sie sich umdrehte und mit großen, ungläubigen Augen die Menschenmasse anstarrte, die von ihrer Schwester hierher gelotst wurde. Das breite Lachen des Mädchens war genau das, was Asami zu erreichen versucht hatte. Mission erfolgreich!

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Saisho Asami

Determination.

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Dienstag, 8. März 2016, 21:50

Kapitel 14: Sich beweisen


Paramore - Now

Für Asami war es ein Morgen wie jeder andere. Zuerst öffnete sie ihre Augen einen Spalt weit, um zu bestätigen, dass der Tag schon angebrochen war, machte dann jedoch noch keine Anstalten, sich zu rühren. Stattdessen blieb sie einfach gelassen liegen, wenn auch mit dem leisen Hintergedanken, dass sie bald aufstehen musste. Doch in jenem Moment war das Bett viel zu gemütlich und ihr Körper viel zu träge.
Ein paar Minuten später richtete sie sich endlich auf und streckte sich genüsslich, ehe ihre Arme wieder sanken und sie sich mit einer Hand die Augen rieb und sich mit der anderen im Nacken kratzte. Schlaftrunken rollte sie von der Matratze und stieß sich danach mühselig vom Boden ab, um endgültig aufzustehen. So weit so gut. Wie ferngesteuert schlurfte sie anschließend aus ihrem Zimmer und ging direkt ins Badezimmer, ohne zu klopfen. Um die Zeit, zu der Asami aufstand, war es immer frei.
Routinemäßig legte die Saisho ihren Schlafanzug ab und stellte sich unter die Dusche. Der eigentliche Prozess des Aufwachens fing für die Akademistin erst an, wenn warmes Wasser sanft auf ihren Rücken prasselte. Ihr entging ein zufriedener Seufzer, als sie spürte, wie ihre Schultern sanken und ihr Körper sich beim Kontakt mit der Wärme entspannte. Zeit für die Tagesplanung. In diesem Moment fiel ihr ein, wie wichtig der heutige Tag war. Die Abschlussprüfung! Es war der Tag, an dem sie beweisen musste, dass sie bereit war, Genin von Takigakure zu werden. Woran sie selbstverständlich keinerlei Zweifel hatte. Nachdem sie sich eingeseift hatte, blieb Asami noch ein paar Minuten stehen und genoss den warmen Wasserstrahl über ihr, ehe sie sich schlussendlich überwand und den Hahn zudrehte und somit die Wasserzufuhr stoppte. Danach stieg sie aus der Dusche, öffnete das Fenster, um die aufgeheizte Luft herauszulassen und griff sich ihr Handtuch, um sich abzutrocknen.
Einigermaßen trocken, ließ sie ihr Handtuch zu Boden fallen und ging hinüber zum Spiegel, wischte das kondensierte Wasser mit ihrer Hand ab, um sich selbst sehen zu können. Mit groben Handgriffen rückte sie die schwarze Masse an Haaren zurecht, sodass sie ihr zumindest nicht im Gesicht hingen. Es eine wirkliche Frisur zu nennen wäre jedoch sehr optimistisch gewesen. Danach wandte sich ihre Aufmerksamkeit zu ihrem Gesicht. Mit Mühe öffnete sie ihre Augen weit und schaute in den Spiegel. Leichte Augenringe zeichneten sich ab, abgesehen davon aber war sie so ansehnlich wie immer. Anschließend schlüpfte sie wieder in ihren Schlafanzug, verließ das Bad und machte sich langsam auf den Weg die Treppe hinunter, wo das Frühstück, für sie selbstverständlich, schon auf sie wartete. Mit einem gemurmelten „Guten Morgen“ schlurfte sie zum Frühstückstisch, ehe sie sich mit einem Plumps hinpflanzte. Zum Missfallen ihres Vaters. „Asami, du könntest dir wirklich ein Beispiel an deiner Schwester nehmen!“, tadelte er sie. „Mhmmmh…“, erwiderte sie einfach, war sogar noch zu verschlafen, um die Augen zu rollen. Die Versuche ihres Vaters, sie etwas salonfähiger am Morgen zu machen war sie gewöhnt und die missbilligenden Worte hörte sie so regelmäßig, dass sie ihre Bedeutung schon lange verloren hatten. Frühstück hatte genau einen Sinn: Nahrungsaufnahme. Dabei musste man nicht aussehen, als ob man in feinster Gesellschaft wäre. Außerdem kannte sie ihren Vater gut genug, um zu wissen, dass er zwar nicht mit den Kommentaren aufhören, es aber bei diesen belassen würde. Was an dem Tag jedoch anders war, war, dass Akane sie in Schutz nahm. “Du solltest aufhören uns miteinander zu vergleichen Vater. Weder ist sie Ich, noch dürfte sie großes Interesse daran haben wie ich zu werden…“, sagte sie konfrontierend. Überrascht sah Asami zu ihrer Schwester hinüber, mit fragendem Blick. Was sollte das denn heißen? In ihren Ohren klang es überheblich, als ob sie sich für etwas Besseres hielt. “Du solltest deine Schwester nicht in Schutz nehmen wenn ich sie zurechtweise“, stellte Seduko nach einer kurzen Pause klar. ‘Die wissen aber schon, dass ich gerade hier sitze?‘, fragte sich Asami und war sich für einen Moment nicht sicher, ob sie nicht vielleicht spontan unsichtbar geworden war. Sollten die beiden jedenfalls über sie streiten, als ob sie nicht anwesend wäre, sollte sie zumindest die Gelegenheit nutzen, beschloss die Kunoichi in spe und griff sich eine Schüssel Miso-Suppe vom Tisch und fing an zu essen. „Ich habe sie nicht in Schutz genommen“, vergewisserte Akane, „Mir sind ihre Schwächen ebenso klar wie dir und ihr. Allerdings ist meine Schwester meine Schwester und ich bin ich. Jede von uns hat ihre eigenen Stärken und Schwächen und du solltest nicht erwarten, dass wir versuchen wie die andere zu werden.“ Asamis Augen waren auf ihre Suppe fokussiert, aber man konnte spüren, dass ihre Schwester den Familienvater überzeugen konnte. Schließlich hatte sie ja auch Recht. Was konnte Asami schon dafür, dass der Rest der Familie nicht wusste, wie man den Tag entspannt anfing?
Nach dem Frühstück sprang Asami auf und eilte nach oben, um sich fertig zu machen. Auch wenn sie normalerweise sehr gelassen war, zu spät kommen wollte sie am Tag der entscheidenden Prüfung nicht. Sie hatte kaum die Tür hinter sich geschlossen, da hatte sie schon den Schlafanzug abgelegt und war in Shorts und Tank Top geschlüpft, welche vorher auf dem Boden ihres Zimmers herumflogen. Anschließend griff die Saisho sich ihre Jacke, welche sie am Vortag achtlos über den Stuhl geworfen hatte. In einer flüssigen Drehung warf sie sich diese um, sodass sie nun vor dem Spiegel an ihrer Wand befand und sich selbst dabei zuschauen konnte, wie sie sich die Ärmel hochkrempelte und den Kragen zurechtzupfte. Danach hielt sie für einen Moment inne und betrachtete ihr Spiegelbild, von der selbstsicheren Haltung bis hin zu dem entschlossenen Funkeln in ihren Augen. Alles an ihr strahlte aus, dass sie die Abschlussprüfung quasi nur bestehen konnte. Nach dem kurzen Moment der Selbstreflexion wandte sie sich ab und griff nach ihren Handschuhen, welche aufgrund der enormen Trainingsgewichte schwer in ihrer Hand lagen und stülpte sie sich über. Nun in voller Montur, erhob Asami mit einem Grinsen ihre Fäuste und vollführte ein paar Fausthiebe in die Luft. ‘Zeit zu gehen!‘, rief sich die Akademistin ins Gedächtnis und rannte zu dem Zimmer ihrer Schwester, sodass sie gemeinsam zur Akademie gingen konnten.
Zu Asamis Überraschung fand sie nur einen leeren Raum vor, als sie die Tür öffnete. In Eile rannte sie den Flur entlang und die Treppe hinunter, doch auch dort war keine Spur von Akane, selbst ihre Schuhe standen nicht mehr dort. ‘Ist sie etwa ohne mich losgegangen?!‘, fragte Asami sich gekränkt, während sie ihre Stiefel griff und diese so schnell wie möglich anzog, bevor sie selbst das Haus verließ. Draußen angekommen nahm sie die Beinde in die Hand, rannte los und sprang auf das nächstbeste Dach, um den direkten Weg zur Akademie zu nehmen. Einholen konnte sie ihren Zwilling aber nicht mehr. An der Shinobi-Schule angekommen, sputete Asami in ihr Klassenzimmer. Sie war gerade so noch pünktlich, hatte sogar noch ein wenig Zeit, um Akane zu konfrontieren.
Verärgert stapfte sie zu ihrer Schwester hinüber und begrüßte sie mit einem mehr als spielerischen Schlag auf den Hinterkopf. „Warum hast du nicht auf mich gewartet?“, knurrte Asami erzürnt, Akane hingegen schien sich jedoch keiner Schuld bewusst, ganz im Gegenteil, sie fragte, was sie getan hätte, um einen solchen Hieb zu verdienen. „Warum du nicht gewartet hast! Wir gehen doch immer zusammen!“, rief Asami ihrem Zwilling in Erinnerung, welche sich langsam zu erinnern schien. „Vergessen…“, meinte sie in einem einräumenden Tonfall und wandte sich von ihrer Schwester ab. ‘Vergessen, eh?‘, wunderte sich Asami in Gedanken, denn normalerweise wusste Akane ganz genau, was sie tat und was sie zu tun hatte. Wieso ist ihr gerade heute so etwas Routinemäßiges entfallen? Ein amüsiertes und zufriedenes Grinsen schlich sich auf die Lippen der Saisho, als ihr der naheliegende Grund einfiel, warum sie nicht alles wie sonst immer durchgeplant hatte. „Sag nur du bist nervös…“ Mit diesen Worten versuchte Asami nach einer Reaktion zu fischen, was genau ins Schwarze traf. Beinahe musste sie lachen, als sie sah, wie ihre Schwester instinktiv zusammenzuckte, auf frischer Tat ertappt. „Du etwa nicht?“, fragte Akane zurück, immer noch stur aus dem Fenster schauend, wodurch Asami in schallendes Gelächter ausbrach. Es war weniger die Tatsache, dass irgendjemand nervös war wegen der Abschlussprüfung, sondern eher dass es sich gerade um ihre Schwester handelte, die sich sonst in ihrer kühlen Art von nichts beeindrucken ließ, was sie so belustigte. Außerdem war sich das Mädchen totsicher, dass die beiden schon die Prüfung vor einem Jahr bestehen hätten können, wenn ihre Eltern das gewollt hätten.
„Unsere Miss Perfekt hat Muffen vor der Prüfung!“, hakte Asami noch einmal nach, ehe sie sich, immer noch halb lachend, auf dem Weg zu ihrem Platz machte. Wenn sie sich nicht sicher gewesen wäre, dass Akanes Nervosität sie nicht dazu bringen konnte, es zu vermasseln, hätte sie womöglich ein paar beruhigende Worte fallen lassen. Aber so war es viel zu lustig gewesen, ihre Reaktion zu sehen!
Bis Asami die Prüfung jedoch ablegen konnte, verging noch einige Zeit, welche sie selbstverständlich nicht seelenruhig wartend verbringen konnte. Nachdem das Klingeln geläutet hatte, hat der Lehrer ihrer Klasse noch einige Dinge erklärt, die sie vor der Prüfung wissen sollten. Danach wurden die Prüflinge der Reihe nach aufgerufen und zu den Prüfungsräumen geführt, wo sie zeigen mussten, dass sie die gestellten Aufgaben meistern konnten.
‘Alphabetisch! Wieso Alphabetisch?!‘, ärgerte sich Asami mit grimmigem Blick, während sie im Klassenzimmer ruhelos auf und ab ging. Die Zeit, die sie hier untätig warten musste, fühlte sich quasi an wie weitere 6 Jahre in der Akademie. Inzwischen waren es nur noch ihre Schwester, sie, und ein weiterer Akademist, die noch übrig geblieben waren und auf ihren Aufruf warteten. ‘Wäre es doch nur nach Vornamen gegangen…‘, wünschte sich die Saisho und sah zu ihrer Schwester hinüber, welche schon die gesamte Zeit seelenruhig aus dem Fenster starrte, als wäre sie nicht einmal da. „Wie kannst du nur so verdammt ruhig bleiben?“, beschwerte Asami sich lautstark, wodurch sie zumindest Akanes Blick ernten konnte. Doch bevor diese ein Wort herausbrachte, öffnete sich plötzlich die Tür, wodurch Asami sofort erstarrte und mit erwartungsvollen Augen den Prüfer ansah, mit der Hoffnung, dass man sie aus irgendeinem Grund entgegen der Reihenfolge aufrufen würde. „Saisho Akane!“, rief der Prüfer, weswegen Asami laut stöhnte und sich die Haare raufte. ‘Warum konnte ich nicht den früheren Namen bekommen…‘, fragte sie sich verzweifelt und beobachtete ihre Schwester, wie sie fast übertrieben ruhig aufstand und mit dem Prüfer das Klassenzimmer verließ, was Asami nur noch ungeduldiger machte. Wenigstens war sie als nächstes dran, der andere Akademist war glücklicherweise kein Saisho und insbesondere keiner, dessen Vornamen mit „A“ anfing.
Einige Minuten später war es dann endlich soweit. Als die Tür sich öffnete und der Prüfer ihren Namen rief, rannte Asami schnell zu ihm hinüber und folgte ihm zu den Prüfungsräumen. Auf dem Weg dorthin spürte sie, wie sie selbst etwas nervös wurde. Auch wenn es bis vor kurzem nicht schnell genug gehen konnte, wünschte sie sich nun, dass sie noch ein oder zwei Minuten hätte, um sich vorzubereiten. Etwas anmerken lassen ließ sie sich jedoch nicht. Mit selbstsicherer Körpersprache und dem berüchtigten Grinsen trat sie in den Raum und musterte die Prüfer, drei an der Zahl, welche alle hinter einem breiten Tisch saßen. Asami blieb in der Mitte des Raumes stehen und wartete auf Instruktionen. „Die heutige Prüfung hat 3 Bestandteile: Bunshin no Jutsu, Henge no Jutsu und eine theoretische Frage. ‘Eine theoretische Frage?‘ Ihre Augen weiteten sich leicht. [/i]‘Bitte nichts über Spähtaktiken!‘[/i], hoffte sie und nickte, mit ernster Miene, um ihr Verständnis zu signalisieren. „Du darfst beginnen“, sagte einer der Prüfer, woraufhin sich Asami unverzüglich ans Werk machte. Sie nahm einen tiefen Atemzug, formte die nötigen Fingerzeichen und mit einem Puffen erschuf sie einen Doppelgänger von sich rechts neben ihr. Die beiden Asamis grinsten und salutierten synchron mit Zeige- und Mittelfinger. Die Prüfer wirkten sichtlich zufrieden. „Sehr gut, kommen wir zum Henge no Jutsu. Verwandle dich bitte in Miyazaki-sama“, erhielt sie den nächsten Auftrag.
Die Saisho löste den Bunshin auf und nahm sich einen kurzen Moment, um sich das Aussehen der Dorfführerin ins Gedächtnis zu rufen. Danach formte sie erneut Fingerzeichen und ging selbst in einer Rauchwolke auf, aus der ein Abbild der Anführerin des Dorfes hervortrat, welche keck ihren linken Arm auf ihre Taille legte. „Tadellos“, stellten die Prüfer zufrieden fest. Geehrt von dem Lob, verbeugte sich Asami, ehe sie das Ninjutsu auflöste und die Riege an Prüfern musterte, während sie auf den letzten Teil der Prüfung wartete. Ein paar unangenehme Momente lang sagte niemand etwas, stattdessen starrte Asami die Prüfer an und diese zurück. „So…Kommt noch ‘ne Frage?“, fragte sie vorlaut und zu ihrer Überraschung wurde ihr etwas respektloser Tonfall mit einem zufriedenen Nicken seitens der Prüfenden entgegnet. „Was jetzt?“, fragte sie erneut, diesmal verwundert, woraufhin sich einer der Prüfer endlich erbarmte und sie aufklärte. „Eine Fangfrage – oder so in der Art. Wir wollten sehen, ob du nicht einfach versuchst, die Frage zu überspringen.“ Er holte ein Stirnband, das Emblem Takigakures eingraviert, heraus und streckte es dem Mädchen entgegen. Asami eilte hinüber und wollte es schon greifen, da zog er auf einmal die Hand wieder weg. „Aber du solltest höflicher zu deinen Älteren sein“, tadelte er sie noch, überreichte ihr aber schlussendlich den Stirnprotektor. „Hai!“, rief die Saisho mit einem Nicken, nahm das Stirnband und wischte schnell ihre Haare zur Seite, damit sie es gleich anlegen konnte. „Wo muss ich jetzt hin?“, fragte Asami hastig, trat schon auf der Stelle. „Zum Versammlungsraum. Dort musst du bleiben, bis jeder die Prüfung absolviert hat, damit ihr euch nicht absprechen könnt-„ Der Prüfer wurde davon unterbrochen, dass sie zur Tür hinüber rannte, ein „Peace“-Zeichen machte und dann eilig den Raum verließ. Im Flur angekommen machte sie einen kleinen Freudensprung. Obwohl sie es nicht anders erwartet hatte, war sie mehr als stolz darauf, nun endlich eine Kunoichi Takigakures geworden zu sein. Den Beweis dafür trug sie schon auf der Stirn! Mit einem selbstzufriedenem Lächeln und den Armen hinterm Kopf verschränkt machte sie sich auf den Weg zum Versammlungsraum. Sie freute sich schon darauf, ihre Schwester und Hayao zu sehen, beide Genin wie sie nun auch.

Kapitel 15: Wunschdenken


Paramore - Let the Flames Begin

‘Bald ist es soweit…‘, ging es Asami durch den Kopf, als sie den üppigen Vollmond am klaren Nachthimmel betrachtete. Mit dem Kopf im Nacken saß sie mit ihren Freunden an einem abgelegenen Teil des Ufers, fernab von den vielen Laternen und dem anderen Festschmuck, in denen der Großteil des Dorfes gehüllt war, sodass die Sterne nur noch heller zu scheinen schienen. „Und du, Asami?“, wurde die Saisho plötzlich von den anderen aus ihrer Träumerei gerissen, weswegen sie etwas verdutzt in die Runde blickte. „Huh?“ „Schläfst du etwa schon? Es ist noch nicht mal Mitternacht!“, neckte Hayao sie und erntete sich damit einen gespielt bösen Blick ihrerseits. „Was du später als Shinobi machen willst“, erinnerte man sie. Nicht alle in der Runde waren Genin oder in der Akademie und da nun sie sowie Hayao die Abschlussprüfung der Akademie bestanden hatten und damit offiziell zu den Truppen ihres Dorfes gehörten, war dies für die Nicht-Shinobi natürlich besonders interessant. Asami streckte sich, um möglichst lässig zu wirken, während sie über ihre Antwort nachdachte. Eigentlich wusste sie ganz genau, wieso sie eine Kunoichi werden wollte. Um stärker zu werden. Damit sie beweisen konnte, dass sie besser war als ihre Zwillingsschwester. Damit sie ihren Clan stolz machen konnte. Damit sie diejenigen finden konnte, welche ihr ihren Bruder genommen hatten. Für Goro. Für sich selbst.
Doch das war nicht, was sie den anderen erzählen wollte. „Eines Tages“, fing sie an und blickte grinsend in die Runde, „eines Tages werde ich meinen Clan anführen. Die stärkste Saisho, die es jemals gab. Dann wird sich niemand mit Takigakure anlegen können!“ Ihr Schauspiel schien die anderen überzeugt zu haben. Ein belustigtes Kichern zog sich durch die Gruppe an Halbwüchsigen. Einzig Hayao schien bemerkt zu haben, dass das nicht ganz richtig war. Mit einem Zwinkern bestätigte sie seine Vermutung. Inzwischen kannte er sie einfach zu gut, als dass sie ihn ohne weiteres anlügen konnte. Danach stand sie auf. „Es ist fast Mitternacht, ich muss zu meiner Familie“, erklärte sie, zum Missfallen der anderen. „Du feierst mit deiner Familie? Aber das ist doch langweilig!“, protestierte einer. „Pah“, erwiderte Asami, während sie sich umdrehte. „Ohne mich seid ihr noch viel langweiliger!“, verabschiedete sie sich, ehe sie losrannte, um ihre Eltern und ihre Schwester zu finden, bevor die Laternen zu Wasser gelassen wurden.
Während Asami am Ufer entlang spurtete, fragte sie sich, was Akane auf die Frage von vorhin geantwortet hätte. Wahrscheinlich hätte sie gesagt, dass sie das gesamte Dorf beschützen würde. Jeden einzelnen Bewohner, damit so etwas wie der Überfall von vor zwei Jahren nie wieder geschah. Asami empfand es als naiv. Niemand hatte die Kraft, so vielen Leuten allein zu helfen, wenn sie sich nicht im Geringsten selbst verteidigen konnte, nicht einmal Akira und ihre Schwester erst recht nicht. Es brauchte so etwas wie den Clan der Saisho, in welchem die Anzahl derjenigen, welche Schutz benötigen, die Anzahl der Starken kaum übersteigt. Noch mehr von den Verteidigungslosen führte nur dazu, dass die Starken für die Schwachen starben, grundlos.
Wenige Minuten vor Mitternacht konnte Asami den Rest ihrer Familie dann endlich erspähen. Sie standen bereits nahe des Seeufers und sie konnte aus der Ferne schon sehen, dass ihre Mutter 4 Laternen dabei hatte – für jeden eine. „Okaasan! Otousan! Nee-chan!“, rief Asami und eilte zu den anderen hinüber. Seit den letzten zwei Laternenfesten war es für sie zur Gewohnheit geworden, zumindest den Höhepunkt der Feierlichkeiten um Mitternacht mit ihrer Familie zu verbringen. „Asami-chan, du bist ja gerade noch rechtzeitig“, merkte Nami erfreut an, während Seduko sie leicht besorgt ansah. Asami wusste, dass er am liebsten fragen würde, wo sie gesteckt hatte und was sie mit den anderen angestellt hatte, doch er wusste ebenso, dass er keine richtige Antwort bekommen würde, wie sonst auch.
Nun vollzählig, teilte die Mutter die Laternen aus und die Familie ging gemeinsam die letzten Schritte zum Wasser. Um sie herum machten sich auch die anderen Familien bereit, ihre angezündeten Laternen, gepaart mit einem Wunsch, auf dem See treiben zu lassen, bis sie entweder im Feuer der Kerze aufgingen oder im tiefen Blau versanken. Der Rede nach wurden die Wünsche derjenigen erfüllt, dessen Laterne verbrannte anstatt zu versinken.
„Bereit, nee-chan?“, fragte Akane neben ihr. Asami nickte zuversichtlich und schaute hinunter auf ihre Laterne. Das Leuchten der Kerze im Inneren funkelte in ihren Augen, die durch den Abendwind flackerte Flamme zeichnete tänzelnde Schatten auf ihre Arme und ihr Gesicht. Danach nahm sie einen tiefen Atemzug und verinnerlichte den sehnlichsten Wunsch, den sie hatte. Jener Wunsch, welcher sich seit dem Angriff auf das Dorf nicht geändert hatte: Sie wünschte sich Kraft. Die Kraft, die sie brauchen würde, um ihre Familie zu beschützen und die es ihr ermöglichen sollte, den Tod ihres Bruders zu rächen. Egal, was dabei von ihr verlangt wurde, egal, welchen Preis sie zahlen musste, um ihren Willen durchzusetzen. Anschließend nahm Asami ihre Laterne, setzte sie sanft aufs Wasser und stieß sie los, sodass diese zusammen mit den Dutzenden anderen langsam über den See glitt, in Richtung des großen Baums.
Mit großen Augen fixierte die Saisho ihre Laterne. Wer seine eigene auch nur kurz aus den Augen verlor, würde sie in dem Lichtermeer, was sich in diesen Moment vor ihr ausbreitete, wohl kaum noch wiederfinden können und wer nicht wusste, welche Laterne er zu beobachten hatte, konnte nicht herausfinden, ob sein Wunsch in Erfüllung ginge. Gespannt hoffte Asami auf den Moment, in welchem ihr Lampion Feuer fing, während die Armada an Papierschiffchen das Gewässer überquerte. Eine beträchtliche Anzahl steckte schon in Brand und das Mädchen am Ufer gab immer mehr die Hoffnung auf, dass ihre Laterne nicht einfach im See untergehen würde. Dann plötzlich, als die Laterne ungefähr die Hälfte des Wegs zurückgelegt hatte, geschah es. Ein kleines Stück der Kerze, angestachelt von der Hitze des brennenden Wachses, geleitet von einer günstigen Brise, fraß sich in das äußere Papier und breitete sich gierig über die ganze Laterne aus.
Erleichtert beobachtete Asami, wie sich das Papier unter der Hitze zusammenkrümmte. Das Feuer verschlang die fragile Laterne nach und nach, brannte lichterloh, während das Schiffchen sich unter der Last der Flammen wandte und zunehmend auseinanderbrach. Mit fokussiertem Blick sah die Genin dem Schauspiel zu, ließ das Feuer auf sich wirken. Sie konnte spüren, wie es sie jede weitere Sekunde mehr und mehr in den Bann zog. Ihre Brust fing an zu beben, als sie fühlen konnte, wie die in ihr brodelnde Wut und Rachsucht aufstieg, es sie mit einer überwältigenden Entschlossenheit erfüllte. Der Ansturm an Emotion war so überwältigend, dass Asami von selbst die Fäuste ballte, so fest, dass sie spüren konnte, wie ihre Nägel sich in ihr Fleisch bohrten. „Für dich, Nii-san“, flüsterte sie leise, während in der Ferne das Leuchten ihrer Laterne langsam erlosch, ehe die verbrannten Überreste schlussendlich nachgaben und in den Tiefen des Sees verschwanden.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Saisho Asami« (8. März 2016, 22:02)

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